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Dienstag, 06.04.2010

In Südafrika wächst die Furcht vor Rassenkonflikten

Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-WM drohen dem Gastgeber-Land neue Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen.

Von Laszlo Trankovits

Zehn Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat die Ermordung eines bekannten Rechtsextremisten Angst vor rassistischen Unruhen ausgelöst. Der gewaltsame Tod des Eugene Terreblanche wühlt die Menschen der „Regenbogen-Nation“ mit den vielen Rassen tief auf. Präsident Jacob Zuma sorgt sich zu Recht auch über den Schatten, den die Tat auf die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden werfen könnte – zumal die Rechtsradikalen nach der Gewalttat gegen ihren Führer zornig von einer „Kriegserklärung“ der Schwarzen gegen die Weißen sprechen. Und er bedroht das Bild von einem friedlichen und versöhnten Südafrika – das gerade massiv um Touristen für das große Fußballfest im Juni und Juli buhlt.

Als die blutjungen Arbeiter den 69-jährigen Farmer und Rechtsradikalen mit einer Machete und einem Schlagstock grausam töteten, hatten sie sicher keine Vorstellung von dem politischen Beben, das sie auslösen würden. Der 15-jährige Junge und sein 21-jähriger Kollege beendeten offenbar ihren Streit mit Terreblanche über ihren Lohn so, wie viele Konflikte in diesem Land ausgetragen werden: mit Gewalt. Die Mordrate Südafrikas liegt 20 bis 30 Mal so hoch wie in Westeuropa – Ähnliches gilt für andere Gewalttaten.

Eugene Terreblanche war Anführer einer rassistischen Bewegung für die Schaffung eines eigenen Staates für die weiße Minderheit in Südafrika. Er wurde in den 80er- und 90er-Jahren nach militanten und terroristischen Aktionen mehrfach verhaftet und auch verurteilt. Die Aktionen reichten vom Teeren und Federn eines Professors in Pretoria und illegalem Waffenbesitz bis zu blutigen Straßenschlachten und Bombenanschlägen. Noch kurz vor der ersten demokratischen Wahl Südafrikas im April 1994 hatte seine rechtsextremistische Organisation AWB Bombenanschläge in der Johannesburger Innenstadt verübt, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen.

Aber diesmal wurde noch ein anderer Makel der jungen südafrikanischen Demokratie grell beleuchtet. Denn unbestritten leidet die Gesellschaft noch immer an den Spannungen zwischen den Rassen. Zumindest für die Opposition ist dabei der Hauptübeltäter längst ausgemacht: Schon kurz nach dem Mord an dem berüchtigten rechtsextremen Farmer stellten auch die wichtigsten Oppositionsgruppen einen Zusammenhang zwischen den „hetzerischen“ Reden des Generalsekretärs der ANC-Jugendorganisation, Julius Malema, und der Gewalttat der schwarzen Arbeiter an dem weißen Farmer her.

„Töte den Farmer“

Malema, ein wichtiger Verbündeter Zumas, fordert nicht nur die Verstaatlichung der Minen-Industrie oder die Enteignung von Ländereien. Er besteht auch darauf, „traditionelle Kampflieder“ des ANC zu singen, in denen zur Ermordung von Buren aufgerufen wird: „Kill the Boer“ (Töte den Farmer), wobei ganz klar nur die weißen Siedler gemeint sind. Obwohl inzwischen Gerichte den verfassungsfeindlichen Charakter dieses Liedes festgestellt haben, bleibt Malema stur. „Lieber gehe ich ins Gefängnis“, meinte der 29-Jährige trotzig.

Vergangene Woche besuchte er Simbabwe, wo er als Gast der Partei des Despoten Robert Mugabe deutlich Sympathien für die Zwangsenteignung der weißen Farmer und Unternehmer zeigte und wieder mit seinen Genossen „Kill the Boer“ sang. Malema ist für die rund neun Millionen Weißen und Asiaten in Südafrika zur Symbolfigur des Schreckens geworden: Sie fürchten, der Günstling des Präsidenten sei der Vorbote eines Südafrikas, in dem die Schwarzen die Macht und den Besitz an sich rissen, das Land ruinierten – wie Mugabe das einst blühende Simbabwe. (dpa)