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Freitag, 17.03.2017

In Dresden läuft’s

Die Landeshauptstadt ist inzwischen auch Laufhauptstadt, und das deutschlandweit. Am Sonntag ist der nächste Start.

Von Tino Meyer

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Aus Trend wird Alltag: Die Teilnehmerzahlen in und um Dresden steigen seit Jahren.
Aus Trend wird Alltag: Die Teilnehmerzahlen in und um Dresden steigen seit Jahren.

© robert michael

  • Aus Trend wird Alltag: Die Teilnehmerzahlen in und um Dresden steigen seit Jahren.
    Aus Trend wird Alltag: Die Teilnehmerzahlen in und um Dresden steigen seit Jahren.
  • Das Laufen ist seine Leidenschaft und Aufgeben nicht schlimm, sagt Joey Kelly. Am Freitagabend ist er in Dresden und redet darüber.
    Das Laufen ist seine Leidenschaft und Aufgeben nicht schlimm, sagt Joey Kelly. Am Freitagabend ist er in Dresden und redet darüber.

Ob die erste Runde um den Häuserblock oder der Marathon am Nordpol, von dem Joey Kelly träumt – Laufen kann man zu jeder Zeit und überall, das ist nicht neu. Das Erstaunliche daran: Immer mehr tun es tatsächlich auch. Um das festzustellen, reicht im Moment der Blick aus dem Fenster. Irgendeiner ist doch immer unterwegs. Dabei sind die Zeiten, in denen ein Hobbyläufer schnell für verrückt erklärt wurde, gerade mal drei, vier Jahrzehnte her.

Einem wie Kelly kann das trotzdem noch passieren. Der Ex-Musiker, der es mit seiner Familie zu großer Popularität brachte, ist seit einigen Jahren als Extremsportler unterwegs – und an diesem Freitagabend in Dresden zu Gast. „Dieses Jahr laufe ich den Marathon in Hamburg, Mainz und Las Vegas. Zudem trete ich mit einem Viererteam beim Race Across America an und plane einen Lauf von München nach Venedig“, sagt der 44-Jährige. „Niemals aufgeben“ heißt die Botschaft, die er bei seinem Vortrag mit dem Titel „No Limits“ im Ufa-Palast verkündet. Keine Grenzen also.

Das passt gut zu dieser Stadt, insbesondere wenn es ums Laufen, Rennen, Joggen geht. Von einem Trend oder gar Boom zu sprechen, liegt nahe. Doch haben sich die Menschen nicht vernünftigerweise nur darauf besonnen, was sie von Natur aus ohnehin am besten können? Rund 30 Kilometer täglich haben Vorfahren in der Urzeit zurückgelegt, mittlerweile sind es laut verschiedener Studien pro Person im Durchschnitt 750 Meter – Tendenz wieder steigend, zumindest in und um Dresden.

Man kann sich auf das Thema nämlich auch theoretisch zubewegen. 45 200 Läufer bei insgesamt 19 Veranstaltungen machen Sachsens Landeshauptstadt zur Laufhauptstadt Deutschlands – wenn man die Einwohnerzahl ins Verhältnis zu den Laufteilnehmern setzt und Frankfurt/Main großzügig vernachlässigt. Der dortige Firmenlauf, mit knapp 70 000 Teilnehmern der mit Abstand größte der Welt, nimmt eine absolute Ausnahmestellung ein und läuft damit quasi außer Konkurrenz. Selbst wenn nicht, so ist es eine nette, eine interessante Zahlenspielerei (siehe Statistiken oben).

Fest steht: Seit mehr als zehn Jahren steigen die Starterfelder bei Dresdens großen Rennen kontinuierlich an. Die Prozentzahlen bei den Zuwächsen sind zwar nicht mehr zweistellig wie vor drei, vier Jahren – trotzdem werden es jedes Jahr mehr. Bestes Beispiel: die Team-Challenge. Bei dem Firmenlauf über fünf Kilometer waren im Vorjahr rund 16 000 Teilnehmer dabei, am 1. Juni sollen es nun 20 000 sein.

Doch nicht nur in Dresden läuft’s, wie nicht zuletzt die Bezirksrangliste beweist. Diese Laufserie existiert seit 1979 und ist eine der ältesten überhaupt, nur übertroffen von der noch zwei Jahre älteren Stadtrangliste Dresden. Die Bezirksrangliste umfasst dieses Jahr wieder 14 Rennen – vom Radeburger Zillelauf bis zum Braunsteichlauf in Weißwasser. Zudem gibt es die Klassiker, traditionell wie beliebt: Zittauer Gebirgslauf, Sachsenlauf Coswig, Windberglauf Freital, Froschlauf Biehla, Europamarathon in Görlitz, Silvesterlauf Oberlichtenau und, und, und. Fast jeder Ort hat sein Rennen, sein Stammpublikum, immer wieder auch neue Teilnehmer – und vermutlich noch viel mehr Interessenten, die zumindest damit liebäugeln, irgendwann selbst an der Startlinie zu stehen.

Nicht länger zögern, sondern loslaufen. „Wichtig ist, sich ein Ziel zu setzen. Damit ist es einfacher, sich zu motivieren. Ansonsten bleibt man schon mal auf der Strecke“, sagt Kelly, der einst mit Joggen und Radfahren als Ausgleich zum Popstar-Alltag begonnen hatte und nun feststellt: „Mit Bewegung durch Sport erreicht man eine viel höhere Lebensqualität, sowohl privat als auch im Beruflichen.“

Die nächste Start-Chance bietet sich für Kurzentschlossene am Sonntag beim Citylauf, mit dem nun schon zum 27. Mal die Straßenlaufsaison in Deutschland beginnt. Fünf und zehn Kilometer stehen zur Wahl. „Aufgeben ist nicht schlimm“, betont Kelly und sagt: „Wenn es um die eigene Gesundheit geht, sollte man keine Gefahren eingehen. Wichtig ist aber, dass man immer einmal mehr aufsteht als man fällt.“