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Donnerstag, 09.08.2018

Im Schwitzkasten

Der Supersommer hat Meißen im Griff. Aber warum stört die Hitze nur etwa jeden Zweiten, was sollte man jetzt beachten?

Selbst wenn es zu den vorhergesagten Gewittern kommt, ändert sich an der Großwetterlage nichts. In Meißen herrschen weiter Sommer, Sonne und Hitze.
Selbst wenn es zu den vorhergesagten Gewittern kommt, ändert sich an der Großwetterlage nichts. In Meißen herrschen weiter Sommer, Sonne und Hitze.

© Claudia Hübschmann

Meißen. 28 Grad morgens um zehn. Und auch nachts sinkt die Temperatur kaum unter 25 Grad. Die Meißner schwitzen – vor allem die, die draußen oder in schlecht klimatisierten Räumen arbeiten müssen. Doch nicht alle stört das Wetter. Laut Medienberichten können sich 55 Prozent der Deutschen mit der Dauerhitze anfreunden. Doch warum gibt es so große Unterschiede, weshalb empfinden selbst Menschen gleicher Konstitution und Alters die Temperaturen unterschiedlich? Welche Sportarten sollte man lieber nicht ausüben und wie können wir Städter unseren Tieren helfen? Wir haben in Meißen nachgefragt:

Was hilft Ihnen gegen das Schwitzen?

Elblandklinikum: Gewöhnungseffekt setzt ein, sollten die Sommer so bleiben

Dessen sind sich Fachärzte am Elblandklinikum in Meißen sicher. So teilt Sophie Iser vom Marketingteam der Klinik mit: „Wir werden, falls es in Zukunft wirklich längere und heißere Sommer geben sollte, uns daran in Mitteleuropa ähnlich gut adaptieren, wie Menschen in Südeuropa. Wahrscheinlich würden sich unsere Gewohnheiten im Tagesablauf anpassen, nicht umsonst gibt es in Südeuropa eine mittägliche Ruhepause in Form einer Siesta.“ Warum die Hitzeempfindlichkeit bei Menschen gleicher Voraussetzungen so unterschiedlich ist, sei schwer zu sagen. Eine Rolle spielte die jeweils verschieden ausgeprägte Fähigkeit des Schwitzens, also dem wesentlichen Kompensationsmechanismus der Temperaturkontrolle sowie Erkrankungen oder Medikamenteneinnahmen. Die Tipps der Ärzte lauten: Weder sehr kalt noch heiß, sondern lauwarm trinken. Früh und abends durchlüften und tagsüber Fenster schließen und abdunkeln. Und: „Nasse Laken im Schlafzimmer kühlen ab.“

Pro & Contra Hitze

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Jürgen Müller: Der nächste verregnete Sommer kommt bestimmt

Als Rudi Carell 1975 seinen Hit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, schmetterte, traf er ins Schwarze, weil viele Leute dazu neigen, über das Wetter zu klagen, immer unzufrieden sind mit dem Sommer und sich einbilden, früher sei alles besser gewesen. Jetzt haben wir mal richtig Sommer, und schon fängt wieder ein Klagelied an. Und sofort kriechen die Klimakatastrophler aus ihren Löchern, sagen mal wieder den Weltuntergang voraus. Ich als begeisterter Ostseeurlauber finde das Sommerwetter klasse. Was gibt es Schöneres, als abends bei milden Temperaturen lange draußen zu sitzen, ein kühles Bier zu genießen? Vor der Wärme im Haus kann man sich schützen. Rollläden runter und Ventilator an, nachts schön durchlüften. Selten haben unsere Petunien am Haus so prächtig geblüht wie in diesem Jahr. Denen geht´s wie mir, die mögen Sonne. Hört auf zu klagen und spart euch das Gejammer für den nächsten verregneten Sommer. Der kommt bestimmt.

Marcus Herrmann: Am liebsten nachts nach draußen flüchten

Mag sein, dass der Mensch schnell vergisst. Aber so eine Dauerhitze wie jetzt, meine ich, in unseren Gefilden noch nicht erlebt zu haben. Die schlaucht! Während ich tagsüber mit Ventilator und dank schattiger Plätze klarkomme, schlägt mir die Wärme nachts nicht nur aufs Gemüt. Man schwitzt sich unweigerlich einen ab, wenn es im Schlafzimmer nicht kälter als 26, 27 Grad wird. Zu schlafen fällt schwer. Da meine Frau und ich an einer großen Straße wohnen, müssen die Schlafzimmerfenster nachts zu bleiben. Schön durchlüften ist in der Stadt eben nicht immer möglich. Noch heikler wird es mit dem Feierabendbier. Momentan lieber keinen Alkohol, sonst wird es gefühlt noch schwitziger. Viel Wasser hilft. Eiswürfel in einem Gefäß vor den Ventilator stellen, auch. Hab’s ausprobiert. Dennoch würde ich in Hochsommernächten am liebsten mit Schlafsack an einem stillen Plätzchen draußen übernachten. Was spricht eigentlich dagegen? Ich frag mal meine Frau.

Tierparkchef: Tonschalen mit Wasser und Äpfel für Tiere raus stellen

Heiko Drechsler vom Tierpark in Siebeneichen sagt, dass alle Tiere unter der Hitze leiden. Die Situation erinnere ihn an Australien. „Zwischen 10 und 18 Uhr singt dort bei Wärme kein einziger Vogel. Alle suchen Schutz im Schatten. Das ist hier gerade auch so.“ Weil kleine Flüsse und Wasserlachen in Wäldern ausgetrocknet seien, müssten Amsel, Buchfink und Star lange nach Wasser suchen. „Darum helfen Tonschalen mit Wasser oder Obst, die speziell im Garten rausgestellt werden sollten“, appelliert Drechsler an die Meißner. Zudem sollten Bäume und Sträucher nicht beschnitten werden, da sie Rückzugsorte für die geplagten Tiere bildeten.

Gesundheitsexpertin: Ausdauersport in Maßen, schwimmen ist okay

Franka Später vom Verein Aktion Gesundheit Meißen rät, Ausdauersport nur sehr dosiert zu machen. „Selbst unsere Herzsport-Kurse haben wir vorerst abgesagt, weil es einfach zu heiß ist. Das belastet den Organismus“, sagt sie. Empfehlenswert sei momentan eigentlich nur Schwimmen oder leichtes Cardio-Training.