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Samstag, 30.09.2017

Im Freistaat sind 38 000 Stellen frei

Die Arbeitslosigkeit ist zum Herbstanfang wieder gesunken. Die Unterschiede innerhalb Sachsens sind immer noch stark.

Von Georg Moeritz

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Dresden. Sachsen hat auf dem Arbeitsmarkt Länder wie Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Hamburg abgehängt. Die Arbeitslosenquote im Freistaat ist auf 6,3 Prozent gefallen.

In einigen Landkreisen liegt sie unter dem deutschen Durchschnitt von 5,5 Prozent, etwa im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Aber innerhalb Sachsens sind die Unterschiede immer noch stark: Die Stadt Görlitz mit fast 4 000 Arbeitslosen kommt auf eine Arbeitslosenquote von 11,8 Prozent, während die Regionen Radeberg, Klingenthal und Dippoldiswalde unter vier Prozent melden.

Sachsens Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen in Chemnitz rechnet auch für den Oktober mit einer „Herbstbelebung, die noch einmal viele Menschen in Lohn und Brot bringen“ werde. Derzeit sind 130 572 Sachsen offiziell arbeitslos gemeldet, rund 15 700 weniger als vor einem Jahr. Nicht mitgezählt sind dabei allerdings rund 52 200, die wegen Schulungen, Ein-Euro-Jobs oder Krankheit formal nicht arbeitslos, sondern unterbeschäftigt heißen.

Hansen sagte, die Beschäftigung wachse kräftig weiter. Gut 31 000 zusätzliche Arbeitsplätze mit Sozialversicherung sind innerhalb eines Jahres entstanden. Der Arbeitsagentur-Chef setzt aber auf Warnung statt Euphorie: Sachsens Arbeitsmarkt werde sich durch „Demografie und Digitalisierung“ spürbar verändern – also durch Alterung und neue Technik. „Unsere Antwort ist Bildung“, sagte Hansen. Gut 10 000 Sachsen sind derzeit in geförderten Weiterbildungen. „Jede und jeder wird gebraucht“, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), und Hansen verwies auf die gute Auftragslage der Wirtschaft.

Neuer Rekord: Über 38 000 Stellen sind frei. Davon stehen 13 000 in den Computern der Leiharbeitsfirmen. Industriebetriebe melden 5 100 Stellen, Gesundheits- und Sozialwesen 3 400, Handel 3 100 und der Bau 2 800. Metallbranchen und Verkehr/Logistik gehören zu den Job-Schaffern, laut Hansen „alles rund ums Auto“.

Sachsens Arbeitgeberverband in Dresden betonte am Freitag, Leiharbeit und befristete Stellen seien eine Hilfe gegen Arbeitslosigkeit. Die Unternehmen müssten Mitarbeiter flexibel nutzen dürfen, dann steige erfahrungsgemäß auch die Zahl der „Normalarbeitsverhältnisse“. Mittelständische Firmen stellen laut Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft ihre Mitarbeiter häufig unbefristet ein – nicht aber der öffentliche Dienst, vor allem Hochschulen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. B.W.

    Mal wieder eine Statistik nach Wunsch des Wirtschaftsministeriums. Ca. 30000 neue Jobs geschaffen, weggefallen sind im letzten Jahr offenbar keine (dazu steht zumindest nichts). Und vermehrt Babyboomer sind nach 45 Jahren auch nicht verrentet worden. Wo und wie die neugeschaffenen Jobs geschaffen wurden, interessiert keinen ("Leiharbeit und befristete Stellen seien eine Hilfe gegen Arbeitslosigkeit"). Sachsen weiter als Niedriglohnland, in Konkurrenz zu China, nicht nur bei Bombardier. Immer weiter, immer mehr Billigkräfte und immer mehr in nur wenigen Städten verteilt... na, wenn wir in diesem guten Glauben nicht bald unser blaues Wunder erleben... in 2 Jahren oder so.

  2. E.Benheiter

    Prima. 38000 "Minijobs", Leih- & Zeitarbeit & ähnlicher Schwachsinn, den niemand haben möchte. Wäre die Nachfrage nach "flexiblen Jobs" tatsächlich so immens, wie u.a. durch das (natürlich vollkommen unabhängige) IWF kolportiert, läge die Quote im Minusbereich.

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