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Donnerstag, 13.09.2018

Im Fischbecken ertrunken

Eine Beiersdorferin soll ihren Mann erst durch Schläge verletzt und dann nicht gerettet haben, als dieser in ein Aufzuchtbecken gestürzt ist. Nun beginnt der Prozess.

© dpa

Görlitz/Beiersdorf. Ab Dienstag, dem 18. September muss sich eine heute 57-jährige Frau vor dem Landgericht Görlitz verantworten. Wie das Gericht am Donnerstag mitteilte, wird der Beiersdorferin vorgeworfen, am 31. Juli 2016 gegen 1 Uhr ihren zur Tatzeit 46 Jahre alten Lebensgefährten auf dem gemeinsam bewohnten Grundstück geschlagen und gedrosselt zu haben, wodurch dieser unter anderem am Kopf erheblich verletzt worden sei.

Kurze Zeit danach habe die Angeklagte bemerkt, dass ihr stark alkoholisierter Lebensgefährte in ein Fischaufzuchtbecken mit einer Wassertiefe von 1,20 bis 1,50 Meter gestürzt war. „Sie habe es bewusst unterlassen, Hilfe herbeizuholen und sei schlafen gegangen“, heißt es in der Mitteilung des Landgerichts. Dabei sei der Frau klar gewesen, dass sich das Opfer wegen seiner Alkoholisierung und der Verletzungen nicht ohne Hilfe aus dem Becken herausbewegen konnte.

Wie von der Angeklagten zumindest billigend in Kauf genommen, ist das Tatopfer im Fischaufzuchtbecken ertrunken.

Die Frau ist nun wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt. Denn eine Straftat könne auch begangen werden, indem man „nichts“ tue, teilt das Gericht mit. Das setze aber voraus, dass es für den Täter eine Pflicht gebe, den Eintritt einer bestimmten Tatfolge, wie in diesem Fall der Tod eines Menschen, abzuwenden. Juristen bezeichnen das als „Garantenstellung“. Diese könne sich aus einem persönlichen Näheverhältnis zwischen Täter und Opfer ergeben, aber auch dadurch, dass man das Opfer in eine gefährliche Lage gebracht hat. Im Falle einer Verurteilung droht der Frau eine Gefängnisstrafe von fünf bis 15 Jahren. Ohne diese „Garantenstellung“ käme hier nur eine unterlassene Hilfeleistung in Betracht, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet wird. (szo)