erweiterte Suche
Freitag, 13.07.2018

Illegaler Müll sorgt für Unmut

Immer wieder versuchen Leute, auf Kosten der Allgemeinheit Geld für die Entsorgung zu sparen. Das könnte sich ab 1. Oktober verstärken.

Von Jörg Richter

Bild 1 von 2

Ein stilles Örtchen am Feldrand. Dieses kuriose Foto wurde am 20. Juni zwischen Stauda und Lenz geschossen.
Ein stilles Örtchen am Feldrand. Dieses kuriose Foto wurde am 20. Juni zwischen Stauda und Lenz geschossen.

© privat

  • Ein stilles Örtchen am Feldrand. Dieses kuriose Foto wurde am 20. Juni zwischen Stauda und Lenz geschossen.
    Ein stilles Örtchen am Feldrand. Dieses kuriose Foto wurde am 20. Juni zwischen Stauda und Lenz geschossen.
  • Aus einem Waldstück an der B101 haben Umweltschützer diesen Haufen Kabelisolierungen zusammengetragen.
    Aus einem Waldstück an der B 101 haben Umweltschützer diesen Haufen Kabelisolierungen zusammengetragen.

Priestewitz. Wenn irgendwo im Priestewitzer Gemeindegebiet wieder eine Müllecke entdeckt wird, müssen die Mitarbeiter des Bauhofs raus, um den Dreck wegzuräumen. „Das ist ärgerlich. Denn eigentlich haben wir genug andere Aufgaben, die erledigt werden müssen“, sagt Bauhofleiter Frank Dietrich. Dabei gibt es gleich mehrere Stellen an hiesigen Waldwegen und Landstraßen, die häufiger angefahren werden. Dort versuchen Umweltsünder, ihren Müll illegal zu entsorgen. Ganze Hängerladungen von Müll haben Priestewitzer Bauhofmitarbeiter schon entdeckt.

Eine der kuriosesten Entdeckungen der letzten 20 Jahre gab erst vor Kurzem. Da erhielt Dietrich ein Handyfoto. Es wurde am 20. Juni am Straßenrand zwischen Stauda und Lenz geschossen. Ein Unbekannter hatte ein ausgedientes Klo an einem Straßenmast abgestellt. Auch ein Waschbecken lag daneben. Das Bild von dem stillen Örtchen am Feldrand hat sich Dietrich aufgehoben. Von den Dreckecken, mit denen er und seine Mitstreiter konfrontiert werden, war dieses Foto noch das Witzigste.

Ansonsten hält sich der Spaß in Grenzen. Erst recht, wenn wiedermal Säcke mit Grünschnitt im Straßengraben gefunden werden. „Das kann man nicht nachvollziehen“, schimpft auch die Priestewitzer Bürgermeisterin Manuela Gajewi. Denn eigentlich gebe es dafür die Biotonne, die der Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) seit zwei Jahren sogar kostenlos anbietet.

Für die Entsorgung der illegal abgelagerten Abfälle wird letzten Endes die Allgemeinheit zur Kasse gebeten. Laut der aktuellsten Siedlungsabfallbilanz des sächsischen Umweltministeriums waren dafür im Jahr 2016 rund 1,2 Millionen Euro im gesamten Freistaat notwendig. Davon entfielen knapp 170 000 Euro auf das ZAOE-Gebiet, das sich aus den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge zusammensetzt. Um die Zahlen der einzelnen sächsischen Regionen vergleichbar zu machen, lohnt ein Blick auf die Pro-Kopf-Kosten für illegalen Müll. Die betrugen im ZAOE-Gebiet 0,34 Euro pro Einwohner. Das liegt über dem sächsischen Durchschnitt (0,29). Am Schlimmsten trifft es den Landkreis Zwickau mit 0,76 Euro pro Einwohner vor Nordsachsen (0,64) und Leipzig-Land (0,41). Den verhältnismäßig geringsten Ärger mit illegalem Müll haben die Görlitzer mit 0,08 Euro pro Einwohner.

Laut Umweltministerium wurden 2016 sachsenweit auf illegalen Müllkippen mehr als 3700 Tonnen Rest- und Sperrmüll, 339 Tonnen Grünschnitt, 213 Tonnen Elektronik-Altgeräte, 221 Tonnen Reifen, eine Tonne Kfz-Batterien sowie 307 Tonnen sonstige Abfälle entdeckt und entsorgt. Immerhin ging die Anzahl der illegal abgestellten Autowracks deutlich auf 118 zurück. 2015 waren es noch 238 Autos. In beiden Jahren konnten rund drei Viertel der Fahrzeugbesitzer polizeilich ermittelt werden.

Vor dem Hintergrund des anstehenden Wechsels des Müllentsorgers im Raum Riesa-Großenhain wächst die Sorge, dass hier ab 1. Oktober die Anzahl der illegalen Müllhalden deutlich wachsen könnte. Der ZAOE hat Übergangsprobleme bei der Müllentsorgung vorausgesagt.