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Samstag, 14.07.2018

Idyllisch, aber kaum einer da

Im Apothekerpark in Kötzschenbroda halten sich fast nie Leute auf. Dabei hat das Gelände Potenzial.

Von Nina Schirmer & Lisa Werner

Kein Mensch sitzt auf den Bänken im Apothekerpark in Kötzschenbroda – ein häufiger Anblick. Kaum jemand hält sich in der kleinen Grünanlage auf. Mit einem Spielplatz würde sich das ändern, findet die Stadtteilmanagerin.
Kein Mensch sitzt auf den Bänken im Apothekerpark in Kötzschenbroda – ein häufiger Anblick. Kaum jemand hält sich in der kleinen Grünanlage auf. Mit einem Spielplatz würde sich das ändern, findet die Stadtteilmanagerin.

© Norbert Millauer

Radebeul. Vom Lärm der Straße ist nichts zu hören. Eine große Rotbuche spendet Schatten, am Wegesrand blühen die Blumen. Der Apothekerpark in Kötzschenbroda zwischen Bahnhof-, Harmonie- und Hermann-Ilgen-Straße hat eigentlich alles, was ein kleiner Stadtpark braucht. Ordentliche Wege, ausreichend Mülleimer, freie Wiesenflächen und neun Bänke zum Ausruhen. Allerdings: So gut wie nie sitzt dort jemand. Höchstens mal die Schüler der nah gelegenen Oberschule treffen sich im Park vor und nach dem Unterricht. Ansonsten wird das kleine grüne Idyll kaum von der Bevölkerung genutzt.

Wirklich schade findet das Nadine Wollrad. Die Stadtteilmanagerin, die sich für die Belebung des Gebiets rund um die Bahnhofstraße einsetzt, sieht großes Potenzial im Apothekerpark. Allerdings müsste er noch attraktiver gemacht werden, sagt sie und hat auch schon eine Idee, wie das passieren könnte: mit einem Spielplatz. „Radebeul ist eine kinderreiche Stadt“, sagt sie. Familien könnten sich zum Beispiel auf der Bahnhofstraße ein Eis kaufen und dann zum Spielplatz weiterziehen.

Neben Spielmöglichkeiten könnte sich die Stadtteilmanagerin auch noch etwas für die Eltern- und Großeltern vorstellen: öffentliche Fitnessgeräte. Sie ist sich sicher, dass der Park, ist er erst einmal belebt, auch besser behandelt wird. Denn momentan dient er häufig Hundebesitzern als öffentliche Toilette für ihre Vierbeiner. Auch rund um die Bänke sah es in letzter Zeit öfter schmutzig aus.

Eine kleine, nicht repräsentative Umfrage der SZ auf der Bahnhofstraße zeigt: Bisher geht kaum jemand regelmäßig in den Park. Manche kennen das Areal, das nur wenige Schritte von den Geschäften entfernt ist, nicht einmal. So geht es zum Beispiel einer jungen Mutter, die mit ihrem einjährigen Sohn unterwegs ist. Von einem Park in der Nähe der Bahnhofstraße hat sie noch nichts gewusst. „Ein Spielplatz ist eine sehr gute Idee“, sagt sie. „Das fände ich sehr schön“, sagt auch eine 36-Jährige. Da sollte dann auch etwas für ältere Kinder wie ihre zwölfjährige Tochter dabei sein.

Tierliebhaberin Martina Schuster besucht den Park mit Hund Emmi öfters und sagt, dass ein Spielplatz gut passen würde. Auch ist sie der Meinung, dass solch eine Aussicht angenehm für die Bewohner des nahe gelegenen Seniorenheimes wäre. Ein 68-jähriger Radebeuler ist ebenfalls für eine Aufwertung des Parks, auch wenn die Idee nichts für sein Alter wäre, sagt er.

Tatsächlich gab es sogar schon einmal Spielplatz-Pläne für den Apothekerpark. Das war 2010, als die Neugestaltung des Areals beschlossen wurde. Seitens der Verwaltung wurde ein Spielplatz vorgeschlagen, informiert Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Die Stadträte im Stadtentwicklungsausschuss waren davon jedoch weniger überzeugt. „Stattdessen hat sich der Stadtentwicklungsausschuss nach einem längeren Abwägungsprozess zwischen verschiedenen Standorten im Mai 2011 für die Errichtung des Spielplatzes hinter dem Kuffenhaus entschieden“, so Müller.

Auf die Frage, ob sich sieben Jahre später trotzdem noch etwas im Apothekerpark tun könnte, antwortete Müller, dass die Gestaltung des Areals abgeschlossen ist. Er verweist stattdessen auf einen kleinen öffentlichen Kinderspielplatz neben der Kita in der Harmoniestraße. Auch wenn die Kita abgerissen wird und der neue Schulcampus an dieser Stelle entsteht, soll der Spielplatz dort mit untergebracht werden. Geplant ist außerdem eine öffentliche Grünanlage, eventuell mit Spiel-, Skater- oder Bolzplatz am Ende der Güterhofstraße. Dort will die Stadt einen Grünstreifen von der Bahn abkaufen.

Ziemlich weit ab vom Schuss, findet das Stadtteilmanagerin Nadine Wollrad. Sie hofft, dass ihre Ideen zum Apothekerpark trotzdem noch Gehör finden.