sz-online.de | Sachsen im Netz

„Ich konnte keine Nachrichten mehr hören“

Sarah Brendel ist Musikerin und hat dieses Jahr noch viel anderes gemacht. Nun beendet sie 2016 doch mit einem Konzert.

15.12.2016

te keine Nachrichten mehr hören“
Ganz versunken: Sarah Brendel beim Fototermin.

© T. Morise

Sächsische Schweiz. Sarah Brendel beendet ein Jahr ohne Konzerte – ausgerechnet mit einem Konzert, und zwar am 16. Dezember im Schloss Röhrsdorf. Dort lebt sie als Teil der Künstlerkommune mit ihrer Familie. Warum sie dieses Jahr pausiert hat und trotzdem nicht unmusikalisch war und was sie für 2017 plant, verrät sie im SZ-Gespräch.

Was war das für ein Jahr für Sie, so ganz ohne Konzerte?

Es war ein sehr gutes und intensives Jahr, es war so vollgestopft, dass mir das Touren nicht wirklich gefehlt hat.

Womit war es vollgestopft und warum gut und intensiv?

Ich habe eine Konzertpause eingelegt, um mehr Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Es war mir wichtig, dass meine Musik praktischer wird. Ich singe viel von Liebe, und wenn ich lebe, wovon ich singe, bekommt die Musik eine neue Bedeutung. Ich wollte nicht mehr nur am Rande stehen, zugucken und meine Notizen schreiben, denn die Not ist zu groß, als dass ich einfach so weiterleben kann. Als so viele Menschen zu uns kamen, die dem Krieg entronnen sind und ich die vielen Kinder sah, die ihre Freunde, ihre Heimat hinter sich lassen mussten, konnte ich eine Zeit lang keine Nachrichten mehr hören. Dann fingen mein Mann und ich an, uns um diese Familien zu kümmern, indem wir zwei Häuser für sie schön machten und die Kinder und Eltern besuchten. Es gibt Freunde, die uns helfen, denn es ist sehr umfangreich. Ich kann viele Geschichten erzählen, von Abschiebungen, gelungener Integration, neuen Freundschaften.

Welche Rolle hat, auch ohne Konzerte, die Musik dieses Jahr für Sie gespielt?

Musik ist meine Art Gefühle auszudrücken. Deshalb ist sie mein ständiger Begleiter, auch wenn ich keine Konzerte gebe. Ich habe dieses Jahr sehr viel Zeit mit Menschen verbracht, Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen, viele Geschichten haben mich abends, wenn ich im Bett lag, beschäftigt. Manche haben mich beflügelt, andere wollte ich vergessen und dann habe ich angefangen, diese Emotionen und Eindrücke in Melodien und Textzeilen zu verarbeiten. So entstanden neue Lieder. Musik war und ist mein Ventil, um weiterzumachen. Außerdem traf ich meine Lieblings-Musikproduzentin, die schon mit Johnny Cash und Prince arbeitete.

Sind Sie jetzt bei dem Konzert nach langer Zeit besonders aufgeregt?

Nur ein bisschen. Ich habe eher Vorfreude auf den Abend und bin sehr gespannt, wer kommt.

Wie musikalisch wird 2017 für Sie?

Ich werde ein paar Konzerte geben, und es gibt Pläne für ein neues Album. Vor Ort gebe ich weiter Gesangsunterricht und plane ein Konzert mit meinen Schülern auf Schloss Röhrsdorf. Neben der Musik werden mein Mann, ich und einige Freunde weiter im Refugeeum-Verein für Menschen in Not da sein. Da gibt es allerhand zu tun.

Was erwartet die Konzertbesucher?

Ein gemütliches Konzert mit Kerzen, Wein, handgemachter Musik und vielen schönen Menschen und ein paar Überraschungen.

Und musikalisch?

Wir spielen sehr dynamisch, es sind ruhige Songs dabei und auch befreiende kraftvolle Lieder. Ich spiele Gitarre, manchmal Mundharmonika und meine zwei Freunde Moritz und Filip begleiten mich am Cello, an der Geige und mit ihren Stimmen. Wir mögen Bob Dylan und Leonard Cohen. Unsere Musik ist folkig, verträumt und rockig zugleich. Wir versuchen einfach Musik zu machen, die aus unserem Herzen kommt.

In welcher Sprache singen Sie?

Auf Englisch. Weil es eine internationale Sprache ist und ich es liebe, auch mal in Kanada oder den USA unterwegs zu sein.

Das Gespräch führte Heike Sabel.

Konzert, 16. Dezember, Schloss Röhrsdorf; Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr; Eintritt: zehn Euro, ermäßigt acht Euro; Reservierungen per E-Mail an: musik@sarahbrendel.de