erweiterte Suche
Dienstag, 10.01.2017 Fußball

„Ich hoffte, dass es in den Westen geht“

Christian Helm hat mit Dynamo Dresden viel erlebt – vor allem im Europapokal. Nun feierte der Vater das Radebeuler Spielers Felix Helm den 65. Geburtstag.

Von Jürgen Schwarz

Bild 1 von 2

Christian Helm (sitzend rechts) gehörte in den 1970er-Jahren zu den beliebtesten Dynamo-Spielern, sein Autogramm ist genauso gefragt wie das von Trainer Walter Fritzsch (l.) und Matthias Müller.
Christian Helm (sitzend rechts) gehörte in den 1970er-Jahren zu den beliebtesten Dynamo-Spielern, sein Autogramm ist genauso gefragt wie das von Trainer Walter Fritzsch (l.) und Matthias Müller.

© SZ/Volker Santrucek

  • Christian Helm (sitzend rechts) gehörte in den 1970er-Jahren zu den beliebtesten Dynamo-Spielern, sein Autogramm ist genauso gefragt wie das von Trainer Walter Fritzsch (l.) und Matthias Müller.
    Christian Helm (sitzend rechts) gehörte in den 1970er-Jahren zu den beliebtesten Dynamo-Spielern, sein Autogramm ist genauso gefragt wie das von Trainer Walter Fritzsch (l.) und Matthias Müller.
  • Christian Helm
    Christian Helm

Radebeul/Dresden. Schnee ist nicht unbedingt jedermanns Sache, schon gar nicht unter Fußballern. Bei Christian Helm ist das ganz anders. Der ehemalige Dynamo-Kicker wechselte nach seiner Laufbahn als Chefmechaniker zu den Rennrodlern von Dynamo Zinnwald. Am vergangenen Freitag feierte er seinen 65. Geburtstag, bevor er in den Skiurlaub nach Harrachov fuhr.

Der Name Helm spielt im Fußball der Region immer noch eine Rolle, denn Sohn Felix (23) steht beim Radebeuler BC unter Vertrag. Im Sommer 2016 kam er vom VfL Pirna-Copitz und rangiert derzeit mit seiner Mannschaft auf Rang eins der Fußball-Landesklasse Ost. Sein Trainer ist der ehemalige DDR-Nationalspieler Matthias Müller. Der 62-Jährige spielte nicht nur mit Helm senior zusammen, sondern man traf sich damals nach dem Training auch regelmäßig auf ein Bierchen. Vergleiche zwischen Vater und Sohn will „Lotte“ Müller nicht anstellen: „Felix ist ein Linksbeiner, der Papa war Rechtsausleger. Außerdem spielt Felix bei uns in Radebeul im absoluten Amateurbereich, während Christian Leistungssport betrieben hat.“

Christian Helm spielte bis 1983 für Dynamo, bestritt 188 Punkt- und 33 Europapokalspiele, gewann vier Meisterschaften und wurde zweimal Pokalsieger. Zu Dynamo war er als Zehnjähriger eher zufällig gekommen. „Ich habe immer mit Hansi Kreische auf einer Wiese in der Südvorstadt gebolzt. Und dann bin ich mit zum Training gegangen.“

Als Außenverteidiger war Helm nicht unbedingt ein Dauerläufer, machte diesen Nachteil aber mit seiner Grund- und Handlungsschnelligkeit sowie taktischem Verständnis wett. Obwohl er im Europapokal nicht nur gegen Francio Causio, den damaligen Star von Juventus Turin, glänzte, reichte es nicht für die DDR-Auswahl. „Von elf Dynamo-Spielern auf dem Platz war ich manchmal der einzige, der kein Länderspiel bestritten hatte.“ Dabei war er im Nachwuchs mit der DDR 1974 Vizeeuropameister geworden. „Einmal war ich ganz dicht dran. 1979 wurde ich von Auswahlcoach Georg Buschner nachnominiert, weil sich der Rostocker Gerd Kische verletzt hatte. Als ich aber in der Sportschule ankam, lief Kische putzmunter herum.“ Trotzdem durfte Helm den 2:1-Sieg über Polen zumindest von der Ersatzbank aus miterleben.

Vor allem die Cup-Spiele standen auch bei Helm hoch im Kurs. „Bei der Auslosung saß ich am Radio und hoffte, dass es wieder in den Westen geht.“ Nicht nur beim Erzählen sitzt ihm der Schalk im Nacken. „Allein über das Spiel 1973 bei Bayern München könnte man ein Buch schreiben.“ Egal, ob es um den Besuch im Beate-Uhse-Laden vor dem Spiel ging oder um die Tatsache, dass im Hotelzimmer die Minibars abgeschlossen waren. „Immerhin lud uns der Hotelmanager später im Namen des FC Bayern auf einen Drink ein.“

Allerdings hielt der Sport auch Schattenseiten für Helm parat, wie das unglückliche Ausscheiden gegen die Bayern. „Drei Jahre später stand das Spiel in Liverpool an, aber für mich war kein Visum da und ich musste in Dresden bleiben.“ Auch das vorzeitige Laufbahnende zählt zu seinen negativen Erinnerungen. Sprunggelenk, Innen- und Außenband sowie das Wadenbein hatte es erwischt. Im Gegensatz zu vielen Mitspielern verließ Helm 1983 den Verein. „Dynamos ehemaliger Clubchef Horst Rohne war inzwischen Sektionsleiter in Zinnwald und bot mir den Job als Technikchef bei den Rodlern an. Für mich als gelernter Maschinenbauer passte das.“ Helm betreute die Schlitten der Rodelasse Gabi Kohlisch und Steffi Walter und durfte weiterhin ins nichtsozialistische Ausland reisen.

Mit der politischen Wende musste er sich Helm beruflich neu orientieren. Er schrieb auf eine Zeitungsannonce und wurde Promotion-Leiter für Rothmanns Zigaretten GmbH. „Auch da war ich zunächst ständig unterwegs.“ Im Juni 2006 kam das Angebot, in den Vorruhestand zu gehen. „Vom Alter her war ich noch gar nicht dran. Aber viele Wessis hatten Angst, Geld einzubüßen, und lehnten ab. Irgendwann haben sie mich gefragt, und ich habe ja gesagt.“ Danach war auch wieder Zeit, aktiv auf den Fußballplatz zurückzukehren. Als Übungsleiter war er drei Jahre zusammen mit Frank Lippmann in Pirna tätig, 2012/13 betreute er die „Zweite“ in Heidenau.