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Donnerstag, 14.06.2018

„Ich hatte schon den Gedanken, alles hinzuschmeißen“

Lena Möllers sehnt sich nach vielen Jahren im Ausland zurück in die Bundesliga. Mit Stammzuspielerin Mareen Apitz startet sie beim DSC ein Duell auf Augenhöhe.

Von Michaela Widder

Das Lachen ist zurück. Lena Möllers freut sich auf den Dresdner SC – und ein professionelles Umfeld.
Das Lachen ist zurück. Lena Möllers freut sich auf den Dresdner SC – und ein professionelles Umfeld.

© Ronald Bonß

Die deutschen Nationalspielerinnen sind gerade zu Gast in Stuttgart, wo die Volleyball Nations League in diesen Tagen Station macht. Doch Lena Möllers, die schon 69 Mal das Auswahltrikot trug, fehlt in diesem Sommer. Stattdessen stattet sie ihrem neuen Klub, dem Dresdner SC einen Besuch ab. „Die Saison war sehr anstrengend – körperlich und mental“, meint Möllers. Deshalb habe sie Bundestrainer Felix Koslowski frühzeitig mitgeteilt, in diesem Jahr nicht für die Nationalmannschaft zur Verfügung zu stehen. „Ich brauche die Pause und den Abstand, damit ich wieder Lust auf Volleyball habe.“

Der nämlich war der Zuspielerin in der abgelaufenen Saison verloren gegangen. Die Junioren-Weltmeisterin von 2009 war bereits einige Jahre durch die Volleyball-Welt gezogen. Nach ihren ersten drei Profijahren in Vilsbiburg zog es sie zum italienischen Erstliga-Aufsteiger Novara, danach zum Zweitligisten Bolzano, anschließend spielte sie beim französischen Erstligisten Béziers Volley. Vor einem Jahr wechselte Möllers zum rumänischen Meister CS Volei Alba-Blaj. Mit Lisa Izquierdo, der früheren DSC-Angreiferin und zweiten Deutschen im Team, trainierte sie aber nur kurz, weil sich die Dresdnerin das Kreuzband gerissen hatte und ihren Vertrag auflöste.

Möllers kannte bereits die Situation, in einem fremden Land zu sein mit einer fremden Sprache in einer neuen Mannschaft. Mit Silber in der Champions League feierte die 28-Jährige im Frühjahr einen ihrer größten Erfolge. Trotzdem war sie froh, als die Saison zu Ende war. „Ich hatte schon mal den Gedanken, alles hinzuschmeißen. Es hat einfach keinen Spaß gemacht.“ Zum einen kam sie mit dem serbischen Trainer nicht zurecht, und zum anderen fehlte ihr ein professionelles Umfeld. „Es wird kein Wert darauf gelegt, dass sich die Spielerinnen auch wohlfühlen.“

Der Körper ist im Profisport nun einmal das größte Kapital. Trotzdem wurde in Rumänien das Athletiktraining vernachlässigt, regelmäßige Physiotherapie gab es nicht. „Sie haben einen Masseur, aber niemanden, der sich mit Sportverletzungen auskennt. Da bekommt man lieber paar Pillen verschrieben“, erzählt sie aus dem dortigen Liga-Alltag. Und Möllers hatte noch Glück, weil ihr Freund Physiotherapeut ist und sie nach Rumänien begleitet hatte.

Erster Kontakt schon 2009

Nach dieser Erfahrung stand auf ihrer Prioritätenliste für einen neuen Klub „gute Athletik- und Physiobetreuung“ ganz oben, und damit ging für sie der Wunsch einher, in die Bundesliga zurückzukehren. „Man wird ja schließlich nicht jünger und muss sich mehr um seinen Körper kümmern.“ Aus Dresden habe sie sehr früh ein Angebot erhalten und sich daher auch anderweitig nicht weiter umgeschaut. Trainer Alexander Waibl wollte die 1,88 Meter große Zuspielerin schon 2009 zum DSC holen, traf sie damals sogar zu einem Gespräch in Berlin. Im zweiten Anlauf, neun Jahre später, haben sie zueinandergefunden. Mit Möllers’ Verpflichtung für ein Jahr und der etablierten Mareen Apitz, die sogar noch mal für zwei Spielzeiten unterschrieb, hat Waibl zwei Regisseurinnen, „die den Laden ziehen können“. Er ist überzeugt, dass die „Paarung hervorragend funktioniert“.

Wer die Nummer eins auf der wichtigen Position wird, will und kann Waibl noch nicht sagen. „Während der Saison wird sich herauskristallisieren, wer die Nase leicht vorn hat“, sagt er und betont: „Die beiden starten auf Augenhöhe.“ Mit dieser Rolle kann Möllers gut leben. „Ich möchte der Mannschaft so gut wie möglich helfen. Man wird sehen, wer sich in welchen Spielen durchsetzt. “ Menschlich passe es auf jeden Fall mit ihrer Teamkollegin. Apitz, eine gebürtige Dresdnerin, hatte sie mit einem ersten kleinen Touristen-Programm am Dienstag durch die Stadt geführt. „Ich fühle mich schon ganz angekommen.“

So eine Stippvisite für neue Spielerinnen, die der Klub seit vorigem Jahr möglich macht, kommt gut an. Der eigentliche Umzug für die gebürtige Bocholterin ist zum offiziellen Trainingsbeginn am 14. August geplant. „Ich kann es gar nicht erwarten, endlich mit Lena zu arbeiten“, sagt Waibl.

Der Chefcoach muss sich völlig überraschend einen neuen Assistenten suchen. Wie der DSC am Mittwoch mitteilte, hat Andrea Ebana aus familiären Gründen seinen bis Juni 2019 datierten Vertrag vorzeitig aufgelöst. „Manchmal zwingt dich das Leben, schwere Entscheidungen zu treffen“, sagte der 33 Jahre alte Italiener.

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