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Freitag, 09.03.2018

Hufewiesen werden zum Naherholungsgebiet

Jahrelang ist die Fläche abgesperrt. Der Eigentümer wollte Häuser, Anwohner einen Park. Nun gibt es einen Kompromiss.

Von Sarah Herrmann

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Bis 2012 konnten die Trachauer die Hufewiesen am alten Dorfkern als Naherholungsgebiet mit Streuobstwiesen und Ponyreiten nutzen. Dann wurde die Fläche verkauft und durch einen Zaun abgesperrt. Der soll bald eingerissen werden.
Bis 2012 konnten die Trachauer die Hufewiesen am alten Dorfkern als Naherholungsgebiet mit Streuobstwiesen und Ponyreiten nutzen. Dann wurde die Fläche verkauft und durch einen Zaun abgesperrt. Der soll bald eingerissen werden.

© Christian Juppe

Zutritt verboten: Seit Jahren durften die Dresdner Trachaus größte Grünfläche, die Hufewiesen, nicht betreten. Der private Eigentümer, die Berliner Immobilienfirma Adler Real Estate, grenzte das Grundstück ab, öffnete es nur zum traditionellen Trachenfest des Vereins Hufewiesen Trachau. Deren Vorsitzende Anja Osiander sprach am Donnerstag von einem historischen Tag. Es ist der Tag, an dem verkündet wird: Ein Kompromiss wurde gefunden. Und noch wichtiger: Der Zaun kommt weg.

Der Großteil des rund 13 Hektar großen Areals zwischen Dorfkern Alttrachau und Bahntrasse soll zur öffentlichen Grünfläche werden. Der Eigentümer will die entsprechende Fläche in den Besitz der Stadt übergeben. Ob per Pachtvertrag oder Verkauf, ist noch unklar. Ebenso vage sind die Ideen für die Gestaltung der Hufewiesen. Ob sie zu einem Park umgebaut werden oder möglichst naturnah bleiben, sei noch offen, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). An dieser Entscheidung sollen sich auch die Bürger beteiligen. Eine erste Chance bekommen sie am 24. März. Dann lädt der Hufewiesen-Verein zu einer ersten Versammlung.

Doch ein Kompromiss wäre kein Kompromiss, wenn nicht beide Seiten zufrieden sind. Deswegen muss der Eigentümer nicht komplett auf eine Bebauung verzichten. Im östlichen Teil an der Gaußstraße sind Mietwohnungen – 25 Prozent davon zu sozial verträglichen Mieten – und Gewerbeflächen geplant. Das Berliner Immobilienunternehmen Adler Real Estate will dort etwa 1,6 Hektar mit Apartments sowie 0,8 Hektar mit nicht-störendem Gewerbe wie Ateliers bebauen. Wie viele Gebäude und Wohnungen so entstehen können, sei noch unklar. Der Dresdner Architekt Peter Kulka soll nun die Entwürfe anfertigen. „Es ist ein großer Schritt getan. Doch jetzt wartet noch viel Arbeit auf uns“, sagt Thomas Bergander von der Taurecon Real Estate Consulting GmbH, die mit der Projektplanung beauftragt wurde. Er wurde vor eineinhalb Jahren vom Eigentümer ins Boot geholt, um den Konflikt, der damals noch unlösbar schien, beizulegen.

Adler Real Estate hatte die Fläche 2011 gekauft. Schon damals war klar, dass die Aussichten auf eine Wohnbebauung nicht rosig sind. Denn das Areal gehört zum nicht-bebaubaren Außengelände. Außerdem liegt es in der Einflugschneise des Flughafens. Deshalb seien eigentlich maximal – und nur in Ausnahmefällen – 1,6 Hektar Bebauung zulässig. Natur- und Hochwasserschutz schränken zusätzlich ein. Dennoch wollte das Berliner Immobilienunternehmen 70 Millionen Euro investieren und 160 Wohnungen sowie eine Kita bauen. Der Widerstand der Anwohner war von Anfang an da. Der Verein Hufewiesen Trachau gründete sich und kämpfte jahrelang für eine öffentliche Grünfläche. Im vergangenen Jahr wurden die Mitglieder vom Stadtrat erhört.

Rot-Grün-Rot stimmte dafür, den Bau von Wohnhäusern nicht weiter zu verfolgen. Sie wünschten sich einen Bebauungsplan, der das ganze Areal zur Grünfläche und wieder öffentlich zugänglich macht. Darüber sollten die Gremien eigentlich bereits entscheiden. Doch weil man die Verhandlungen mit dem Eigentümer nicht gefährden wollte, wurde die entsprechende Vorlage zurückgehalten. In der Bauausschuss-Sitzung am Mittwochabend sprachen sich die Mitglieder dann für die Kompromissvariante mit 1,6 Hektar Wohn- und 0,8 Hektar Gewerbe-Bau aus. Nun muss der Pieschener Ortsbeirat eine Empfehlung abgeben. Dann kann der Bauausschuss die Aufstellung endgültig beschließen.

Wie lange es dauert, bis Gebäude stehen und vor allem, bis die Trachauer die Hufewiesen wieder betreten dürfen, kann daher noch niemand sagen. „Ich hoffe, dass ich dort in fünf Jahren mit Herrn Schmidt-Lamontain ein Glas Rotwein trinke“, sagt Bergander und lacht. Trotz einem Berg Arbeit, der noch wartet, sind sich Stadträte, Baubürgermeister, Vereinsvorsitzende und Investoren einig, dass sie einen „genialen Kompromiss“ gefunden haben. Und bis zum historischen Tag, an dem der Zaun fällt, bleibt noch das Trachenfest.

Die Bürgerversammlung zu den Hufewiesen findet am 24. März von 15 bis 18 Uhr im Goldenen Lamm auf der Leipziger Straße 220 statt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. Franz K.

    Bei so vielen Sätzen hätte man auch noch schreiben können, daß die Flächen vor der Wende landwirschaftlich (Gartenbau) genutzt wurden. Die waren also auch nicht öffentlich zugänglich.

  2. Drittetreppelinks

    Nun, da hat der Eigentümer mehr rausgeholt als er erwarten durfte. Bleibt bei der Gestaltung der verbleibenden Grünflächen zu hoffen, dass der ländliche Charakter erhalten bleibt, und keine Spielwiese für Landschaftsarchitekten geschaffen wird, die alles mit sinnlosen erratischen Strukturen zumöbeln.

  3. Knubbl

    Kulka entwirft macht die Buden? Na, da kann man von Glück reden, dass da viel Grün drumrum erhalten bleibt. Schmuckstücke werden das sicher keine, eher die von ihm gewohnten Betonkuben. Mahlzeit.

  4. Nachgedacht

    Eigentlich schön, dass die Wiese bleibt! Eigentlich? Ja, es bleibt der fade Beigeschmack, dass heute jeder einzelne mit einem grünen Ansinnen, einer Interessengruppe oder nur aus purem Eigeninteresse Investitionen verhindern oder zumindest ausbremsen kann. Das macht es dann oft teuer. Wenn jemand ein Grundstück kauft und dafür auch Baurecht besitzt, dann muss er auch bauen dürfen oder?

  5. Daniel Mantzke

    Ich finde, man sollte die Fläche so schön naturbelassen erhalten, zwar zugänglich aber nicht weiter ausbauen. das ist wirklich nicht nötig. Wisst ihr in Dresden gibt es schon immer seltener mitten in der Stadt solche schönen Wildnaturbelassene Ecken und Brachflächen. Wie schnell in der letzten Zeit so viele solche Flächen verschwinden. Ich find es echt schade. Man muss ja mal die Natur wenigstens bisschen ihre Chance lassen, Natur zu bleiben. Man muss ja nicht immer unbedingt da eingreifen, außer nur bei Not. Es sieht doch auch schön und lehrreich aus. So ein interessanter Wildgarten in Dresden zu haben ist doch schön. Man könnte daraus vielleicht ein Naturlehrpfad draus machen. Wie sieht die Natur aus, wenn man sie dort lässt mit Lehrtafeln, Insektenhotel, kleine Holzspielgeräte oder Bienenhaus. Eben halt alles sowas. Oder ein klein Teich anlegen und natürlich belassen. Und ein kleines Naturmuseum. Das wäre vielleicht interessant für Kinder und Erwachsene. Dies wäre meine Idee.

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