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Dienstag, 08.05.2018

Hoher Druck auf Beschäftigte

Viele Arbeitnehmer im Freistaat sind mit ihrem Job unzufrieden. Ein Kritikpunkt sind die Arbeitszeiten.

Von Alexander Buchmann

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Die Hälfte der Beschäftigten in Sachsen wünscht flexiblere Arbeitszeiten. Dazu zählt auch, von zu Hause aus arbeiten zu können.
Die Hälfte der Beschäftigten in Sachsen wünscht flexiblere Arbeitszeiten. Dazu zählt auch, von zu Hause aus arbeiten zu können.

© Steenvinkel-Nordenhof/dpa

Mehr als jeder vierte Beschäftigte in Sachsen bewertet die Arbeitsbedingungen hierzulande als schlecht. Das ist das Ergebnis des diesjährigen DGB-Index „Gute Arbeit“, der am Montag veröffentlich worden ist. Dafür sind im Auftrag des Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über tausend sächsische Arbeitnehmer befragt worden. Während 27 Prozent von ihnen die Bedingungen so bewerten, sind es bei den ostdeutschen Beschäftigen insgesamt nur 22 Prozent und bundesweit sogar nur 19 Prozent. „Sachsens Arbeitgeber haben Nachholbedarf bei der Umsetzung von guten Arbeitsbedingungen“, sagt der sächsische DGB-Vorsitzende Markus Schlimbach. „Offensichtlich spüren die Beschäftigten einen starken Druck und sind unzufriedener als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in anderen Bundesländern.“

Ein Grund für die Kritik der Beschäftigten an den Bedingungen sind die Arbeitszeiten. Inklusive Überstunden arbeiten die Sachsen im Schnitt 39,4 Stunden pro Woche. Das sind fast anderthalb Stunden mehr als der Bundesschnitt und immer noch 18 Minuten mehr als der Durchschnitt aller Ost-Bundesländer. Bei knapp einem Drittel kollidieren deshalb „oft“ oder sogar „sehr häufig“ private Interessen mit der Arbeit. Nur gut jeder Fünfte hat damit keine Probleme. Deutschlandweit ist es jeder Vierte. Um die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie zu verbessern, wünscht sich fast die Hälfte der Beschäftigten mehr Einfluss auf ihre Arbeitszeitgestaltung. Der Freistaat liegt damit leicht über dem Bundesschnitt. Jeder Fünfte würde gern häufiger von zu Hause aus arbeiten. Fast 60 Prozent sind außerdem der Meinung, eine Begrenzung des Arbeitstages auf acht Stunden würde die Situation verbessern.

Eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Arbeitsbedingungen spielt auch der hohe Anteil an Schichtarbeit. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten hierzulande arbeitet mindestens gelegentlich in Schichten. Deutschlandweit ist es nicht mal jeder Fünfte. Und bei mehr als der Hälfte der Schichtarbeiter kommt oft noch Nachtarbeit hinzu. Auch hier liegt Sachsen weit über dem Schnitt der ostdeutschen Länder und dem Bundesschnitt. Dabei treten durch die Kombination aus Schicht- und Nachtarbeit vermehrt Schlafstörungen und andere gesundheitlichen Beschwerden auf.

Sachsens Arbeitnehmer kritisieren außerdem fehlende Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten sowie die mangelnde Sicherheit des Arbeitsplatzes beziehungsweise der beruflichen Zukunft. Die Arbeitsbedingungen führen wiederum dazu, dass 39 Prozent der Beschäftigten nicht denken, dass sie bis zur Rente ohne Einschränkungen in ihrem Beruf arbeiten können. Das hält nur die Hälfte für möglich. Die Befragung zeigt auch, dass die Qualität der Arbeit grundsätzlich positiver beschrieben wird, je qualifizierter die berufliche Tätigkeit ist.

Von dieser Beurteilung hängt wiederum ab, ob Beschäftigte bereit sind, den Arbeitgeber zu wechseln oder nicht. So würde von allen sächsischen Beschäftigten in den Jahren 2016 und 2017 nur gut jeder Fünfte den Arbeitgeber wechseln, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. 65 Prozent würden bei ihrem jetzigen Arbeitgeber bleiben und zwölf Prozent wollten oder konnten sich diesbezüglich nicht festlegen.

Unter den Beschäftigten, die schlechte Arbeitsbedingungen erleben, kann sich jedoch mehr als die Hälfte einen Wechsel des Arbeitgebers vorstellen. „Dieses Ergebnis unterstreicht eindrücklich, dass eine hohe Qualität der Arbeit nicht nur den Beschäftigten zu Gute kommt, sondern für Unternehmen auch ein Vorteil im Wettbewerb um Arbeitskräfte ist“, heißt es im DGB-Index. Und der sächsische DGB-Vorsitzende ergänzt: „Die Zeiten sind vorbei, dass von den Beschäftigten Genügsamkeit und Opferbereitschaft gefordert werden können.“ Wer heute Fachkräfte halten will, müsse für gute Arbeitsbedingungen sorgen.

Das sieht auch Sachsens Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) so. „Die Fachkräftefrage wird an diesem Punkt mitentschieden.“ Wer gern zur Arbeit gehe, einen guten Lohn und Wertschätzung erhalte, der fühlt sich wohl und kann auch gute Leistungen bringen. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, sich für ‚Gute Arbeit‘ in Sachsen einzusetzen. Die Ansatzpunkte für eine Verbesserung liegen mit dieser detaillierten Studie auf dem Tisch.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Arbeitnehmer

    Vielleicht fühlen sich die Mitarbeiter auch nur deshalb gestresst, weil man 40 Stunden arbeiten gehen muss um genug Geld zu verdienen. Man würde vielleicht gern nur 36 Stunden oder weniger gehen, aber dann wird einem ja so viel Geld gekürzt, dass man nicht mehr über die Runden kommt. Ein Beitrag über die ungerechte Gehaltsverteilung zwischen Ost und West, die es nach wie vor gibt, wäre sinnvoller.

  2. Steinbeißer

    In der Tat sind die unterirdischen Löhne im Osten das eigentliche Problem. Es geht nicht an dass sich die Lebenshaltungskosten nahezu westdeutschem Niveau angeglichen haben, die Löhne/Gehälter aber stagnieren. DAFÜR sollte man Montags mal auf die Straße ;)

  3. Sehnsucht

    Das Staatsministerium beauftragt den DGB mit einer Studie? Das müffelt doch ganz stark. Aber unabhängig von diesem unappetitlichen Detail, werden Trump, die Automatisierung und Digitalisierung sowie die ungeregelte Zuwanderung eine ganz andere Arbeits- und Einkommenswelt entstehen lassen. Viele werden sich nach Vollzeitschichtarbeit sehnen.

  4. bernoi

    Richtig, nur mit Vollzeit überlebe ich finanziell für meine Familie bzw. den anfallenden Kosten (ohne Freizeitbespassung) für 2 kleine Kinder...Ich arbeite im Pflegeberuf mit behinderten Jugendlichen, mir macht der Beruf sehr viel Freude, aber trotzdem muss ich einen Großteil des Geldes zurücksparen in private Rentenversorge damit ich später mal trotz 45 Arbeitsjahre nicht am Hungertuch nage weil ich knallhart durch die BfA mit einer Armutsrente abgespeist werde...Ich gehe auch für einen erheblichen Teil an Nebenkosten wie Miete und Versicherungen für die Familie (Unfall, Berufsunfähigkeit etc.) arbeiten und es ist manchmal echt frustrierend dass das Geld schneller alle ist, als noch Monat da ist, ohne einen teuren SUV zu fahren , ohne jedes Wochenende mit den Kindern in Freizeitparks zu gehen und ohne eigene kulturelle Veranstaltungsbesuche...

  5. Petra

    Wie kommt der Autor zu der Information, dass die Befragung im Auftrag des Wirtschaftsministeriums durchgeführt wurde? DGB-Index - wie der Name es sagt - kommt vom DGB. Ein Klick auf die DGB-Internetseite hilft weiter.

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