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Montag, 06.08.2018

Höhepunkt kurz vor dem Abpfiff

Budissa sieht im Derby schon wie der Sieger aus, dann aber sorgt Daniel Maresch in letzter Minute für eine Überraschung.

Von Jürgen Schwarz

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Der gelungene Freistoß zum 1:1 war die letzte Aktion im Spiel und wird hier von den Gastgebern ausgiebig bejubelt. Am Dienstag muss der BFV zu Lok Leipzig.
Der gelungene Freistoß zum 1:1 war die letzte Aktion im Spiel und wird hier von den Gastgebern ausgiebig bejubelt. Am Dienstag muss der BFV zu Lok Leipzig.

© Torsten Zettl

  • Der gelungene Freistoß zum 1:1 war die letzte Aktion im Spiel und wird hier von den Gastgebern ausgiebig bejubelt. Am Dienstag muss der BFV zu Lok Leipzig.
    Der gelungene Freistoß zum 1:1 war die letzte Aktion im Spiel und wird hier von den Gastgebern ausgiebig bejubelt. Am Dienstag muss der BFV zu Lok Leipzig.
  • Viele packende Zweikämpfe wie hier zwischen dem Bautzener Marek Langr (links) und Tobias Heppner gab es am Sonnabend im Derby in Bischofswerda zu sehen. Am Ende holten beide Teams einen Punkt.
    Viele packende Zweikämpfe wie hier zwischen dem Bautzener Marek Langr (links) und Tobias Heppner gab es am Sonnabend im Derby in Bischofswerda zu sehen. Am Ende holten beide Teams einen Punkt.

Fußball-Regionalliga. Das erste Punktspiel-Derby nach 13 Jahren Unterbrechung ist Geschichte. Am zweiten Spieltag der Fußball-Regionalliga Nordost trennten sich der Bischofswerdaer FV und die FSV Budissa Bautzen vor 864 Zuschauern mit einem 1:1 (0:1)-Unentschieden. Glücklicher sahen nach dem Schlusspfiff des Dresdner Schiedsrichters Stefan Herde freilich die Gastgeber aus. Kein Wunder – schließlich hatte der eingewechselte Daniel Maresch in der vierten Nachspielminute den Ausgleich mit einem phänomenalen Freistoßtor erzielt. Bis dahin hatte die Führung der Spreestädter durch Tony Schmidt (37.) Bestand.

Erstes DDR-Oberliga-Spiel stieg 1986

Die Rückkehr ins Stadion an der Wesenitz weckte Erinnerungen, nicht nur bei Stadionsprecher Heiner Lauber. Schließlich bestritten die Bischofswerdaer hier einst sogar Spiele in der DDR-Oberliga – das erste am 16. August 1986. „Ja, ich kann mich erinnern, wie wir durch das Wäldchen gekommen und dann ins Stadion eingelaufen sind.“ Torsten Gütschow, Chefcoach der Budissen, war damals mit Dynamo Dresden zu Gast und kam mit seiner Mannschaft – bestückt mit vielen Nationalspielern – vor rund 9 000 Zuschauern nicht über ein 0:0 hinaus. Auf der anderen Seite stand unter anderem Tino Gottlöber im Team, inzwischen Nachwuchschef der Schiebocker und Trainer der Regionalliga-Frauen des BFV. Auch er war diesmal natürlich als Zaungast dabei.

Einiges erinnerte auch am Sonnabend an das erste DDR-Oberligaspiel vor 32 Jahren. Präsident Jürgen Neumann tigerte schon ab 10 Uhr durch das Stadion, schaute hier und da, ob alles angerichtet war. Logistisch keine einfache Aufgabe für den Viertliga-Aufsteiger, schließlich hatte man die Punktspiele in den letzten Jahren in der Kampfbahn bestritten. Umso bemerkenswerter, wie sich die Gastgeber bemühten, es Besuchern, Journalisten oder ihren VIP-Gästen recht zu machen. Auch wenn noch längst nicht alles rund lief, der Auftakt war vielversprechend – auch für die BFV-Kicker.

Bautzen kommt mit Selbstvertrauen

Wer in diesem Spiel die Favoritenrolle innehatte, war nicht auszumachen. Die beiden Trainer sprachen sie vor dem Anpfiff jeweils dem Gegner zu, wobei die Bautzener mit einem Heimsieg über Viktoria Berlin (2:0) im Gepäck und somit mit viel Selbstvertrauen anreisten. Kein Wunder, schließlich hatte Viktoria am Tag vor dem Derby den 1. FC Lok Leipzig entzaubert (4:1) und damit den Auftaktsieg der Budissen weiter aufgewertet.

Torsten Gütschow ging kein Risiko ein und vertraute der gleichen Startelf wie gegen die Berliner. Erik Schmidt berief sechs Neuzugänge in die Anfangsformation und lüftete auch das Geheimnis um die vorläufige Nummer eins im Tor. Der regionalliga-erfahrene Oliver Birnbaum erhielt den Vorzug gegenüber Dominik Reissig. Auf der Ersatzbank der Hausherren nahm mit Tomas Petracek ein Stürmer Platz, der beim Test gegen Dynamo Dresden eine Woche zuvor noch als Probespieler überzeugt hatte.

Schmidt: „Tomas war zuletzt beim Berliner AK, aber die hatten keine Verwendung für ihn und haben den Vertrag wieder aufgelöst. Deren Ansprüche sind auch etwas anders, also haben wir zugeschlagen.“ Der 24-Jährige wurde bei Viktoria Pilsen ausgebildet und spielte in Deutschland in der Bayernliga Nord, dort zuletzt bei der SpVgg Bayern Hof.

Das Geschehen in der ersten Halbzeit ist schnell abgehandelt. Die Bischofswerdaer wirkten logischerweise etwas nervös, sodass viele gut gemeinte Offensivaktionen nicht zum Abschluss kamen. Dennoch hatte der eifrige Thomas Sonntag die Führung auf dem Spann, konnte aber im letzten Moment noch von Sepp Kunze beim erfolgreichen Torschuss gestört werden (36.). Praktisch im Gegenzug erzielte Tony Schmidt nach sehenswerter Kombination mit Jonas Mack das 1:0 für Bautzen.

Bis dato hatten die Gäste ihr Spiel unaufgeregt durchgezogen – defensiv stark und mit dem Versuch, ein schnelles Umkehrspiel auszuziehen. „In der ersten Halbzeit war es ein typisches Derby. Keiner wollte einen Fehler machen, beide Teams haben abgewartet“, resümierte Gütschow. „Man muss aber allen Spielern auf dem Platz ein Riesenkompliment machen, was sie dennoch bei dieser sengenden Hitze angeboten haben.“

Nach dem Wechsel wurde die 57. Minute zum Knackpunkt – besser sie hätte es werden können. Eine sinnlose Aktion von Tom Hagemann, der bei einem Einwurf den Ball absichtlich auf Sepp Kunze warf, dezimierte die Platzbesitzer durch die Rote Karte. Damit war eigentlich alles für die Budissen angerichtet, denn diese Konstellation passte perfekt zum taktischen „Anzug“ der Gäste.

„Klar, wir hätten den Sack zumachen müssen, hatten sechs, sieben Überzahlangriffe, die wir aber nicht konsequent zu Ende gebracht haben“, ärgerte sich Gütschow. „Und dann kassieren wir in der Nachspielzeit den Ausgleich. Das ist bitter, auch wenn ich zugebe, dass ich vor dem Spiel so ein Ergebnis sofort unterschrieben hätte. Schiebock hat nie aufgegeben und sich den Punkt auch verdient.“

Erik Schmidt war natürlich erleichtert: „Wir können mit dem einen Zähler nach diesem Spielverlauf gut leben. Wir müssen cleverer werden und durchdachter und konstruktiver spielen. Für viele meiner Spieler war es aber das erste Regionalligaspiel überhaupt. Die Jungs haben alles aus sich herausgeholt. Der Freistoß war dann natürlich überragend. Das hat man bei uns in den letzten Jahren nicht so oft gesehen, umso schöner, dass es zum Regionalligastart geklappt hat.

Spiele Dienstag und Mittwoch

Bereits am Dienstagabend müssen die Bischofswerdaer wieder ran. Dann geht es zum 1. FC Lok Leipzig. Der Anpfiff in der Messestadt ertönt um 19 Uhr. Hier liegt das letzte Duell in Probstheida (1:1) nicht so lange zurück. Auch diesmal würde Erik Schmidt so ein Ergebnis sicher gern unterschreiben. Die Bautzener erwarten am Mittwoch ab 18 Uhr die Unioner aus Fürstenwalde. „Dann wollen wir den zweiten Sieg einfahren“, sagt Gütschow. Mit sieben Punkten hätte Budissa dann einen perfekten Start hingelegt – aber auch diese 90 Minuten im Stadion Müllerwiese müssen erst einmal gespielt werden. Die Wetterprognosen lassen dann schon wieder eine Hitzeschlacht erwarten.

Bischofswerda: Birnbaum – Rülicke, Heppner, Lenk, Cermak – Kloß (65. Maresch), Kötzsch – Zille (68. Petracek), Hagemann, Sonntag – Graf (85. Grellmann).

Bautzen: Ebersbach - Kunze, Patka, Hoßmang, Mack - Ciapa, Weiß (63. Krautschick), Treu (85. Merkel), Schlicht – Bönisch (68. Langr), Schmidt.