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Montag, 10.04.2017

Hilferuf zum Jahrestag

Der deutsche Sport ist ein Massengrab. Das behauptet der Doping-Opfer-Hilfeverein.

Starb am 10. April 1987: Siebenkämpferin Brigit Dressel.
Starb am 10. April 1987: Siebenkämpferin Brigit Dressel.

© dpa

Der Kampf von Ines Geipel und ihren Mitstreitern geht weiter. Der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) hat den Deutschen Olympischen Sportbund vor dem Hintergrund der jüngsten Hinweise auf flächendeckendes Doping im früheren Westdeutschland erneut zu einer Unterstützung von Dopingopfern aufgefordert. „Aus dieser Bringschuld wird der Sportdachverband nicht entlassen“, teilte der DOH unter dem Vorsitz von Ines Geipel mit.

Seit dem tragischen Tod der Siebenkämpferin Birgit Dressel vor 30 Jahren am 10. April 1987 sei der organisierte Sport in Deutschland – so der DOH – zu einem Massengrab geworden. Die Todesliste des DOH verzeichne Hunderte an Dopingfolgen verstorbene Athleten aus Ost und West. „Die Ursachen sind Herzversagen, Schlaganfälle, Tumore, Akutversagen der Organe oder toxisch-allergische Reaktionen auf Doping“, heißt es. Die bundesdeutsche Gesellschaft habe angesichts des Todes von Birgit Dressel noch unter Schock gestanden, seitdem werde das Dauersterben der Athleten „so konspirativ gehandhabt wie das Doping selbst“.

Dressel war im Alter von nur 26 Jahren an Multiorganversagen nach einem möglicherweise toxisch-allergischen Kreislaufschock gestorben. Sie hatte in der Zeit vor ihrem Tod rund 100 Substanzen, darunter auch Anabolika, eingenommen. Ob ihr Tod allerdings eine Dopingfolge war, wurde nie vollständig geklärt. „Seit Birgit Dressels Tragik wissen wir alles, was wir wissen müssen, um eine solche Toxizität zu verhindern“, sagt Geipel, „und dennoch wird mehr denn je gestorben. Wir müssen raus aus dieser zirkulären Scheindiskussion, die da heißt: Hier die bösen Betrüger, dort der schöne, saubere Sport, der mit all dem nichts zu tun hat.“

Diese bitteren Tode seien „genuiner Teil des organisierten Sports in Deutschland, und deshalb ist es auch mehr als überfällig, dass er zuerst die Verantwortung dafür übernimmt. Bigotterie und gespielte Ahnungslosigkeit helfen da nicht weiter“, so Geipel. Der DOH fordert den DOSB daher erneut auf, „die Arbeit an einem Nachhaltigkeitskonzept für die vielen Sportopfer aufzunehmen und in Sachen Unterstützung endlich konkret zu werden“. Eine unveröffentlichte Doktorarbeit an der Uni Hamburg gab Anfang April Hinweise auf flächendeckendes Doping in der bundesdeutschen Leichtathletik zwischen Ende der 60er- und den späten 80er-Jahren. (sid)