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Donnerstag, 28.06.2018

Hilfe über 5 000 Kilometer

Das Gymnasium unterstützt Schüler in Togo, Westafrika. Jetzt mit einem Gymnasiasten-Besuch vor Ort. Und guten Aussichten.

Von Ines Scholze-Luft

Viel gesehen, viel erfahren, viel gelernt. Für zehn Schülerinnen, einen Schüler, eine Lehrerin und einen Lehrer des Gymnasiums Coswig sowie die Coswiger Winfried und Petra Hamann brachte die Reise ins westafrikanische Togo viele unvergessliche Erlebnisse. Nicht nur die Begegnung mit Mädchen in Schuluniform, auch das gemeinsame Foto mit Einheimischen am Meer und die Übergabe der Spenden in der Schule in Koumondè haben sich eingeprägt.
Viel gesehen, viel erfahren, viel gelernt. Für zehn Schülerinnen, einen Schüler, eine Lehrerin und einen Lehrer des Gymnasiums Coswig sowie die Coswiger Winfried und Petra Hamann brachte die Reise ins westafrikanische Togo viele unvergessliche Erlebnisse. Nicht nur die Begegnung mit Mädchen in Schuluniform, auch das gemeinsame Foto mit Einheimischen am Meer und die Übergabe der Spenden in der Schule in Koumondè haben sich eingeprägt.

© Elsa Franz

Coswig. Togo geht unter die Haut. Wenn Elsa Franz und Theresa Augsburg über ihre Reise in die westafrikanische Republik reden, spürt der Zuhörer den Staub der erdigen Straßen, das Annähern ans ungewohnte Essen, das Erstaunen über die Betriebsamkeit in der Hauptstadt Lomé mit ganz anderer Farbigkeit, Gerüchen und Geräuschen als daheim. Vor allem aber Interesse und Respekt für die Menschen, denen die Zehntklässlerinnen aus dem Gymnasium Coswig begegnen, als sie mit neun Mitschülern, zwei Lehrern sowie den Coswigern Winfried und Petra Hamann eine Woche das Land am Golf von Guinea besuchen. Und so intensiv kennenlernen können, wie es wenigen Fremden vergönnt ist.

Waren sie doch nicht als Touristen, sondern in spezieller Hilfsmission unterwegs. Mit Spenden im Gepäck, zusammengetragen im Gymnasium und von privaten Unterstützern. Seit 2008 regelmäßig nach Afrika gesandt. Und diesmal erstmals durch die Schüler persönlich überbracht.

Zuvor hat die Familie Hamann das übernommen. Auf Winfried Hamann geht die Hilfsaktion zurück. Der einstige Schulleiter des Gymnasiums bittet 2007 bei seinem Abschied in den Ruhestand statt um Geschenke um Zuwendungen für Togo. Dort arbeitet Tochter Eva, sie hat Deutsch für Ausländer studiert, unterrichtet erst an der Uni in Lomé angehende Deutschlehrer, arbeitet später am dortigen Goethe-Institut, wo sie unter anderem die Fortbildung von Deutschlehrern organisiert.

Bei einem Besuch samt Fahrt durchs Land sehen ihre Eltern, dass es gerade in den Schulen am Nötigsten fehlt. Im Ort Koumondè, sechs Autostunden nördlich von Lomé, knüpfen sie Kontakt. Die dortige Realschule braucht – wie alle Einrichtungen – Lehrmittel aller Art, Stifte, Papier. Hamanns organisieren Unterstützung. In Coswig wird sie organisiert. Bei Auftritten von Bigband, Schulorchester und Chor des Gymnasiums sowie bei Kammerkonzerten fließt nun eine Hälfte der Erlöse in neue Instrumente, die andere ins Schulprojekt Togo, auch private Spender finden sich. Selbst neue Schulbänke für Koumondè können finanziert werden. Später auch Unterstützung beim Aufbau eines Gymnasiums im Ort. Und die Ausstattung einer neuen Realschule im Nachbarort Kpewa. Damit die Schüler nicht mehr so weit laufen müssen. Manche zehn Kilometer, viermal am Tag. Denn zum Mittagessen geht es nach Hause – das ist am preiswertesten – und dann wieder zum Nachmittagsunterricht. Im Gänsemarsch laufen die Kinder entlang der gefährlichen Straßen, gut erkennbar an den Schuluniformen, beigefarbene Röcke und Hosen, weiße Blusen und Hemden, erzählt Petra Hamann. Sie weiß: Jeder Spenden-Cent kommt an, mit penibler Abrechnung.

In Coswig wird derweil weiter für Afrika gesammelt. Die togoischen Schulen melden ihren Bedarf per Wunschzettel an. Im Februar 2018 geht Spendengeld in Höhe von rund 6 800 Euro mit auf die Reise. Für Computer, Kopierer, Schulbücher, die vor Ort gekauft werden. Wie die 115 Schuluniformen für Mädchen. Wer keine hat, darf nicht zur Schule gehen. Vor allem für Mädchen ein Problem, weil ihnen so nur die Hausarbeit bleibt.

Und dann diese Freude, als die Spenden übergeben werden. Theresa und Elsa sind immer noch überwältigt von der Dankbarkeit der Beschenkten. Sind begeistert von der Fröhlichkeit der Menschen, die den ärmlichen Bedingungen trotzen, von ihrer Offenheit, ihrem Fleiß. Mancher Togoer lernt in drei Wochen so viel Deutsch, wie Deutsche in vier Jahren Russisch in Deutschland. Das Land steht übrigens in Togo hoch im Kurs. Offensichtlich auch, weil die Togoer lieber an die deutsche als an die französische Kolonialzeit denken.

Für die beiden Coswiger Gymnasiastinnen hat die Reise viel verändert. Als sie erleben, dass Gummibärchen eine Kostbarkeit sein können und nicht jederzeit zu haben im Supermarkt. Von denen es nur ganz wenige gibt und Einheimische sich dort kaum einen Einkauf leisten können. Ein neuer Blick auf Gewohntes entsteht, wo nur wenig Wasser und keinesfalls Essen in Hülle und Fülle vorhanden sind.

Froh waren Theresa und Elsa über die Begleitung durch Eva Hamann, von der sie viel über Mentalität der Togoer erfahren haben. Jetzt ist sie erst mal zurück in der Heimat, bereitet sich auf einen neuen Einsatz vor. Und die Schülerinnen? Sie wollen vor allem ihre Ausbildung ordentlich absolvieren. Nicht zuletzt bleibt für sie die Afrikahilfe wichtig. Nachdem sie gesehen haben, dass Spenden dringend nötig sind, um gerade durch Bildung etwas zu verändern.

Die Hilfe soll weitergehen, sagt auch Winfried Hamann. Von 2007 bis April 2018 konnten rund 21 000 Euro gesammelt werden, etwa 13 000 direkt vom Gymnasium. In Lomé gibt es weiterhin ein Netzwerk, speziell der gemeinnützige Verein ADH-Afrique, Aktionen für Entwicklung und Demokratie in Afrika – gegründet durch togoische Studenten, um die Coswiger Projekte vor Ort zu koordinieren und zu überwachen. Auch das Gymnasium bringt sich weiter ein, sagt Schulleiterin Britt Göldner.

Elsa und Teresa halten die Verbindung nach Togo ebenfalls aufrecht, über E-Mail und Whatsapp. Da kommt schon mal eine Einladung zu einer Party – 5 000 Kilometer entfernt. Teilnahme: utopisch. Umso realer die Erinnerung an das Erlebte, das sie gern in vielen Gesprächen weitergeben möchten. Damit die Hilfe lebendig bleibt.

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