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Dienstag, 13.02.2018

Hier verläuft die Menschenkette

Mit vielen Veranstaltungen soll friedlich gedacht werden. Doch es kann zu Störungen kommen.

Von Andreas Weller

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© Archivfoto: Sven Ellger

Auch der 73. Jahrestag der Bombardierung der Stadt steht im Zeichen des Gedenkens und der Versöhnung. Wenn die Gräber besucht, die Kränze abgelegt, die Zeitzeugen befragt und die Bezüge zu aktuellen Kriegen hergestellt sind, soll sich erneut eine Menschenkette schließen.

Der symbolische Schutz der Innenstadt vor der Vereinnahmung von Neonazis ist seit Jahren die am besten besuchte Veranstaltung am 13. Februar. Rund 11 000 Teilnehmer werden auch an diesem Dienstag wieder erwartet. Ab 16 Uhr können sich Interessierte an der Goldenen Pforte des Rathauses versammeln. Um 17 Uhr sprechen der Anmelder und TU-Rektor Professor Hans Müller-Steinhagen und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) dort. Danach, gegen 17.30 Uhr, verteilen sich die Menschen entlang der Strecke.

Diese führt in diesem Jahr vom Rathaus, über die Kreuzstraße, den Altmarkt, die Wilsdruffer Straße, den Postplatz, die Sophienstraße, den Theaterplatz, das Terrassenufer, die Augustusbrücke, das Königsufer, die Carolabrücke, den Rathenauplatz, die Schießgasse, die Ringstraße, bis sie sich am Rathaus schließt (Grafik). OB Hilbert ruft zur Teilnahme auf: „Dieser schicksalhafte Tag ist ein Brandzeichen in der Geschichte unserer Stadt. Jede Generation muss sich neu damit auseinandersetzten und dieses Erinnern in die Zukunft tragen. So, wie wir unsere Erinnerungskultur in Dresden gestalten wollen, heißt das eine klare Positionierung für eine offene Gesellschaft, für Demokratie, Respekt, Vielfalt, Internationalität und Frieden.“

Auch Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) wird an Veranstaltungen teilnehmen. Er appelliert, „in aller Stille und Friedlichkeit“ zu gedenken. „Der 13. Februar ist eine Mahnung für Frieden und Völkerverständigung. An diesem Gedenktag sollten wir wieder mehr den Zeitzeugen und ihren Geschichten zuhören, statt den Tag lautstark für politische Zwecke zu instrumentalisieren“, so Rößler.

Allerdings bestand genau diese Gefahr: Ungeachtet ihrer meist sehr beschaulichen Anzahl an Demonstranten wollten die rechten „Wellenlängen“ den kompletten Neumarkt von 10 bis 2 Uhr in der Nacht zum Mittwoch besetzen. Die Versammlungsbehörde der Stadt versuchte daraufhin, die parallelen Veranstaltungen auf dem Neumarkt – wie das stille Gedenken vor der Frauenkirche – zu schützen, indem sie den „Wellenlängen“ nur einen Teil des Platzes zugestand. Das passte den Anmeldern aber nicht: Sie gingen über Verwaltungsgericht und Oberverwaltungsgericht dagegen vor. Vergeblich, denn die Richter gaben der Stadt recht, was die "Wellenlängen" offenbar dazu bewogen hat, ihre ganze Veranstaltung abzusagen. Sie zogen am Dienstag vom Neumarkt ab.

Bestehen bleibt hingegen eine Versammlung der AfD ab 19 Uhr auf dem Altmarkt, gegen die bereits linke Gegendemonstrationen angekündigt sind. Zudem flatterte der Behörde noch eine Anmeldung für ein „stilles Gedenken der Opfer des Luftangriffes“ auf dem Altmarkt auf den Tisch. Das Spektrum der Anmelder ist unbekannt, wird aber als eher rechts eingeordnet. (mit mja)

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand die Gerichtsentscheidung zur Wellenlänge-Veranstaltung noch aus. Diese wurde nachträglich ergänzt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 37 Kommentare

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  1. Ernst Haft

    Warum ist stilles, ehrliches Gedenken und eine Kranzniederlegung ein „ instrumentalisieren für politische Zwecke“ und die lauten, unsinnigen und unwürdigen Gegendemonstrationen sind es nicht“? Dieser sinnlose „Protest“, gegen das Gedenken zeigt, wie widerlich diese sogenannten toleranten linken Deutschenhasser sind! Das schlimmste aber ist, dass dieser OB und die Presse das auch noch fördert. Als Dresdner und Nachkomme von Opfern dieses Kriegsverbrechens vom 13.02. - 15.02.1945 empfindet ich nur Ekel gegen solche Subjekte und kann mich da nur schämen. Einfach nur widerlich, diese linke Vereinnahmung!

  2. Thomas

    @1 Ich verstehe ihren Kommentar nicht. Welche Linken wollen die Menschenkette stören. Woher kommt ihr Hass? Sie müssen nicht dabei sein. Es sind Menschen aus allen Politischen Lagern die da mitmachen. Gegen Krieg gegen Leid auf der ganzen Welt.

  3. L.T.

    Werte Herr Ernst Haft, Sie haben da augenscheinlich etwas missverstanden, denn, vereinnahmt wird ausschließlich von Rechten.

  4. Hartmut Grün

    Als Nachkomme der Kriegsverbrechen von 1939 bis 1945 sehe ich es schon als mein Bedürfnis den Opfern des Weltkrieges zu gedenken. Es ist schlimm, dass die rechte Propaganda wieder in der Gesellschaft Fuß fasst. Dieses Gedenken ist auch ein Zeichen gegen die unsäglichen Naziaufmärsche aus den frühen 2000ern. Diese Stadt - meine Stadt - steht nicht mehrheitlich für Fremdenfeindlichkeit und rechte Vereinnahmung durch falsche Faktendarstellung der Geschichte! Widerlich die Plakate am Sonnabend der Maik Müller NPD Demo.

  5. R.B.

    Ein Churchill wollte 600.000 Breslauer und Dresdner braten und militärische Ziele interessierten ihn am 13.02.1945 nicht. Die ersten Erfolgsmeldungen in England sprachen von 200.000 Toten. – Eine wahrscheinlich exaktere Recherche um Herrn Weidauer ermittelte etwa 35.000 Tote. Eine sicher auf Anweisung der Täternachfolger über Herrn Schnatz installierte Lügenkommission wurde gezwungen die Zahl der Opfer auf bis zu 20.000 zu begrenzen und stempelte die Opfer zu Tätern. Dieses Bombardement so zu verharmlosen ist gleichzusetzen mit der Verleugnung des Holocaust! - Übrigens auch jüdischstämmige Verbrecher sind Verbrecher! Das soll keinesfalls den Holcaust verharmlosen!

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