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Donnerstag, 17.05.2018

Hier lebt die Zeit

Über 30 000 Besucher kommen jährlich ins Uhrenmuseum Glashütte. Dieser Erfolg hat viele Väter.

Von Maik Brückner

Altbürgermeister Frank Reichel (li.) und Museumsleiter Reinhard Reichel freuen sich, dass das Uhrenmuseum so viele Besucher anzieht. Dies wünschen sich die beiden Reichels, die übrigens nicht miteinander verwandt sind, auch zum Familientag.
Altbürgermeister Frank Reichel (li.) und Museumsleiter Reinhard Reichel freuen sich, dass das Uhrenmuseum so viele Besucher anzieht. Dies wünschen sich die beiden Reichels, die übrigens nicht miteinander verwandt sind, auch zum Familientag.

© Egbert Kamprath

Glashütte. Glashütte ist einmalig. Warum das so ist und wie es dazu kam, kann jeder im Deutschen Uhrenmuseum erfahren. Hier wird sehr anschaulich die Geschichte der Uhrenstadt aufgerollt. Altbürgermeister Frank Reichel hat sich die Schau unzählige Male angeschaut. Der heute 75-Jährige, der von 1990 bis 2007 Bürgermeister in Glashütte war, führt auch jeden seiner Besucher hierher. Das Museum hat sich seit seiner Eröffnung zu einem Besuchermagneten entwickelt. In den letzten Jahren kamen jährlich mehr als 32 000 Besucher nach Glashütte, um diese Schau zu sehen.

„Für mich ist das Uhrenmuseum das schönste Museum auf der Welt“, sagt Reichel mit einem Augenzwinkern. Die Erklärung schickt er gleich hinterher. „Was man selbst aufgebaut hat, ist immer das Beste.“ Damit spielt Reichel auf die Vorgeschichte des Museums an. Dieses war über viele Jahre im Kulturhaus, dann in der Manufaktur Glashütte Original und zuletzt in einem eher unscheinbaren Raum an der Emil-Lange-Straße untergebracht. Dass es 2008 in das Gebäude der früheren Deutschen Uhrmacherschule umziehen konnte, daran hat Reichel einen wesentlichen Anteil.

Seit den 1990er-Jahren bemühte er sich um eine Nachnutzung des die Unterstadt dominierenden Gebäudes. Es gab einige Versuche, darin wieder eine Bildungsstätte zu etablieren. Reichel schwebte vor, eine Fachhochschule für Feinmechaniker anzusiedeln, so wie zu DDR-Zeiten. Doch die hatte sich längst in Dresden etabliert. Glashütte hatte keine Chance, das zu ändern.

Dann reifte die Idee, das Haus in ein Uhrenmuseum zu verwandeln. Frank Reichel holte die zu jener Zeit in der Stadt ansässigen Uhrenfirmen an einen Tisch. Er konnte sie dafür gewinnen, den Verein „Haus der Uhr“ zu gründen. Es dauerte nicht lange, da verließ die erste Firma wieder das Gremium. Das Projekt schien zu platzen. Die rettende Idee kam von Herbert Ditt-
rich. Der Medizin-Professor mit Klingenberger Wurzeln und einer Affinität zu Glashütter Uhren verfolgte aus dem fernen Münster, wie sich die Glashütter mühten, ein Museum zu etablieren. Er meldete sich bei Reichel und schlug vor, eine Stiftung zu gründen. Diese sei ein besseres Fundament für ein Museum als ein Verein. „Letztlich war das die Lösung“, sagt Reichel.

Bis es zur Gründung der Stiftung kam, vergingen noch Jahre. Nicht nur das Jahrhunderthochwasser 2002 warf die Stadt zurück. Als kompliziert erwies es sich auch, alle Uhrenfirmen unter einen Hut zu bringen. Am Ende entschied sich die Stadt, das Nutzungskonzept für das Gebäude auszuschreiben. Die Manufaktur Glashütte Original gab zusammen mit ihrem Mutterkonzern, der Swatch Group AG, als einzige Firma eine Bewerbung ab. Es folgten Verhandlungen, 2006 stand die Stiftung, die den Namen Nicolas G. Hayek trägt, weil der Gründer des Uhrenkonzerns das Vorhaben finanziell sehr stark unterstützen sollte. Der Umbau der früheren Deutschen Uhrmacherschule zum Deutschen Uhrenmuseum Glashütte konnte beginnen. Einen großen Anteil am Umbau hatte der damalige Manufakturchef Frank Müller, sagt Reichel. „Der brannte für das Projekt.“

Am 22. Mai 2008 konnte das Museum, in das rund zehn Millionen Euro geflossen waren, eröffnet werden. Museumsleiter Reinhard Reichel übernahm eine 1 000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche, die war 20-mal so groß wie die bisherige.

Im Museum werden 500 Exponate gezeigt, darunter ein Marine-Chronometer, welches 1911 zur Ausrüstung einer deutschen Südpolarexpedition gehörte, und eine der ersten in Glashütte hergestellten Armbanduhren aus dem Jahr 1926.

Das zieht. Seit der Eröffnung hat die Zahl der Glashütte-Besucher deutlich zugelegt. Auch dank der guten Arbeit, die Museumsleiter Reinhard Reichel und sein Team leisten, sagt der Altbürgermeister. Jedes Jahr gibt es Sonderausstellungen. Diese veranlassen ihn selbst immer wieder, ins Museum zu gehen. Reichel hofft, dass das Interesse an Uhren und den Fragen der Zeit weiterhin viele animiert, das Museum zu besuchen. Das hat täglich, also auch montags, geöffnet. Am Dienstag feiert das Uhrenmuseum seinen zehnten Geburtstag. Dazu gibt es nicht nur ein abwechslungsreiches Besucherprogramm, sondern auch noch kostenfreien Eintritt. Dann kann sich jeder davon überzeugen, warum Glashütte so einmalig ist.