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Sonntag, 10.06.2018

„Heut’ ist ein wunderschöner Tag ...“

Von Silke Richter

Die Chöre. Rechts, etwas abseits, der Lüdecke Stein, der dem Singen seinen Namen lieh.Foto: Silke Richter
Die Chöre. Rechts, etwas abseits, der Lüdecke Stein, der dem Singen seinen Namen lieh. Foto: Silke Richter

Die Kulisse ist perfekt. Schlosspark-Atmosphäre, der Großteich im Hintergrund und eine Allee von schattenspendenden Bäumen, durch deren Blätter angenehmer kühler Sommerwind weht. Die Wiednitzer und ihre Besucher haben es sich am Lüdecke Stein bequem gemacht. Denn am Sonnabendnachmittag findet hier eine Premiere statt. Zum ersten Mal tritt die Chorgemeinschaft Wiednitz unter Vorsitz von Antje Schulze gemeinsam mit dem Männerchor Lohsa unter Leitung von Roland Kohls auf. Beginn einer traditionell werden sollenden Konzertreihe mit unterschiedlichen Chören sein.

Die Verbundenheit der Sänger zeigt sich sogar optisch: Die Chorgemeinschaft Wiednitz trägt türkisfarbene Oberteile, die Chorsänger von Lohsa weiße Hemden mit türkisfarbenen Schlipsen. Aber das ist ja „nur“ Beiwerk. Denn in erster Linie wollen die Gäste die beiden Chöre singen hören.

Die Wiednitzer Chorleiterin Ulrike Minkwitz gibt letzte Anweisungen: „Die Tenöre 1 und 2 übernehmen den ersten Einsatz. Die Bässe von Lohsa singen den Kanon. Nicht wundern, einfach nur singen und das Chaos ist perfekt“, sagt lachend bei der letzten gemeinsamen Probe.

Es braucht mehr Bänke

Der zum Festplatz gewordene Schlosspark füllt sich indessen. Die Sitzplätze werden rar. Es braucht mehr Bänke. Die Bühne steht neben dem Lüdecke Stein. Der Ort wurde von den Organisatoren ganz bewusst gewählt. Ist doch die Geschichte seines Namensträgers, genau wie die 65-jährige Geschichte der Chorgemeinschaft Wiednitz, eng mit der Entwicklung des Dorfes verbunden. So fällte der damalige Gutsherr Lüdecke zwischen 1883 und 1930 zahlreiche Entscheidungen, die viel zur positiven Entwicklung des Dorfes beigetragen haben. 1930 kam der Gutsherr, der auch ein Stück Land für den Bau der damaligen Schule verkaufte, bei einem tragischen Jagdunfall ums Leben. Der gleichnamige Gedenkstein im Schlosspark soll an sein Leben und Wirken erinnern.

Der Beginn des ersten gemeinsamen Chorkonzertes klingt herrlich: „Heut‘ ist ein wunderschöner Tag, die Sonne / lacht uns so hell ...“ Passender hätte der Einstieg nicht sein können. Die Gäste sind begeistert. Wenig später verschmelzen die eigentlichen Sänger mit dem Publikum zu einem spontanen gemischten Chor.

Und vielleicht hat ja der ein oder andere Besucher sogar Lust bekommen, Mitglied in einem der beiden Chöre zu werden, denn Nachwuchs wird immer gesucht. „Singen hält jung, fördert das gemeinsame Miteinander und bringt Abwechslung in den Alltag“, meint Yvette Michael. Die Gymnasiallehrerin leitet den Männerchor Lohsa seit über sechs Jahren und beschreibt ihre Arbeit als sehr spannend und interessant. Das älteste Chormitglied beim Männerchor Lohsa ist immerhin schon 86 Jahre alt. Das sehe man dem sangesfreudigen Herren aber nicht an, lächelt Yvette Michael, die dennoch auf jungen Mitstreiter hofft, um das Bestehen des Männerchores aufrecht erhalten zu können. Immerhin gibt es den Herrenchor schon 140 Jahre. Auch die Chorgemeinschaft Wiednitz freut sich über neue, jung (und reifere!) Sangeswillige. Also: Nur Mut!