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Montag, 23.04.2018

Herzschwäche: Unterschätzte Gefahr

In das Herzzentrum Leipzig ist seit Kurzem ein Herzinsuffizienz-Zentrum integriert.

Bild: Mario Ziegler – Bildinfo: Dr. Marcus Sandri, Annegret Müller
Bild: Mario Ziegler – Bildinfo: Dr. Marcus Sandri, Annegret Müller

Die Disziplinen Herzchirurgie, Kardiologie, Rhythmologie und Psychologie bieten den Patienten modernste Diagnostik und Therapien. Annegret Müller (55) leidet an einer chronischen Herzinsuffizienz und ist Patientin im Spezialzentrum.

Annegret Müller hat nichts von einer typischen Herzpatientin. Sie treibt Sport, achtet auf ihr Gewicht, ernährt sich gesund. Sie trinkt kaum Alkohol und raucht nicht. Und doch ist sie schwer herzkrank.

Ihre Krankengeschichte begann vor etwa einem Jahr: Beim Tanzen mit ihrem Mann blieb Annegret Müller plötzlich die Luft weg. „Ich musste mich sofort hinsetzen“, erinnert sie sich. Ihr fiel ein, dass sie zuletzt häufiger müde und erschöpft gewesen war. Beim Hausarzt dann der Schock: Annegret Müller leidet an Herzschwäche. Mediziner nennen diese Erkrankung Herzinsuffizienz. Dabei werden wichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Typische Symptome: Atemnot, Erschöpfung, Wassereinlagerungen.

Individuell abgestimmte medikamentöse Therapie

Nach einer solchen Diagnose ändert sich fast alles im Leben der Betroffenen. Ohne die Einnahme bestimmter Medikamente verschlechtert sich ihr Zustand in kurzer Zeit. Auch eine Anpassung des Lebensstils ist notwendig. Gute Ernährung, kein Übergewicht und das richtige Maß an Bewegung tragen dazu bei, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Im Herzzentrum Leipzig findet Annegret Müller genau die ärztliche Expertise, die sie benötigt. Zunächst wird per Herzkatheter, Gewebeprobe und Blutentnahme ihr körperlicher Zustand untersucht. Anschließend werden Medikamente genau darauf abgestimmt: ACE-Hemmer und Betablocker sollen ihr Herz entlasten und gleichzeitig stabilisieren.

Home Monitoring kann Krankenhausaufenthalte verhindern

„Frau Müller musste außerdem sieben Monate lang eine Defibrillator-Weste tragen“, erklärt Dr. Marcus Sandri, Leiter des Herzinsuffizienz-Zentrums. „Der extern in die Weste eingenähte Schockgeber hätte ihr Herz im Notfall mit einem Elektrostoß wieder zum Schlagen gebracht.“ Die Weste verlieh Annegret Müller Sicherheit. Tag und Nacht passte das schwere Korsett darauf auf, ob ihr Herz richtig arbeitete. Zum Glück tat es das, und der Defibrillator kam nie zum Einsatz.

Herzschwäche ist nicht heilbar. Doch Annegret Müller geht es heute wieder sehr viel besser. Auch, weil sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause weiter umfassend betreut wird, Home-Monitoring nennen Herz-Experten das. Dabei ruft eine speziell ausgebildete „Herzschwester“ regelmäßig bei Annegret Müller an und erkundigt sich nach ihrem Befinden. Wie viel wiegt sie? Wie oft bewegt sie sich? Wie ist der Blutdruck? Wie fühlt sie sich? So kann die Herzschwester früh erkennen, ob sich Annegret Müllers Zustand verschlechtert, und bei Bedarf die Medikation anpassen. Der Vorteil: „Erneute Krankenhaus-Einweisungen lassen sich dadurch oft verhindern“, so Dr. Sandri.