erweiterte Suche
Samstag, 13.10.2018

Herrscht jetzt endlich Ruhe an der Weberkirche?

Jugendliche hatten in der Grünanlage am Zittauer Ring immer wieder für Ärger gesorgt. Die Polizei reagiert mit verstärktem Kontrolldruck.

Von Jana Ulbrich

Die Polizei schaut regelmäßig nach dem Rechten im Park an der Zittauer Weberkirche. Hier sind gerade die Hauptmeister Kerstin Neumann und Mario Hänsch auf Streife. In den letzten Tagen hat es keine negativen Vorkommnisse mehr gegeben.
Die Polizei schaut regelmäßig nach dem Rechten im Park an der Zittauer Weberkirche. Hier sind gerade die Hauptmeister Kerstin Neumann und Mario Hänsch auf Streife. In den letzten Tagen hat es keine negativen Vorkommnisse mehr gegeben.

© Matthias Weber

Zittau. Mehrere Beschwerden wegen Ruhestörung, zwei Anzeigen wegen Sachbeschädigung, eine Erpressung, bei der es um einen Fünf-Euro-Schein ging, eine Anzeige wegen illegalen Drogenhandels, ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung: Für die Zittauer Polizeibeamten gibt es reichlich zu tun in und um die Grünanlage an der Weberkirche.

Eine Gruppe Jugendlicher hatte den Park neben dem Spielplatz in jüngster Zeit zum allabendlichen Treffpunkt auserkoren. Anwohner beschwerten sich zunehmend über das Verhalten der Jugendlichen, über laute Musik und das Trinken von Alkohol, über Streitigkeiten, zurückgelassenen Müll und vereinzelte Sachbeschädigungen. Auch dass bei den Treffs illegale Drogen im Spiel seien, wurde vermutet. Zudem hatte es immer wieder Konflikte zwischen den Jugendlichen und den Männern aus der stadtbekannten Trinkerszene gegeben, die sich auf den Parkbänken treffen, manchmal auch zwischen einheimischen Jugendlichen und jungen Asylbewerbern. Auch die touristische Übersichtstafel, die hier steht, musste die Stadt im Sommer reinigen lassen, weil Unbekannte sie beschmiert hatten.

An diesem Mittwochabend aber herrscht Ruhe im Park an der Weberkirche. Nur die fröhlichen Kinderstimmen vom Spielplatz sind laut. Bei dem herrlichen Spätsommerwetter ist der Park auch am frühen Abend noch sehr belebt. An den Trinkern mit ihren Plastiktüten auf den Parkbänken stört sich anscheinend niemand. Sie sitzen fast immer hier.

„Alles in Ordnung?“, fragt Mario Hänsch sie im Vorübergehen. Der Polizeihauptmeister kennt den älteren Mann und die Frau auf der Bank schon lange. Sie grüßen freundlich und nicken. Es scheint ihnen ganz recht zu sein, dass die Polizei neuerdings so oft vorbeikommt. Auch an diesem Mittwochabend sehen Mario Hänsch und seine Streifenkollegin Kerstin Neumann in der Grünanlage nach dem Rechten. So wie fast jeden Tag in letzter Zeit.

Der ständige Kontrolldruck zeigt offenbar Wirkung: Schon seit Tagen hat es hier keine negativen Vorkommnisse mehr gegeben. Die Jugendlichen hätten sich auch nicht mehr blicken lassen, sagen die Biertrinker von der Parkbank. Sie hätten gehört, dass sie sich jetzt woanders treffen. Ähnliche Hinweise sind auch bei der Polizei eingegangen. „Es heißt, das Problem hätte sich jetzt in den Westpark verlagert“, sagt Mario Hänsch, „die Jugendlichen würden sich am Zittauer Gründerstein gegenüber der Burgteichgaststätte treffen.“

Doch alle bisherigen Kontrollen haben auch dort nichts dergleichen ergeben. Auch an diesem Mittwochabend nicht. Es gibt auch keine Spuren, die dort von einem neuen Szenetreff zeugen könnten, keine Scherben, keine Kronkorken und auch sonst kein Müll. „Es wäre ja schön, wenn das so bliebe“, sagt Mario Hänsch. Der Bürgerpolizist und seine Streifenkollegin werden trotzdem morgen wieder vorbeischauen. „Die Jugendlichen, die sich nicht benehmen können, sollen ruhig wissen, dass wir immer und überall auftauchen“, sagt Hänsch.

Dass es – zumindest vorerst – wieder ruhiger ist im Park an der Weberkirche, sei auch der guten Zusammenarbeit der Polizei mit Vertretern des Stadt Zittau und den zuständigen Streetworkern zu verdanken, sagt der Bürgerpolizist. Neben den regelmäßigen Polizeikontrollen würden auch Mitarbeiter der Sächsischen Sicherheitswacht und des städtischen Ordnungsamtes regelmäßig vor Ort Präsenz zeigen.

Zittaus Stadtsprecher Kai Grebasch bleibt dennoch skeptisch. Ist das Problem tatsächlich vom Tisch? „Schön wär’s“, sagt er. „Wir müssen aber erst mal abwarten.“ Er komme jeden Abend am Spielplatz vorbei und sehe immer noch Jugendliche auf den Bänken sitzen und Bier trinken. „Aber das an sich ist ja nicht verboten“, sagt er. „Es hat auch niemand etwas dagegen, solange sie sich ruhig und friedlich verhalten und keinen Müll hinterlassen.“

An ein generelles Alkoholverbot an diesem oder anderen Orten in der Stadt denkt man im Rathaus bisher nicht. „Das wäre wirklich der letzte Schritt“, sagt Grebasch. Ein Alkoholverbot wäre wohl auch sehr schwer zu kontrollieren und durchzusetzen, ahnt er.