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Mittwoch, 08.08.2018

Herbst am Straßenrand

Vor allem junge Bäume leiden unter der langen Trockenheit. Die Straßenmeistereien kommen mit dem Gießen nicht hinterher.

Von Jana Ulbrich

Der Ahorn trägt bereits Herbstlaub. Besonders junge Straßenbäume wie hier an der B6 zwischen Kubschütz und Bautzen leiden unter der Trockenheit. Dabei hat jeder Baum hier schon 600 Liter Wasser zusätzlich bekommen.
Der Ahorn trägt bereits Herbstlaub. Besonders junge Straßenbäume wie hier an der B 6 zwischen Kubschütz und Bautzen leiden unter der Trockenheit. Dabei hat jeder Baum hier schon 600 Liter Wasser zusätzlich bekommen.

© Steffen Unger

Bautzen. Das sieht wirklich nicht gut aus: Der junge Ahorn trägt schon Anfang August spätherbstliches Goldgelb. Die Esche daneben hat bereits alle Blätter verloren. Auch die Linde ein paar Meter weiter wird den Sommer wohl nicht überleben. Vor allem die jungen Straßenbäume leiden schwer unter der langen Trockenheit.

„So problematisch wie dieses Jahr war die Situation noch nie“, sagt Sarah Günther vom Landratsamt, dessen Straßenmeistereien sich um die Bäume an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im Landkreis kümmern – immerhin um rund 55 000 Linden, Eichen, Eschen, Ahorn-, Apfel-, Birnen- und Kirschbäume. Die müssten jetzt eigentlich alle regelmäßig und vor allem reichlich gewässert werden. Denn der Boden ist inzwischen bis in anderthalb Meter Tiefe ausgetrocknet. Die Wurzeln vieler Straßenbäume reichen längst nicht bis an tiefere Schichten heran, die jetzt noch Feuchtigkeit tragen.

Aber mit dem Wässern kommen die Straßenmeistereien nicht hinterher. Obwohl schon jeden Tag mehrere Tankfahrzeuge im Einsatz sind und tausende Liter Wasser vergießen. „Wir unternehmen wirklich alles in unserer Macht Stehende, um die Bäume zu retten“, sagt Sarah Günther. Aber in vielen Fällen wird das wohl nicht mehr gelingen. „Zum derzeitigen Zeitpunkt können wir das ganze Ausmaß der Schäden noch nicht abschätzen“, sagt sie. Welche Bäume die Trockenheit tatsächlich überleben, wird sich spätestens im nächsten Frühjahr zeigen.

Weil es unmöglich ist, alle Bäume ausreichend zu wässern, konzentrieren sich die Mitarbeiter der Straßenmeistereien vor allem auf die Neuanpflanzungen aus den vergangenen fünf Jahren. Die jungen Bäume brauchen das Wasser an dringendsten. Die älteren müssen es auch so schaffen. Wenn nicht, ist das nicht zu ändern.

Es werden wohl zahlreiche Straßenbäume gefällt werden müssen, ahnt man in den Straßenmeistereien. Auch von den Neuanpflanzungen. Nach Schätzungen der Mitarbeiter wird jeder zweite Baum, den sie im vergangenen Herbst in die Erde gebracht haben, nicht überleben.

Dabei gießen sie nicht erst seit den vergangenen Monaten, sondern bereits schon das ganze Frühjahr hindurch. Weil auch der Winter schon so trocken war, dass die Wurzeln der Straßenbäume an kein Wasser in den Böden mehr herankamen.