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Freitag, 27.07.2018

Heidenau sucht neuen Trainer

Der SSV steht plötzlich ohne Handball-Coach da. Bis zum Derby zum Saisonstart beim HC Sachsen will der Klub die Personalie klären.

Von Stephan Klingbeil

Nach dem Abstieg aus der Sachsenliga in der Vorsaison wollen sich die Handballfrauen des SSV Heidenau nun erst einmal in der Verbandsliga etablieren. Doch Trainer Frank Lessau (rechts) muss für dieses Vorhaben passen.
Nach dem Abstieg aus der Sachsenliga in der Vorsaison wollen sich die Handballfrauen des SSV Heidenau nun erst einmal in der Verbandsliga etablieren. Doch Trainer Frank Lessau (rechts) muss für dieses Vorhaben passen.

© Marko Förster

Heidenau. Die neue Handballsaison in der Frauen-Verbandsliga Ost startet mit einem echten Derby-Knaller. Der SSV Heidenau tritt zum Auftakt am 2. September zum Duell zweier Sachsenliga-Absteiger beim HC Sachsen Neustadt-Sebnitz an. Die Gastgeberinnen, die gerade den siebten Platz beim hochkarätig besetzten Vorbereitungsturnier „Megawoodstock“ in Aschersleben belegen konnten, können weiterhin auf Bernd Berthold als ihren Cheftrainer vertrauen. Dagegen ist momentan völlig offen, wer Heidenau beim ersten Ligastart im Neustädter Sportforum betreuen wird.

Eigentlich wollte Frank Lessau die Erste Frauenmannschaft des SSV offiziell ab der neuen Saison trainieren. Jedoch hat der erfahrene Coach dem Verein kürzlich schweren Herzens eine Absage erteilt. Aus privaten Gründen, so heißt es vonseiten der Heidenauer, müsse er nun passen.

Bereits vor zwei Jahren hatte Lessau den SSV-Handballerinnen gemeinsam mit Bernd Heinze trainiert und saß auch schon im letzten Heimspiel der vorigen Saison in der Sachsenliga gegen die Chemnitzer Reserve auf der SSV-Trainerbank. Nach dem Abstieg sollte er das Team wieder auf Kurs bringen, das auf eine schnelle Rückkehr in die höchste Spielklasse des Freistaats hofft. Dort hatten sich die Heidenauerinnen sieben Jahre infolge behaupten können.

Einen Plan B gibt es derzeit nicht


Nun kommt es anders. „Wir suchen einen neuen Trainer“, bestätigt Handballabteilungsleiter Ricco Schmenkel. „Die Suche nach guten Trainern gestaltet sich schwierig, das ist nicht nur hier so. Auch aus Dresdner Vereinen hört man Ähnliches.“ Einen Plan B gebe es derzeit nicht. Und eine klubinterne Lösung sei zum jetzigen Zeitpunkt gar kein Thema. Heinze wolle als Co-Trainer bei Heidenau weitermachen. Der Dohnaer ist in seiner Funktion als Staffelleiter der Sachsenliga und in seinem Job als Lehrer stark eingespannt, will kürzer treten. Lutz Müller und dessen Vater und Vereinschef Frank Müller betreuen unterdessen schon erfolgreich einige Nachwuchsteams. Und Trainer Jürgen Ziesenis sowie Mannschaftsleiter Michael Göbel von Heidenaus Reserve, die in der Vorsaison Vize-Meister der Bezirksliga wurde, haben aus beruflichen Gründen kaum mehr Zeit, um auch noch die Erste zu betreuen.

Schmenkel selbst winkt ebenfalls ab. Berufsbedingt sei die Zeit zu knapp. Er arbeitet im Außendienst, ist viel unterwegs. „Wenn ich das mache, will ich es auch ordentlich und gewissenhaft machen“, erklärt er. Schmenkel war bereits bis 2014 Cheftrainer, ehe der damalige Nachwuchscoach Heinze den Posten übernahm.

Während der SSV nun händeringend einen neuen Übungsleiter für die Verbandsliga-Auswahl sucht, beginnt kommende Woche offiziell die Vorbereitung auf die neue Saison. Nachdem sich die Heidenauerinnen in der Spielpause zunächst individuell fit gehalten hatten, trainieren sie bereits seit Sommerferienbeginn im heimischen Albert-Schwarz-Bad. Kraft- und Aufbautraining und Übungseinheiten im Sand sind dort zwei bis dreimal pro Woche angesagt.

Tschöcke übernimmt Betreuung


Übergangsweise hat nun Heidenaus langjährige Leistungsträgerin Janine Tschöcke die Betreuung der SSV-Frauen übernommen. Die 27-jährige Ex-Rückraumspielerin war vor einigen Monaten nach Hessen gezogen, ist nun schwanger und begleitet das trainerlose Team. „Wir sind froh, dass der Verein sie dafür gewinnen konnte“, so Rückraumspielerin Sandra Schmidt. „Eine Dauerlösung ist das allerdings nicht.“

Auch sie hofft darauf, dass der SSV bald einen neuen Coach präsentiert. Bereits Anfang August reisen die Heidenauerinnen zu einem Vorbereitungsturnier nach Sachsen-Anhalt, dann soll noch ein Test gegen die Sportfreunde 01 Dresden anstehen. Und, ehe Heidenau Ende August zum Landespokal-Auftakt Sachsenligist USV TU Dresden empfängt, bestreitet der SSV noch ein weiteres Vorbereitungsturnier in Schkeuditz.

Der neue Trainer soll dann hoffentlich feststehen. Die Ziele der Heidenauer sind nach dem Abstieg in der Vorsaison bescheiden. „Wichtig ist es erst einmal, in der Verbandsliga anzukommen“, sagt Schmenkel. „Als Absteiger bist Du immer der Gejagte, die sofortige Rückkehr in die Sachsenliga ist von uns daher zunächst kein Thema. Wenn sich im Laufe der Saison aber die Chance ergibt, dann sicher schon. Aber der Aufstieg ist noch kein Muss für uns.“ Mit den beiden erst nachträglich aus der Sachsenliga abgestiegenen Teams Bischofswerda sowie HC Sachsen hat sich das Niveau dieser sechsten Liga ebenfalls erhöht.

Unter einem neuen Coach werden die Karten neu gemischt. „Jede Spielerin hat dann die Chance, sich zu empfehlen“, sagt Schmenkel. Neuzugänge sind aktuell nicht in Sicht. Im Großen und Ganzen bleibt das Team zusammen. Aber mit Tschöcke, Miriam Kasischke und Rückraum-Ass Susann Heidecke werden dem SSV verlässliche Stützen fehlen. Heidecke ist nach Leipzig gezogene Studentin und spielt künftig dort bei MHV-Oberliga-Aufsteiger Rückmarsdorf. Trotz der Abgänge ist Sandra Schmidt aber positiv gestimmt: „Unsere Mannschaft ist voll motiviert, im Training gut drauf. Ich bin optimistisch“ Nun fehlt eigentlich nur noch ein neuer Trainer.