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Donnerstag, 23.12.2010

Heftig scherbelt’s aus den Bergen

Die Südtiroler Band Frei.Wild lockt Tausende zum lautesten Weihnachtskonzert Sachsens in die Dresdner Messe.

Von Andy Dallmann

Nicht nur Star-Alpinist Reinhold Messner wurde im 20000-Einwohner-Städtchen Brixen und damit im Schatten der Plosestockgipfel mit der längsten Ski-Abfahrt Südtirols geboren. Hier kloppten 2001 ein Zimmermann, ein Gärtner, ein Autoschlosser und ein Angestellter nach Feierabend ihre ersten gemeinsamen Akkordfolgen und traten eine kleine Lawine los. Denn die unter eher bescheidenen Bedingungen gestartete Combo Frei.Wild gehört aktuell zu den größten Abräumern der deutschsprachigen Rockszene. Für ihr Weihnachtskonzert in Dresden musste die Band zweimal den Saal wechseln, weil die Nachfrage alle Erwartungen der Veranstalter sprengte.

Ein paar Tausend Fans kommen nun in die Messe und Frontmann Philipp Burger (Jahrgang 1981) fasst seine Freude darüber zunächst in einem knappen Satz zusammen. „Der Osten rockt nun mal.“ Doch er ergänzt sofort: „Dresden ist so weit weg von uns, da macht uns derartig großer Zuspruch schon sehr, sehr glücklich.“

Weder er noch seine Bandkollegen hätten vergessen, dass ausgerechnet in Sachsen alles richtig ins Rollen kam. „Hier haben wir vor knapp zehn Jahren unsere ersten beiden Konzerte gespielt“, sagt Burger. „Das war irgendwo bei Leipzig – klitzekleiner Saal, großartige Stimmung.“ Während Frei.Wild inzwischen hierzulande die größten Hallen füllen, sind die hemdsärmligen Rocker in Italien nahezu unbekannt. Was für Burger eher folgerichtig, als irgdenwann zu ändern ist. „Wir haben nie Wert darauf gelegt, Italiener zu sein. Das hat uns die Geschichte eingebrockt. Und als deutschsprachige Südtiroler machen wir eben auch deutschsprachige Musik für deutschsprachige Fans.“ Folglich gab die Band auch noch nie ein Konzert in einem italienischen Ort jenseits Südtirols. „Das ginge höchstens, wenn wir auf englische Texte umsteigen würden, dann würde man uns vielleicht dort hören wollen“, so Burger. „Doch dafür können wir die Sprache einfach nicht gut genug.“

Zwar habe er generell Bock, überall auf der Welt zu spielen, doch weder stilistische Brüche, Experimente oder kostspielige Werbekampagnen im Vorfeld kämen infrage. Burger: „Wir haben halt keine große Plattenfirma im Rücken, sondern machen alles selbst. Das setzt uns Grenzen, doch dafür sind wir immer noch unsere eigenen Herren. Das ist wichtiger als ein eventuell größerer kommerzieller Erfolg.“

Ohnehin hätten die vier, die erst vor zwei Jahren mit der Eröffnung eines eigenen Tonstudios ihre alten Brotjobs aufgaben, schon genug zu tun. „Unser Studio, in dem wir auch viel für andere Bands arbeiten, ist jetzt zu 80 Prozent ausgelastet“, sagt Philipp Burger. „Und Konzerte wollen wir auch immer wieder geben.“ Logisch, bei dieser Nachfrage. Diese ergibt sich für Burger aber weder aus dem Südtirol-Exotenbonus noch daraus, dass Frei.Wild mit ihrem deftigen Rock eine nach dem Ende der Böhsen Onkelz entstandene Marktlücke füllen. „Wir sind schlicht, ehrlich, geradeheraus und immer für eine geile Party gut – das kommt an.“ Da lässt es ihn auch völlig kalt, wenn Kritiker seine Band als Mainstream abstempeln. „In keine Richtung lassen wir uns von anderen lenken, weder musikalisch noch politisch“, beteuert er. „Doch eigentlich ist es auch nicht schlimm, als Mainstream zu gelten. Der wird immer nur von den Leuten schlecht geredet, die selbst gern Mainstream wären.“

Seine Band bleibe jedenfalls bei dem, was sie könne. „Schon weil wir nicht die besten Musiker sind und mit unseren Drei-, Vier-Akkorde-Songs eigentlich alles für uns Wichtige ausdrücken.“ Doch immerhin kündigt Burger für nächstes Jahr neben einer DVD auch ein Unplugged-Album an, Tour inklusive. Doch jetzt freut er sich erst einmal auf die Show in Dresden, auf „eine schicke Bühne und zwei Stunden Vollgas“. Und er garantiert: „Es wird ein Abend, an dem die Fans mal alles richtig rausschreien können.“

Frei.Wild, Vorbands: Raven Henley und Serum 11426. Dezember, 20 Uhr, Messe, DresdenTickets24,30 EuroHotline0351 48642002