erweiterte Suche
Donnerstag, 04.01.2018

Hauptstraßen-Händler spüren Brücken-Sanierung

Auf der Meile am Goldenen Reiter sind fast alle Ladenzeilen belegt. Ein Sorgenkind bleibt aber vorerst.

Von Sarah Herrmann

2

Auf der Hauptstraße gibt es einige Neueröffnungen, aber ein Geschäft steht nach wie vor leer.
Auf der Hauptstraße gibt es einige Neueröffnungen, aber ein Geschäft steht nach wie vor leer.

© Rene Meinig

Als Genießerboulevard bezeichnet der Verein Hauptsache Hauptstraße die Einkaufsmeile am Goldenen Reiter. In diesem Jahr wird der Gewerbe- und Kulturverein 25. Grund genug, Bilanz zu ziehen und über Probleme und Pläne zu sprechen.

Die Bilanz: Mode- und Dekofiliale sowie englischer Schuhhersteller eröffnet

Eine Tür hat sich geschlossen, zwei wieder geöffnet – so könnte man die Jahresbilanz zum Handel auf der Hauptstraße kurz und knapp formulieren. Mit der Insolvenz der Traditionskette Strauss Innovation verlor die Meile am Goldenen Reiter ein Geschäft, und prompt verbreiteten sich Gerüchte um ein Ladensterben. Die bewahrheiteten sich allerdings nicht. Zumindest musste in diesem Jahr kein weiteres Geschäft schließen. Stattdessen gab es doppelten Zuwachs. Die einstige Strauss-Filiale wurde bereits kurze Zeit später wieder bezogen.

Die Kette Elanza hat ein ähnliches Konzept wie der Vorgänger. Auch dort werde Kleidung und Dekoartikel angeboten. „ Zu dem Standort sind wir gekommen, weil wir gute Kontakte zu dem bisherigen Mieter Strauss Innovation hatten und aufgrund der Insolvenz dieser Firma der Standort zur Verfügung stand“, sagt Verkaufsleiter Oliver Strohschneider. Bisher sei er mit der Entwicklung dort zufrieden.

Auch die zweite Neueröffnung wurde im April dieses Jahres gefeiert. In die Räume auf der Hauptstraße 14 ist der englische Schuhhersteller Vivobarefoot eingezogen. Die Besonderheit: Die Schuhe, die dort verkauft werden, haben eine patentierte ultradünne Sohle. Wer die Treter trägt, soll das Gefühl haben, barfuß zu sein. Dennoch sind die Sohlen durchstoßfest und bieten somit Schutz. Bereits Anfang der 2000er-Jahre werden die patentierten Schuhe online verkauft. Seit 2012 gibt es einzelne Geschäfte in Deutschland, seit diesem Jahr auch in Dresden auf der Hauptstraße.

Die Probleme: Marktplatz steht lange leer, Touristen zieht es in die Altstadt

Ein Sorgenkind gibt es auf der Hauptstraße allerdings. So steht die Marktplatz genannte Fläche an der Ecke zur Ritterstraße seit vergangenem Jahr leer. Der Vermieter Vonovia hatte „ein ganz neues Konzept“ angekündigt, hüllt sich seitdem aber in Schweigen. „Leider gibt es derzeit noch keinen neuen kommunikablen Stand“, antwortet Sprecherin Bettina Benner auf SZ-Anfrage.

René Arndt, Vorsitzender des Gewerbevereins, kann sich eine hochwertige Schnellgastronomie darin vorstellen. Aber auch ein Sportgeschäft oder ein Herrenausstatter seien denkbar. Das fehle der Straße noch. Woran es mitunter auch fehlt, seien Touristen. Die großen Reisebusse würden vor allem die Sehenswürdigkeiten in der Altstadt anfahren.

Allerdings räumt Arndt auch ein, dass das Barockviertel zum Abstellen der großen Gefährte wenig attraktiv ist. „Man könnte den Palaisplatz entsprechend umbauen“, ist einer seiner Vorschläge. „Ohnehin müsste man über eine Verbesserung der Parksituation nachdenken.“ Prinzipiell ist der Vereinsvorsitzende aber zufrieden, was die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung anbelangt – vor allem, als es um die Sanierung der Augustusbrücke ging. „Die ist für uns Händler deutlich spürbar, insbesondere für diejenigen, die auf Touristen angewiesen sind“, sagt Arndt. Kurzentschlossen habe man daher gemeinsam mit dem Ortsamt Werbung auf der Altstädter Seite aufgestellt, um auf die Geschäfte im Barockviertel hinzuweisen.

„Inwieweit sich die aktuellen Baumaßnahmen an der Augustusbrücke nicht nur für den Handel, sondern auch für die Gastronomie in diesem Quartier negativ niederschlagen, muss man aufmerksam beobachten“, sagt Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. „So oder so besteht die größte Herausforderung ohne Zweifel darin, Kunden über die imaginäre Grenze der Elbe zu locken. Das wird vermutlich nie leicht sein, da die meisten Highlights, für die das Tourismusziel Dresden steht, sich in der Altstadt befinden.“

Die Pläne: Neustädter Markt wird umgestaltet, Verein feiert Jubiläum

Doch Arndt sieht die Sanierung der Augustusbrücke durchaus positiv. Zwar müsse man derzeit Einschränkungen in Kauf nehmen. Nach dem Bau gebe es dafür aber eine schöne Schneise ins Barockviertel. Deswegen sehen die meisten Händler auch dem Umbau des Neustädter Marktes positiv entgegen. Sie bedeute eine Aufwertung des Platzes und somit auch der Einkaufsmeile. Wann losgebaut wird, ist allerdings noch offen. Vermutlich wird es in diesem Jahr noch nicht so weit sein.

2018 steht für den Verein allerdings der 25. Geburtstag an. „Wir überlegen gerade, wie und wann wir feiern“, sagt Arndt. Aufgabe sei grundsätzlich auch, wieder mehr Kunden in die Läden zu locken. Erreichen will der Verein das vor allem durch eine intensivere Bespielung der sozialen Medien. Außerdem wurde die Internetseite bereits überarbeitet. Dort kann nun ein virtueller Spaziergang über die Hauptstraße gemacht werden.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Emeler

    Deko - und Schuhgeschäfte fehlen wirklich in Dresden.

  2. Drittetreppelinks

    Palaisplatz zum Busparkplatz? Der Palaisplatz wird jetzt schon - gemessen an seiner Bedeutung - unter Wert verkauft (und leidet unter einer unseligen Verkehrsschneise). Hoffentlich folgt niemand Herrn Arndt, diesen originalen Barockplatz zum "Hinterhof" der Hauptstraße und Umschlagplatz für seine im Interesse der Umsatzmaximierung ersehnten Touristenmassen zu degradieren.

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.