erweiterte Suche
Dienstag, 17.10.2017

Hat Weißwasser ein Drogenproblem?

Eine Kleine Anfrage von Sebastian Wippel (AfD) im Landtag irritiert. Aber nur auf den ersten Blick.

Symbolbild.
Symbolbild.

© Frank Leonhardt/dpa

Weißwasser. Mit einer Kleinen Anfrage (Drs. 6/10787) erkundigte sich der AfD-Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel kürzlich nach der Situation bei Betäubungsmittelverstößen im Landkreis Görlitz. Nun liegt das Ergebnis vor: In den Gemeinden im Kreis blieben die festgestellten Drogendelikte in den letzten drei Jahren weitgehend auf demselben Niveau. Zu den Ergebnissen erklärt Wippel: „Wir sollten daraus zunächst den Schluss ziehen, dass wir im Kampf gegen Crystal, Cannabis und anderes Teufelszeug niemals nachlassen dürfen“.

Tatsächlich sind die Zahlen nicht überall gleichgeblieben. Auffällig ist die Entwicklung laut Wippel in Weißwasser. 2015 wurden hier 52 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt. 2016 waren es 36, allein im ersten Halbjahr 2017 schon 47. „Setzt sich diese Entwicklung so fort, dürften sich die registrierten Drogendelikte in Weißwasser in diesem Jahr mehr als verdoppeln“. Welche Ursache das hat, sollte schnell geklärt werden, fordert Wippel. „Ich bitte die Kollegen aus Weißwasser um öffentliche Aufklärung.“ Hat Weißwasser etwa ein stark ansteigendes Drogenproblem? Oder hat die Polizei einfach nur aufgrund besserer Schulungen mehr Straftaten entdeckt oder häufiger kontrolliert?

Von der Polizeidirektion Görlitz war auf diese Fragen kurzfristig keine Antwort zu bekommen. Für Experten sind die vorgelegten Zahlen stark interpretationsbedürftig. Zwar tauchte Weißwasser beim Chrystalkonsum 2015 unter den Top Ten im Landkreis auf. Für die Leiterin der Suchtberatungsstelle Weißwasser, Kerstin Schönwald, ist dennoch wahrscheinlich, dass die Ursache für die offenbar steigenden Zahlen in den effizienteren Kontrollen und Nachweismöglichkeiten der Polizei zu suchen ist. Die Erfahrungen in der Beratungsstelle spiegeln die vorgelegten Zahlen jedenfalls nicht. (SZ/sdt)