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Mittwoch, 06.06.2018

Harte Lektion für die deutschen Bischöfe

Die deutschen Bischöfe hatten sich alles so schön vorgestellt – sie wollten regeln, wann Protestanten zur Kommunion gehen dürfen. Doch das letzte Wort hat mal wieder der Papst.

Von Christoph Driessen

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Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (li.), und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki liegen beim Thema Teilnahme an der Kommunion über Kreuz.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (li.), und der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki liegen beim Thema Teilnahme an der Kommunion über Kreuz.

© dpa/Oliver Berg

Bonn. Der Vatikan ist, staatsrechtlich gesehen, eine absolute Monarchie. In geistlichen Fragen gilt das Papstprimat. Wer das vergessen haben sollte, wurde am Montag daran erinnert: Da ließ Franziskus über den Präfekten der Glaubenskongregation wissen, dass er nunmehr den Kommunionsstreit der deutschen Bischöfe entschieden habe – und zwar zugunsten einer kleinen konservativen Minderheit.

Der Vorsitzende der in Bonn ansässigen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, verbreitete daraufhin eine Erklärung, aus der seine Frustration deutlich herauszulesen ist: Bei seinem Gespräch im Vatikan Anfang Mai sei doch vereinbart worden, dass sich die Deutschen untereinander einigen sollten. Er sei deshalb „überrascht, dass (...) jetzt dieses Schreiben aus Rom eingegangen ist“.

Der Punkt, um den es inhaltlich geht, ist die Frage, ob protestantische Ehepartner von Katholiken in der Messe zur Kommunion gehen dürfen. Derzeitiger Stand: Offiziell geht es nicht, in der Praxis aber schon. So wird in der katholischen Kirche schon seit Jahrhunderten vieles gehandhabt. Die Devise lautet ungefähr: „Macht ruhig – aber nur nicht an die große Glocke hängen!“ Das hat manchen Vorteil, aber auf der anderen Seite muss sich die Kirche dafür oft den Vorwurf der Doppelmoral und Scheinheiligkeit gefallen lassen.

Die „gründlichen“ Deutschen haben mit solchen Grauzonen oft ein Problem: Sie sehen die Dinge gern prinzipiell geregelt, damit man weiß, woran man ist. Deshalb hatten sie ein Papier erarbeitet, das genau festlegen sollte, unter welchen Umständen Protestanten an der Kommunion teilnehmen dürfen. Nur sieben Bischöfe waren dagegen – aber sie fanden sich nicht damit ab, dass sie von mehr als drei Vierteln der Bischofskonferenz überstimmt worden waren. Schließlich ist die Kirche keine Demokratie. Stattdessen wandten sie sich unter Federführung des Kölner Kardinals Rainer Woelki an den Vatikan. Franziskus hat ihnen nun recht gegeben – das Papier darf nicht veröffentlicht werden. Es bleibt also alles, wie es ist. „Die Botschaft des Papstes ist im Grunde: Lasst viel zu – aber fragt mich nicht! Denn dann müssen wir es offiziell machen“, erläutert der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller.

Mit Anpassungen ihrer offiziellen Lehre ist die katholische Kirche seit jeher sehr vorsichtig. „In der Kirche ist das Beharrungsvermögen ein sehr starker Faktor“, hat Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., einmal geschrieben. Allerdings wächst auch im Vatikan der Ärger darüber, dass Franziskus oft Erwartungen weckt, Ankündigungen macht - aber dann keine Taten folgen lässt.

Auf der anderen Seite muss man auch anerkennen, dass der Papst einen schwierigen Balanceakt vollführt. Dazu schreibt das katholische Nachrichtenportal „The Tablet“: „Franziskus ist bereits scharf dafür angegriffen worden, wiederverheiratete Geschiedene in einigen Fällen zur Kommunion zuzulassen. Der Plan, Protestanten zur Kommunion zuzulassen, stößt in vielen Machtzentren des Vatikans auf großen Widerstand.“ Außerdem befürchte der Papst eine „Spaltung der deutschen Kirche“ – Traditionalisten könnten sich abwenden.

Unter den deutschen Bischöfen dürfte nun so etwas wie Katerstimmung herrschen. Für die Bischöfe ist die Entscheidung eine Zurechtweisung, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Talbewohner

    Ich finde im Artikel wird der angebliche Inhalt der Aussage: Die Bischofskonferenz kann soetwas nicht für alle Bistümer entscheiden. Es gibt 2 Möglichkeiten, entweder es entscheidet jeder Bischof für sein Bistum(weitergedacht jeder Pfarrer für seine Pfarrei, ... jeder Kommunionhelfer für die die vor ihm stehen .... => ein Zustand mit dem ich gut leben kann und der sich mit anderen Entscheidungen des akt. Papstes deckt) oder es regelt Rom Zentral und es gibt irgendwo mächtigen Ärger. Die Alternative wäre, das ein Bischof einem anderen Bischof vorschreiben kann wir er das zu handhaben hat. Das das in solchen Fragen nicht funktionieren kann ist eigentlich klar. Eine ganz andere Frage ist, dass die bayrischen Bischöfe um Wölki in dieser Frage völlig am Sinn der Kirche vorbei handeln. Man wird sehen ob und wie sie von oben eingefangen werden.

  2. Etwin Stange

    Jetzt weiß ich, dass der Glaube an Gott ein Irrtum ist. Nächstenliebe und Vergebung, ist an Verlogenheit nicht zu überbieten. Kriege und Unzufriedenheit ist ein Resultat der Religionen, der Glaube an Gott und Allah.

  3. Der echte jk

    Woelki ist der dümmste Pausenclown, der jemals in Kirchendiensten wandelte. Allein die Physiognomie ist bedauerlich. Nicht nur gegen die Kommunion von Protestanten hatte Woelki etwas, sondern auch gegen das gemeinsame Abendmahl beider Kirchen. Sieben frustierte Möchtegern-Herrscher stimmen gegen die gesamte deutsche Bischofskonferenz und kommen damit offensichtlich durch! Klar, wenn man immer im Dunkeln nur heimlich die Chorknaben durchnudeln darf, wird man irgendwann zum Diktator. "Außerdem befürchte der Papst eine „Spaltung der deutschen Kirche“ – Traditionalisten könnten sich abwenden." Ach nee - dann gehen eben die Fortschrittlichen und das dürfte die Mehrzahl sein. Wenn ich schon diese Clowns in ihren Faschingskostümen sehe, welche sich vor lauter Islam-Hörigkeit die Kreuze im Nahen Osten abnehmen lassen - widerliche Pfaffenbrut.

  4. WRueger

    Seit dem Bestehen des Protestantismus wird dieser von der kath. Kirche mit ALLEN Mitteln bekämpft - früher auch mit Gewalt, Zwangskonvertierung, Verbrennung als Ketzer bis hin zu Massenmorden (Bartholomäus-Nacht) - und heute mit solch primitiven Methoden. Diese Scheinheiligkeit braucht kein Mensch.

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