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Freitag, 12.10.2018

Handgemachtes kostet mehr

Die Preissteigerung von Backwaren hat viele Gründe. Mancher Kunde reagiert gereizt.

Von Cathrin Reichelt

Corina Siano (links) und Franka Weber von der Bäckerei Wentzlaff in Sornzig verkaufen gern Brot und Brötchen. Auch sie müssen oft die Frage beantworten, warum ein Teil der Produkte teurer geworden ist.
Corina Siano (links) und Franka Weber von der Bäckerei Wentzlaff in Sornzig verkaufen gern Brot und Brötchen. Auch sie müssen oft die Frage beantworten, warum ein Teil der Produkte teurer geworden ist.

© Dietmar Thomas

Region Döbeln. Den Einkauf beim Bäcker um die Ecke wird teurer. Manche Kunden haben das schon zu spüren bekommen. Der DA hat bei den Bäckern der Region nachgefragt.

Warum kosten Brot und Brötchen künftig mehr Geld?

Ob die Preise angehoben werden, muss jeder Betrieb für sich selbst entscheiden, meint Mathias Möbius von der gleichnamigen Bäckerei aus Oederan. „Aktuell sehen sich allerdings die meisten Bäckereien mit steigenden Kosten konfrontiert, die nicht mehr durch Effektivitätsverbesserungen aufgefangen werden können.“ Deshalb bleibe vielfach nur die Anpassung der Verkaufspreise, um weiterhin alle Kosten decken zu können. Peter Wentzlaff vom Sornziger Backhaus hat aus diesem Grund begonnen, die Preise minimal anzuheben.

Noch nicht ganz klar dagegen ist die Entwicklung bei Erntebrot in Döbeln. „Wir stecken zurzeit in Verhandlungen mit den Lieferanten“, sagt Geschäftsführerin Elke Lehmann. Sie rechnet zwar mit einer Preissteigerung bei Mehl, die sich aber ihrer Ansicht nach nicht deutlich auf den Preis bei Brot und Brötchen auswirken werde.
Für viele Rohstoffe haben sich die Kosten erhöht. Alle drei Bäcker müssen mit gestiegenen Mehlpreisen zurechtkommen. Peter Wentzlaff spricht auch von einem mit 30  bis 40 Prozent gravierend gestiegenen Butterpreis.

„Durch die Ernteausfälle ist das Futter knapper und mancher Landwirtschaftsbetrieb hat Tiere abgeschafft. Dadurch gerät der Milchmarkt unter Druck“, so Wentzlaff. Bei Engpässen werde die Butter von den Großhändlern sogar zugeteilt, damit jeder Kunde bedient werde. Der Bäcker, der auch der Vertreter der Handwerkskammer für ganz Nordsachsen ist, vergleicht das Vorgehen teilweise mit DDR-Verhältnissen. Hinzu kommen steigende Dieselpreise. „Die Ausweitung der Lkw-Maut auf Bundesstraßen kostet uns seit Juli monatlich etwa 1000 Euro zusätzlich“, so Mathias Möbius. Außerdem sei die Erhöhung der Energie- und Ölpreise angekündigt.

Welcher Kostenfaktor wirkt sich am meisten aus?

Der wichtigste und größte Kostenfaktor in den Handwerksbäckereien aber seien die Personalkosten. „Wir geben heute von jedem eingenommenen Euro etwa 50 Cent für unser Personal aus. Unsere Bäcker, Konditoren, Kraftfahrer, Verkäuferinnen und alle anderen Mitarbeiter sind an 362 Tagen im Jahr im Einsatz, um Kundenwünsche zu erfüllen. Und zwar in der Nacht, früh am Morgen, tagsüber und noch spät am Abend, montags bis sonntags. Wir finden, das ist eine tolle Leistung und deshalb haben unsere Mitarbeiter Lohnsteigerungen genauso verdient wie andere Branchen“, erklärt Möbius.

Das bestätigt Wentzlaff und macht auch die aktuelle Politik mitverantwortlich: „Mit den Lohnerhöhungen kann jeder leben. Wir wollen unsere Mitarbeiter ja auch halten. Was uns unter Druck setzt, sind die Abgaben und neuen Vorschriften bei baulichen Veränderungen und der Technik, die teilweise bis zu 300 Prozent zu Buche schlagen.“

Muss auch mit Preissteigerungen bei anderen Produkte gerechnet werden?

Es bleibe kein Produkt verschont, sind sich Mathias Möbius und Peter Wentzlaff einig. Jeder Betrieb könne aber aus bestimmten Erwägungen heraus Produkte mehr und andere weniger oder einzelne auch gar nicht anheben. Grundprinzip bleibe immer: Alle Kosten müssen auf die verkauften Produkte verteilt und somit erwirtschaftet werden, so Mathias Möbius.

Elke Lehmann sieht jedoch noch einen ganz anderen Punkt, um Preiserhöhungen zu vermeiden oder so niedrig wie möglich zu halten: „Wir müssen die Retouren nach unten fahren.“

Ab wann müssen die Kunden mit höheren Preisen rechnen?

Ab wann und um wie viel die Preise erhöht werden, handhabt jeder Betrieb anders. „Wir haben bereits im September begonnen und werden die meisten unserer Produkte bis Ende Oktober anpassen“, erklärt Mathias Möbius. Auch in den Geschäften von Peter Wentzlaff stehen bereits Schilder mit neuen Preisen. Er wolle testen, wie sich diese auf das Kaufverhalten der Kunden auswirken und eventuell zum Jahresende eine weitere Anpassung vornehmen.

Wie viel werden einzelne Produkte künftig mehr kosten?

In der Bäckerei Möbius kostet ein Zwei-Pfund-Brot weiterhin 2,85 Euro. „Wir wollen damit unseren Kunden mit niedrigeren Einkommen die Chance geben, weiter bei uns einzukaufen“, so der Chef. Darüber hinaus bietet die Bäckerei eine Brotkarte, mit der es jedes elfte Brot gratis gibt und einen günstigen Guten-Abend-Preis für Brot und Brötchen ab einer Stunde vor Ladenschluss. „Das Doppelbrötchen wurde ab 10. Oktober von 56 auf 58 Cent erhöht, also um 3,5 Prozent. Das Stück Eierschecke kostet bereits seit Ende September 1,43 Euro. Vorher waren es 1,40 Euro. Ähnlich handhabt es Peter Wentzlaff. Den Preis bei Brötchen hat er bereits um zwei bis drei Cent erhöht, bei Spezialbrötchen um fünf Prozent. „Das ist schon die Schmerzgrenze. Wir müssen schauen, ob wir die Kosten damit gedeckelt bekommen.“ Brot werde voraussichtlich zum Jahresende teurer, wobei der Preis in Fünf- bis Zehn-Cent-Schritten angehoben werden soll.

Wie reagieren die Kunden auf die Preiserhöhung?

„Wir haben bereits böse Anrufe und Mails erhalten“, erklärt Peter Wentzlaff. Die Kunden hätten kein Verständnis, dass der Bäcker nach 18 Jahren die Preise erhöht. „Dieselben Kunden würden sich auch beschweren, wenn ihr Bäcker vor Ort schließen müsste, weil er ohne Preissteigerung das Unternehmen nicht wirtschaftlich weiterführen könne.

„Die Kunden müssen sich mehr bewusst machen, dass sie mit dem Kauf beim Bäcker den regionalen Kreislauf unterstützen“, so Wentzlaff. „Wir hoffen auf Verständnis“, sagt er. „Leider bleibt uns da keine Alternative. Wir wollen unseren Kunden langfristig hohe Qualität bieten und gleichzeitig unseren Mitarbeitern einen gesicherten, attraktiven Arbeitsplatz.“