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Donnerstag, 14.09.2017

Häftlinge entwickeln Stadt-Werbung

Zwei Insassen der JVA haben mit Ausbilder Ingo Ließke QR-Codes entwickelt. Die Kosten für die Umsetzung trägt eine Stiftung. Erste Ergebnisse gibt es schon.

Von Tina Soltysiak

Dank dieses QR-Codes erfahren Interessierte mehr über Goethes Aufenthalt in Waldheim.
Dank dieses QR-Codes erfahren Interessierte mehr über Goethes Aufenthalt in Waldheim.

Waldheim. Dass in der Stadt sogenannte QR-Codes angebracht werden, damit Touristen per Mobiltelefon mehr über Sehenswürdigkeiten erfahren können, hatte sich Ingo Ließke schon länger gewünscht. Die Vorteile und technischen Möglichkeiten hatte er dem Waldheimer Gewerbeverein kürzlich vorgestellt. Nun gibt es erste Ergebnisse – allerdings in Zusammenarbeit mit der François Maher Presley Stiftung für Kunst und Kultur und nach Absprache mit Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP).

Die Abkürzung QR steht für englisch „Quick Response“, was übersetzt so viel heißt wie „schnelle Antwort“. Der Nutzer benötigt dafür nur ein Smartphone mit Kamera sowie ein spezielles Programm, eine sogenannte Scan-App. Das Prinzip ist einfach und mit dem Scannen eines Strichcodes auf einem Artikel an der Supermarktkasse vergleichbar: Der Tourist öffnet die App, richtet die Kamera auf den QR-Code, diese liest ihn aus – und leitet den Gast beispielsweise auf eine Internetseite weiter. Anstelle des Preises werden dann eben Informationen angezeigt.

Finanzierung für 10 Jahre gesichert

Ließke ist Ausbilder in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldheim. In seiner Freizeit setzt er das Projekt gemeinsam mit zwei Strafgefangenen um. Fertig ist bereits ein QR-Code, der Interessierte mehr über Goethes Besuch in Waldheim erfahren lässt (siehe Abbildung).

In den kommenden Wochen und Monaten werden an verschiedenen Gebäuden und Objekten diese QR-Codes angebracht. „Die Menschen können mit dem eigenen Mobiltelefon den Code scannen und erfahren so über das Telefon mehr über das Gebäude, ein Denkmal oder die Geschichte der Stadt“, so François Maher Presley, der die Texte verfasst hat. Die Kosten für die technische Möglichkeit übernimmt für die kommenden zehn Jahre seine Stiftung. Bürgermeister Steffen Ernst sagte: „Der Tourismus gewinnt immer mehr an Bedeutung. Er bringt Besucher und Umsätze in die Stadt und sichert damit auch Arbeitsplätze. Zudem hat Waldheim ja auch viel Sehenswertes zu bieten.“

Infos über berühmte Besucher

Und so ist es: Ob es sich dabei um das herrschaftliche Jugendstil-Rathaus handelt, das Schaubergwerk, den Siegesturm oder bedeutende Waldheimer wie den Bildhauer Georg Kolbe und Lama Anagarika Govinda, oder aber auch bedeutende Besucher der Stadt wie Karl May, Napoleon und Goethe. „Waldheim hat viel Gesichter und Geschichten zu bieten“, sind sich Ernst und Presley einig.

Das Projekt sei nicht nur ein Gewinn für die Stadt und die Touristen, meint Stifter François Maher Presley: „Besonders freut es mich, dass wir Hilfe durch zwei Strafgefangene erhalten, die auf diesem Weg der Gesellschaft, in diesem Falle der Stadt Waldheim, etwas zurückgeben.“