erweiterte Suche
Samstag, 08.11.2008

Häftling erhängte sich

BAUTZEN - Depressionen, Schuldgefühle, Angst: Wie sicher ist das Leben hinter Gittern? Nachdem der mutmaßliche Kinderschänder Dieter K. (62) Donnerstagfrüh im Bautzner Knast nur knapp einen Selbstmordversuch überlebte, wurde bekannt: Erst vor drei Wochen erhängte sich im selben Gefängnis ein Vietnamese (40). Grund: Er sollte abgeschoben werden.

Mitte Oktober stürmten Polizisten ein Ausländerwohnheim in Großharthau. Die Beamten nahmen einen jungen Vietnamesen fest. Er hatte keine Aufenthaltsgenehmigung, sollte des Landes verwiesen werden. Bis zur Abschiebung sollte der Asiate in der Justizvollzugsanstalt Bautzen untergebracht werden - offenbar eine enorme Stresssituation für den verängstigten Mann.

Selbst die Gefängnisleitung hat Angst, der Vietnamese könne sich etwas antun. „Mit dem Abschiebegefangenen erfolgte deshalb eine sogenannte Suizidprophylaxe am Tage seiner Aufnahme. Er wurde vorsorglich gemeinschaftlich mit anderen Abschiebegefangenen untergebracht“, so Andreas Ueberbach, Sprecher von Justizminister Geert Mackenroth (CDU).

Doch nach dem Aufschluss ging der Vietnamese in die Toilette neben den Aufenthaltsräumen. Er wollte sterben „Der vietnamesische Abschiebegefangene hat sich dort stranguliert.“

Justizminister Mackenroth musste tags darauf dem Landtag Rapport erstatten. Sein Sprecher: „Er informierte den Verfassungs-, Rechts- und Europaausschuss über den Vorfall.“ Nicht zum ersten Mal: Neben etlichen Suizidversuchen gelang es 2008 bereits drei sächsischen Gefängnisinsassen (Dresden, Leipzig, Bautzen) sich das Leben zu nehmen. 2007 brachten sich in Sachsen sieben Häftlinge um. ml