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Donnerstag, 26.07.2018

„Haben für verletzten Kumpel gespielt“

Von Stephan Klingbeil

Kevin Burger (2. v. r.) ist für die Bocajuniors Bavaria Kreischa auch beim Beachsoccer am Ball. Foto: Dirk Zschiedrich
Kevin Burger (2. v. r.) ist für die Bocajuniors Bavaria Kreischa auch beim Beachsoccer am Ball. Foto: Dirk Zschiedrich

© Dirk Zschiedrich

Dieses Turnier werden die „Bocajuniors Bavaria Kreischa“ nicht vergessen. Die Freizeittruppe hatte sich nach 2017 erneut für das Bundesfinale der Fair Play Soccer Tour in Prora auf Rügen qualifiziert. Statt zweier Männerteams waren die Kreischaer dieses Wochenende mit einer Männer- und einer Frauenauswahl dabei. Mit Bronze beim Landesfinale und der besten Fair Play-Wertung waren beide Tickets für die Endrunde der bundesweiten Streetsoccer-Tour mit mehreren Tausend Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Kickern gebucht.

Wie im vorigen Jahr verpassten die Kreischaer sportlich zwar wieder die Play-off-Runde, dieses Mal ebenso wie eine Hartmannsdorfer Auswahl. Aber die Ergebnisse der Bocajunior-Trios bei den jeweils dreiminütigen Duellen lassen auf mehr hoffen. Teils verloren die Kreischaer nur knapp in ihren starken Vorrundengruppen, etwa die Männer gegen den späteren Meister Vollister United aus Bischofswerda/Löbau.

Und bedenkt man die Umstände, unter denen die Bocajuniors Bavaria bei der Finalrunde angetreten waren, kann man das Abschneiden der vor allem aus Mitarbeitern der Klinik Bavaria bestehenden Hobbytruppe eigentlich nicht hoch genug bewerten. Denn trotz eines nächtlichen Überfalls (SZ berichtete) gingen die Kreischaer am Morgen darauf beim Bundesfinale an den Start.

In der Nacht zum Sonnabend waren auf dem Zeltplatz, auf dem die Teams schliefen, Spieler und Fans der Bocajuniors von Vermummten attackiert worden. Die Angreifer gehörten laut Zeugen und Videobildern zu einem Rostocker Team, dessen Spieler vom Zeltplatz verwiesen und vom Turnier ausgeschlossen wurden. Die Angreifer hatten es wohl auf ein Dynamotrikot eines der Kreischaer abgesehen, der es am Abend zuvor nicht herausgeben wollte.

Bei dem Überfall erlitten vier der Sachsen Gesichtsverletzungen. Einer der Begleiter musste ins Krankenhaus, konnte aber am Sonntag wieder entlassen werden. Die Kreischaer zogen in der Nacht in eine Jugendherberge um und bekamen Schutz vom Sicherheitsdienst. „Geschlafen haben zumindest wir vom Männerteam nicht mehr. Aber wir wollten trotzdem am Turnier teilnehmen und für unseren Kumpel, der im Krankenhaus war, spielen“, so Kevin Burger, der die Truppe 2016 mit Unterstützung der Klinik Bavaria aufgebaut hatte.

Damals wollten der Torwart von Kreisliga-A-Aufsteiger TSV Kreischa und weitere Klinik-Mitarbeiter gemeinsam Fußball spielen und gründeten das Team. Dessen Namen habe jedoch nichts mit dem argentinischen Spitzenklub Boca Juniors zu tun.
„Nein, wir suchten einen Namen, der originell ist und passt“, erklärt der 29-Jährige. Erst kickten er und seine Kollegen in Dresden. Später durften sie die Turnhalle der Klinik nutzen. Zudem stellte die Reha-Einrichtung der auf 25 bis 30 Mitglieder angewachsenen Truppe, die dieses Jahr erstmals Kreismeister im Beachsoccer wurde, einen Bus zur Verfügung, mit dem sie auch zu mehreren Turnieren fahren. So wie jetzt nach Prora, zum „größten Event des Jahres“ für die Kreischaer, wie sie betonen.

Beide Mannschaften gehörten indes auch dort wieder zu den fairsten. Nur wegen Losentscheids – andere Teams hatten jeweils genauso viele Punkte gesammelt – hatten sie beim Bundesfinale den 1. Platz in der Fair Play-Wertung verpasst. Vielleicht klappt es ja 2019 mit dem Pokal in dieser Kategorie und obendrein mit dem Einzug in die K. o.-Runde. Egal, was dieses Jahr am Rande des Turniers passiert ist. „Wir wollen auf jeden Fall wieder her“, sagt Burger.