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Mittwoch, 09.11.2016

Gute Zeiten für den fiesen Kai

In Bautzen stand er als Don Karlos und Lügenbaron Münchhausen auf der Bühne, jetzt ist Schauspieler Jonas Lauenstein in der Kultserie GZSZ zu sehen.

Von Miriam Schönbach

Von der Bautzener Bühne kennt man ihn vielseitig: In der TV-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mimt Schauspieler Jonas Lauenstein (links) jetzt einen echten Fiesling. In dieser Szene gerät er mit Philip (Jörn Schlönvoigt) aneinander.
Von der Bautzener Bühne kennt man ihn vielseitig: In der TV-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mimt Schauspieler Jonas Lauenstein (links) jetzt einen echten Fiesling. In dieser Szene gerät er mit Philip (Jörn Schlönvoigt) aneinander.

© RTL

Bautzen. Die Drehtage liegen schon etwas zurück. Doch in der Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ läuft Jonas Lauenstein in dieser Woche noch einmal zu Höchstform auf. Als Fiesling Kai macht er Philip – gespielt von Jörn Schlönvoigt – das Leben schwer. Für den ehemaligen Schauspieler am Bautzener Theater war der Gastauftritt in Deutschlands Kultserie eine neue Herausforderung. „Derzeit laufen meine letzten Szenen. Aber die Geschichte meiner Figur ist noch nicht zu Ende erzählt“, sagt der 29-Jährige.

Der Anruf, bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) mitzumachen, kam im August. „Ich habe die Serie schon als Teenager gesehen. Da überlegt man nicht lange bei einem solchen Angebot“, sagt der Berliner. An der Produktion fasziniert ihn die Langlebigkeit mit immer wieder neuen Fans. Deutschlands älteste Daily Soap lief zum ersten Mal am 11. Mai 1992 auf dem Privatsender RTL – zunächst mit mageren Quoten. Heute schalten durchschnittlich vier Millionen Zuschauer ein, wenn um 19.40 Uhr mit der Titelmelodie „Ich seh‘ in dein Herz, sehe gute Zeiten, schlechte Zeiten ...“ eine neue Folge beginnt.

Jonas Lauenstein betrat so Anfang Oktober zum ersten Mal die Bildfläche. „Ich hatte Herzrasen beim Zuschauen. Ich wusste ja, ich habe noch nicht viel Erfahrung mit Fernsehen“, sagt er. Die Vorstellung, dass ihm nun ganz viele bei seinen ersten Schritten im TV zuschauen, ließ die Aufregung noch schlimmer werden. Bisher hat der Schauspieler nur in Kurz- und Studentenfilmen vor der Kamera gestanden. In den vergangenen sechs Jahren gehörte sein Herz der Theaterbühne. Nach dem Abschluss des dreijährigen Schauspielstudiums am Europäischen Theaterinstitut in Berlin kam Jonas Lauenstein 2011 in die Oberlausitz und war hier in zahlreichen Rollen zu sehen – zum Beispiel als Don Karlos oder als Lügenbaron Münchhausen beim Theatersommer auf der Ortenburg.

Auf den ersten Blick kein netter Typ

Vor zwei Jahren packte er wieder die Koffer, um in seine Heimatstadt und an das Junge Staatstheater Berlin-Parkaue zurückzukehren. Seit einem Jahr ist er freiberuflich unterwegs und immer wieder als Gast in seinen alten Schauspielhäusern zu erleben. Umso mehr hat er sich gefreut, als der Anruf der GZSZ-Produktionsfirma kam.

Auf den ersten Blick ist sein Kai auf jeden Fall kein netter Typ. Er hat Philipp die Identität geklaut, mit deren Hilfe er dann auch noch mit Drogen dealt. Er bricht ein, droht und seine kriminellen Machenschaften werden immer verwickelter. „Aber eigentlich ist Kai auch sympathisch, er hat halt ein paar krumme Dinger zu laufen“, sagt Jonas Lauenstein. Am Set im Filmstudio Babelsberg wurde er Mitte August herzlich aufgenommen. Wie an den Theatern gibt es auch in der Serie gestandene Kollegen, die schon seit vielen Jahren im RTL-Format zu erleben sind.

„Dieses eingespielte Team – vom Schauspieler bis zum Licht – war für mich gut, um Dreherfahrungen zu sammeln“, sagt der Schauspieler. Schließlich funktionieren Film und Fernsehen ganz anders als die Schauspielbühne. Im Theater werden die Stücke vor einer Premiere sechs bis acht Wochen geprobt. Die Dreharbeiten zur Fernsehserie waren hingegen für Jonas Lauenstein nach gut drei Wochen schon wieder beendet. „Für die Rolle bekommst du deinen Text, vielleicht noch eine Probe mit dem Regisseur und dem Coach. Und ein paar Tage später wird schon gedreht.“

Mit „Tschick“ im Bautzener Theater

Die Erfahrung bei GZSZ möchte Jonas Lauenstein nicht missen. „Ich hatte echt Spaß. Es war neu und sehr spannend für mich“, sagt er. Jetzt stehen aber erst einmal andere Aufgaben an. Demnächst wird der Berliner für ein Musikvideo in Norwegen vor der Kamera stehen. Außerdem hat er in diesem Jahr in einer neuen Web-Serie mitgespielt, in deren Mittelpunkt junge Menschen in Berlin stehen. Die Episoden sollen Anfang 2017 zu sehen sein.

Und auch das Bautzener Publikum muss nicht auf Jonas Lauenstein verzichten. Im November und Dezember ist er wieder in einer seiner Lieblingsrollen zu erleben. Im Jugendstück „Tschick“ geht er mit einem gestohlenen Auto auf eine abenteuerliche Reise durch die deutsche Provinz. Und wer weiß, vielleicht kehrt ja im kommenden Jahr auch Kai wieder zu „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ zurück. Schließlich sind da noch einige Fragen offen ...

„Tschick“ mit Jonas Lauenstein ist im Bautzener Theater wieder am 18. November um 10 Uhr und am 10. Dezember um 19.30 Uhr zu sehen.