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Freitag, 28.07.2017

Gut Krauscha wächst vorsichtig

26 Sorten Eintöpfe, Soßen und Gerichte bietet der Feinkosthof in der Neißeaue an. Beliebt sind sie bis Dresden und Berlin.

Von Sabine Ohlenbusch

Bei Hans-Joachim Mautschke auf Gut Krauscha wächst nicht nur das Getreide gut.
Bei Hans-Joachim Mautschke auf Gut Krauscha wächst nicht nur das Getreide gut.

© pawel sosnowski/80studio.net

Mit guten Nachrichten ist Hans-Joachim Mautschke ein bisschen vorsichtig. Deshalb klingen seine Antworten auf Fragen zu seinem Biohof eher verhalten. Die beste Nachricht für den Betrieb ist gerade: Er ist so erfolgreich, dass er neue Mitarbeiter benötigt. „Wir wachsen um sechs bis acht Prozent pro Jahr“, erklärt der Agrar-Ingenieur. Und fügt hinzu: „Wachstum ist nie angstfrei.“ Denn es könne schnell wieder vorbei sein. Den Grund für die positive Entwicklung sieht er im größeren Zusammenhang der Branche. „Der Biohandel wächst teilweise im zweistelligen Bereich, wir wachsen mit“, sagt er.

Fast 9,5 Millionen Euro Umsatz hat der Umsatz für ökologisch erzeugte Lebensmittel 2016 eingebracht. Das bedeutet eine Steigerung von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Zahlen vom Bund ökologischer Lebensmittelwirtschaft zeugen von dem Erfolg der gesamten Branche, den Hans-Joachim Mautschke anspricht. Mittlerweile sollen demnach 41 Prozent der Deutschen Bio-Produkte kaufen, wann immer es ihnen möglich ist.

Weil der Markt schon seit Jahren wächst, verzweigt er sich auch immer weiter. Und die landwirtschaftlichen Betriebe suchen sich Nischen. So ist Gut Krauscha kein Biobauernhof wie andere. Sein Hauptgeschäft ist nicht, Getreide oder Obst an Bioläden oder -bäcker zu vertreiben – auch wenn zum Gut auch Felder, Weiden und natürlich Tiere gehören. Die Leistung des Betriebs liegt in der Veredelung: Feinkostgläser sind die wichtigsten Produkte. Außerdem ist die Geschichte des Hofes eng mit dem Stadtgut Görlitz gebunden, aus dem er 2006 hervorgegangen ist. Von dort kommen auch Eier und Hühner, die auf Gut Krauscha verarbeitet werden. Wenn das Rindfleisch aus dem eigenen Stall nicht reicht, liefern Bioschlachter aus der Umgebung noch Fleisch dazu.

Die Auswahl ist groß, von Geflügelfonds über Gulasch und Hühnerfrikassee bis zur Gemüsesuppe stellt das Küchenteam 26 Sorten her. Sechs weitere Sorten richten sich nicht an den Menschen, sondern an den Hund. Seit Jahren stehen dieselben fünf Damen mit dem Chefkoch Torsten Kleint ab 4.30 Uhr in der Küche und sorgen für hohe Qualität. Und die hat ihren Preis: Die Gläser gehören zum sogenannten Hochpreissegment innerhalb der Biobranche. Weil die Produkte halten, was Gut Krauscha verspricht, können Kunden sie zum Beispiel über den Luxusversand Manufactum oder den Feinkosthandel Käfer beziehen. Aber auch im Onlineshop des Otto-Versands oder bei Amazon gibt es Produkte von dem Hof in der Neißeaue. Und natürlich im Biomarkt. Die Preise dafür beginnen bei rund fünf Euro.

Gerade auf diesem besonderen Markt müssen Betriebe sich anstrengen, um bestehen zu können. „Unsere Kunden fordern viel“, erzählt Hans-Joachim Mautschke, „einer hat angefragt, ob wir wieder zu unserem alten, wasserlöslichen Kleber für die Etiketten zurückkehren können – das haben wir berücksichtigt.“ Die Gläser bringen mittlerweile drei Lieferfahrzeuge bis in die Großstädte Dresden und Berlin. In der Hauptstadt des Freistaates seien Erzeugnisse aus Ostsachsen sehr beliebt, in Berlin sei der Wettbewerb um vieles härter und die Konkurrenz häufig größere Betriebe.

Zwei Stellen sind auf Gut Krauscha zu besetzen gewesen, eine davon als Betriebsleiter. Die schwierige Suche nach Personal war schließlich erfolgreich. „Wir glauben, einen Betriebsleiter gefunden zu haben“, sagt Hans-Joachim Mautschke. Der Neue soll dem 57-Jährigen Arbeit abnehmen und ihn vielleicht irgendwann ersetzen. Auch einen zweiten Mitarbeiter gibt es. Er wird neben vielen anderen Aufgaben das Blockheizkraftwerk des Hofes betreuen. Um ihn zu finden, musste Hans-Joachim Mautschke eine Personalagentur für den ökologischen Bereich engagieren.

Unendlich wird das Wachstum des Betriebs nicht weitergehen. Denn in allen Supermarktketten will der Hof nicht mit seinen Gläsern vertreten sein. Die Menge an Gläsern ist außerdem dadurch begrenzt, was das Küchenteam in Handarbeit produziert. „Wir können 15 000 bis 20 000 Gläser im Monat herstellen“, sagt Hans-Joachim Mautschke, „über diese Obergrenze sind wir bisher nicht gekommen.“ Aber auf Dauer will der Betrieb das Lager umgestalten und einen Lageristen finden, um alles optimal zu nutzen. Aber grundsätzlich bleibt die Maßgabe: Vorsichtig wachsen.