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Sonntag, 02.09.2018

Gut gewickelt

Einige Köche wollen den Krautwickel zur Spezialität der Sächsischen Schweiz machen. Am Sonntag gab es einen Rekordversuch.

Von Anja Weber

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Der lange Krautwickel wurde auf dem Markt präsentiert und verkostet. Sechs Gaststätten sind an der Aktion beteiligt gewesen.
Der lange Krautwickel wurde auf dem Markt präsentiert und verkostet. Sechs Gaststätten sind an der Aktion beteiligt gewesen.

© Marko Förster

  • Der lange Krautwickel wurde auf dem Markt präsentiert und verkostet. Sechs Gaststätten sind an der Aktion beteiligt gewesen.
    Der lange Krautwickel wurde auf dem Markt präsentiert und verkostet. Sechs Gaststätten sind an der Aktion beteiligt gewesen.
  • Ganze 2,50 Meter Länge hatte das Prachtstück.
    Ganze 2,50 Meter Länge hatte das Prachtstück.

Stadt Wehlen. So einen langen Krautwickel wie am Sonntagmittag auf dem Marktplatz von Stadt Wehlen gab es noch nie. Und wo hätte er wohl besser präsentiert werden können als zum Naturmarkt, bei dem regionale Produkte im Vordergrund stehen. Deshalb hatten sich jene Köche versammelt, deren Restaurants sich der Kampagne „Krautwickeltour Sächsische Schweiz“ angeschlossen haben. Sie haben es sich sozusagen in den Schmortopf geschworen, den Krautwickel salonfähig zu machen – als die Spezialität in der Sächsischen Schweiz.

Wer öfter Kraut wickelt, hat sicherlich Zeit zum Nachdenken. Und so entstand wohl auch die Idee, zum Naturmarkt in Stadt Wehlen den weltgrößten und einzig wahren Krautwickel den Besuchern zu präsentieren.

„Das kam ganz spontan. Wir sollten schon etwas für unsere Krautwickel tun“, sagt Frank Pusch von der Gaststätte „Zur alten Säge“ in Dorf Wehlen. Er hatte die Aktion organisiert und trug damit auch die Verantwortung, tatsächlich auch so eine riesige Kohlroulade präsentieren zu können. Aufgeregt schien er nicht. Schließlich wusste Frank Pusch, dass er sich auf seine Mitstreiter verlassen konnte. Alle haben mit angepackt, geputzt, gewickelt, geschmort, gewürzt.

Um den 2,50 Meter langen Riesenwickel zu zaubern, wurden etwa 30 Kilo Fleisch und 25 Kilo Weißkohl verwendet. Schon der Geruch ließ den Besuchern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sie mussten nicht lange warten. Klar durfte auch verkostet werden. Und das Urteil? „Richtig lecker. Ich habe schon Jahre keine Krautwickel mehr gegessen. Ein Genuss“, schwärmte Ronald Hilger, der sich mit als Erster eine Portion geholt hat.

Den Köchen dürfte dieses Urteil gefallen. Denn die sonntägliche Aktion ist nur Teil einer ganzen Krautwickelkampagne, die 2015 aus der Taufe gehoben wurde. Inzwischen sind sechs Gaststätten dabei. Neben dem Gasthaus „Zur alten Säge“ in Dorf Wehlen sind das Romantik-Hotel Deutsches Haus in Pirna, das Berg- und Panoramahotel Bastei, das Landhotel „Zum Erbgericht“ Heeselicht sowie der Lichtenhainer Wasserfall und das Elbhotel Bad Schandau dabei. Und natürlich haben die Spitzenköche dieser Restaurants auch so ihre ganz eigenen Variationen entwickelt.

Da wird zum Beispiel der Weißkohl durch Rotkohl ersetzt oder das schnöde Hackfleisch vom Rind oder Schwein durch das vom Hirsch. Oder es gibt eben auch eine vegetarische Variante. Ausgefallene Kreationen gehen offenbar genauso gut wie die klassische Kohlroulade mit Schweinehackfleisch ummantelt mit Weißkohl.

„Uns geht es mit der Aktion darum, bei den Gästen in den Restaurants und Hotels regionale Produkte wieder mehr ins Bewusstsein zu heben. Und die Zutaten des Krautwickels sind nun mal alle regional, egal in welcher Variation“, sagt Thomas Pfenniger, Chef der Branchenverbandes Dehoga. Deshalb haben es sich die an der Krautwickel-Tour teilnehmenden Restaurants praktisch auf die Speisekarte geschrieben, den Krautwickel zum Gericht aus der Sächsischen Schweiz zu machen. „Vielleicht ist dann drei Generationen später der Krautwickel aus der Sächsischen Schweiz so bekannt, wie die Weißwurst für Bayern steht“, sagt Sven Petzhold, Chefkoch im Romantik-Hotel Pirna. Er hat übrigens erst vor Kurzem für einen Videoclip vor der Kamera gestanden, um zu zeigen, wie ein Krautwickel aus der Sächsischen Schweiz hergestellt wird. Der Clip ist inzwischen auch online unter www.topfgucker-tv.de zu sehen.

Die Krautwickeltour selbst ist eine Aktion nicht nur für die Gaststätten, sondern vor allem für die Gäste. Sie können in den teilnehmenden Restaurants und Hotels die Krautwickel verkosten und bewerten. Dazu geben die Restaurants Fragebögen aus, die die Gäste nach dem Mahl wieder abgeben. Damit sichern sich diese die Chance auf einen Gewinn. Aus den Einsendungen werden drei gezogen. Als Anerkennung gibt es dann einen Restaurantgutschein. Und natürlich wird auch der Koch des schmackhaftesten Krautwickels geehrt. Wer das in diesem Jahr sein wird, wird im Oktober bekannt gegeben.