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Montag, 13.06.2016

Grünes Licht für Bautzens Bahnhof

Seit zweieinhalb Jahren ist das Gebäude dicht. Jetzt hat der Landkreis konkrete Pläne.

Von Sebastian Kositz

Seine besten Jahre hat das imposante Bautzener Bahnhofsgebäude hinter sich. Weil in der Halle der Putz von der Decke bröckelt, hat die Bahn das Gebäude vor zweieinhalb Jahren für Reisende sogar sperren lassen. Jetzt will ein privater Investor den Bahnhof wieder herrichten – damit dort auch Teile der Landkreisverwaltung einziehen können.
Seine besten Jahre hat das imposante Bautzener Bahnhofsgebäude hinter sich. Weil in der Halle der Putz von der Decke bröckelt, hat die Bahn das Gebäude vor zweieinhalb Jahren für Reisende sogar sperren lassen. Jetzt will ein privater Investor den Bahnhof wieder herrichten – damit dort auch Teile der Landkreisverwaltung einziehen können.

© Uwe Soeder

Bautzen. Bonjour Tristesse. Kein Fähnchen, keine Wimpel. Das Jubiläum haben allenfalls Heimatforscher und Eisenbahnfreaks auf dem Schirm. Vor ziemlich genau 170 Jahren begann in Bautzen die Zukunft, erhielt die Stadt ihren Anschluss ans Bahnnetz. Inzwischen ist der marode und vor zweieinhalb Jahren für Bahnreisende geschlossene Bahnhof allerdings nur noch ein verzerrtes Spiegelbild der Vergangenheit. Doch das kann sich jetzt sehr plötzlich ändern.

Bereits seit Monaten denken die Verantwortlichen im Landratsamt über eine Nutzung des Gebäudes als neuen Standort für die Kreisverwaltung nach – bisher aber ohne konkretes Ergebnis. Doch jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack: Der Landkreis möchte einen Teil seiner Mitarbeiter künftig im Bahnhof unterbringen. Voraussetzung ist, dass die Kreisräte an diesem Montag die Signale dazu auf Grün schalten.

Bauherren stehen in Startlöchern

Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Ein Investor saniert den Bahnhof, die Kreisverwaltung mietet sich ein. Mit den beiden Bautzener Immobilienunternehmern Jörg Drews und Gerald Lucas stehen sogar bereits die Bauherren in den Startlöchern. Mit der Bahn haben sie einen Optionsvertrag über den Kauf des Bahnhofs geschlossen. Um den einzulösen, brauchen sie allerdings auch Planungssicherheit – durch den entsprechenden Beschluss des Kreistags.

In der Vorlage für die Kreisräte sind bereits etliche Eckdaten festgezurrt. So plant die Landkreisverwaltung, insgesamt etwa 4 000 Quadratmeter in dem neu hergerichteten Gebäude anzumieten. An dem neuen Standort ist Platz für bis zu 250 Mitarbeiter. Das entspricht etwa knapp einem Siebentel aller derzeit beim Landkreis Beschäftigten. Der Einzug ist ab 2019 vorgesehen. Im Mietvertrag wollen beide Seiten zunächst eine Laufzeit von 15 Jahren vereinbaren.

Schnelle Entscheidung nötig

Hinter den Plänen steckt allen voran der Versuch, das im Kreisgebiet verstreute Personal und die von der Verwaltung genutzten Liegenschaften neu zu sortieren – mit dem Ziel, deutlich effektiver zu werden. Die Konzepte dazu sind zwar noch nicht ganz fertig. Doch die Investoren für den Bahnhof machen Druck. Deren Angebot an den Kreis steht nur noch bis Monatsende. Deshalb wird mit der Entscheidung den neuen Personal- und Liegenschaftskonzepten auch einstückweit vorgegriffen.

In den vorab gelaufenen Untersuchungen hatte der Kreis indes neben dem Bautzener Bahnhof auch den Bereich um den Kornmarkt als zentralen Standort ins Auge gefasst. Die zentrale Lage und die Möglichkeit, den Bahnhof baulich besser auf die Ansprüche eines Verwaltungsbetriebs hin zu gestalten, überzeugten am Ende mehr. Zugleich sei es darum gegangen, einen Beitrag zu leisten, um das Bahnhofsareal in Bautzen neu beleben zu können, heißt es.

Die Chancen, dass der Kreistag an diesem Montag dem Vorhaben mehrheitlich zustimmt, stehen gut. CDU und Linke – die beiden größten Fraktionen in dem Gremium – ließen vorab bereits ihre Zustimmung durchblicken. „Aus meiner Sicht ist das der richtige Ansatz und eine gute Sache für Bautzen“, sagt Matthias Grahl, der Chef der Unionsfraktion. Ähnlich sieht es Ralph Büchner, der Vorsitzende der Linksfraktion. Zugleich würde mit dem Beschluss auch der Erhalt der beiden Verwaltungsstandorte Kamenz und Hoyerswerda verbindlich festgehalten. „Das ist aus unserer Sicht sehr wichtig“, erklärt Ralph Büchner.

Einsparungen in Millionenhöhe

So will sich der Kreis in Kamenz weiterhin auf die in seinem Besitz befindliche Immobilie an der Macherstraße konzentrieren. In Hoyerswerda möchten die Verantwortlichen künftig alle Dienstleistungen in einer Art Bürgerbüro anbieten. In Bautzen bleibt neben dem Bahnhof auch der Hauptsitz an der Bahnhofstraße erhalten. Im Gegenzug könnten aber kleinere Standorte, die etwa in Villen an der Bahnhofsstraße untergebracht sind, geschlossen werden.

Durch die Neuordnung erhofft sich die Behörde in den nächsten zehn Jahren Einsparungen bei den Betriebs- und Bewirtschaftungskosten von 2,7 Millionen Euro. Bis 2025 will das Landratsamt zudem deutlich beim Personalbestand abspecken. Den Rechenspielen nach könnten in Kamenz dann 700, in Bautzen 600 und in Hoyerswerda 50 Mitarbeiter beschäftigt werden.