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Dienstag, 10.07.2018

Grüne geben Tipps für attraktiveren Bahnhof in Niesky

Bald sind die Gleisanlagen in einem Topzustand. Das könnte die Diskussion um den „letzten Schandfleck“ in der Stadt neu entfachen.

Von Thomas Staudt

Der Projektleiter der Niederschlesischen Magistrale, Ulrich Mölke, erläutert den Stand der Bahnbauarbeiten. Zuvor unterhielten sich Stephan Kühn und Franziska Schubert (l.) mit Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann (3.v.r.).
Der Projektleiter der Niederschlesischen Magistrale, Ulrich Mölke, erläutert den Stand der Bahnbauarbeiten. Zuvor unterhielten sich Stephan Kühn und Franziska Schubert (l.) mit Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann (3. v. r.).

© André Schulze

Stephan Kühn mustert die Fassade von oben bis unten. Wenn Bahnhöfe nicht wirklich einladend aussehen, nage das am Image des öffentlichen Personennahverkehrs, sagt er diplomatisch. Kühn kennt die Diskussionen um das „Aushängeschild der Stadt“, wie sie in Weißwasser etwa geführt worden sind. Kühn ist verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen und Mitglied in der Landesarbeitsgruppe Verkehr und Mobilität Sachsen. Beate Hoffmann braucht ihm nicht zu widersprechen. In diesem Punkt sind sie sich einig. Die Nieskyer Oberbürgermeisterin sähe den Bahnhof lieber heute als morgen durchsaniert und natürlich genutzt.

Dabei gibt es jedoch mindestens zwei Probleme: Das eine betrifft die Eigentumsverhältnisse. Das Bahnhofsgebäude gehört der Stadt nämlich nicht. Vor ein paar Jahren kaufte es ein Ehepaar aus dem hessichen Wetzlar. Ein Bistro wollten sie aus dem Bahnhof machen. Daraus ist jedoch nichts geworden. Sie habe mit den Eigentümern geredet, erzählt Beate Hoffmann. Und sie habe damals wie heute den Eindruck, dass sie weder den finanziellen Hintergrund haben, um ihre Pläne zu realisieren, noch Ambitionen, an die Stadt zu verkaufen. Selbst wenn – Niesky hat andere Probleme: Die Kassen sind leer, aber eine ganze Reihe von Straßen ist dringend sanierungsbedürftig. Zudem leide Niesky, wie die anderen Städte auch, unter der Erhöhung der Kreisumlage, ergänzt Franziska Schubert, die für die Grünen im sächsischen Landtag sitzt. Die Stadträte jedenfalls beschäftigen derzeit andere Probleme, meint Beate Hoffmann. Das könnte sich ändern, wenn die Gleisanlagen saniert und das gesamte Umfeld mit neuen Zuwegungen und hübschen Fahrradständern ein ansprechendes Bild bieten. Dann könnte ein vernachlässigtes Bahnhofsgebäude zum Politikum werden.

Stephan Kühn hat nachgedacht. Ideen zu entwickeln und dann auf den Eigentümer zuzugehen, sagt er, könnte wirken. Vielleicht bei einem Workshop mit Vereinen, Gewerbetreibenden, den Stadträten. Er könnte jemanden vermitteln, der Erfahrung mit Bahnhofsanierungen hat und ein Impulsreferat hält. Nächstes Jahr vielleicht, wenn die Sanierung der Gleise durch ist? Möglichkeiten, das Ganze zu finanzieren, schweben ihm auch schon vor. Der Koalitionsvertrag sieht die Neuauflage eines Modernisierungsprogramms vor, mit dem in der Vergangenheit 108 kleine Bahnstationen barrierefrei ausgebaut wurden. Vielleicht ist da auch die Sanierung eines Bahnhofs drin? Selbst dann, wenn er nicht der Stadt gehört? Das komme ganz darauf an, wie das Programm ausgestaltet werde, so Kühn. Das sei bisher jedoch noch nicht erfolgt. Beate Hoffmann hat nichts zu schreiben dabei. Aber alles im Kopf notiert.