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Montag, 24.09.2018

Grün statt Steinwüste

Im Stadtzentrum Dresdens fehlen Bäume. Doch genau dort gibt es Platz, neue zu pflanzen.

Von Kay Haufe

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Vision und Original: Der Kreuzstraße würden mehr große Bäume gut zu Gesicht stehen, finden viele Dresdner.
Vision und Original: Der Kreuzstraße würden mehr große Bäume gut zu Gesicht stehen, finden viele Dresdner.

© Visualisierung: StadtbilDD, Foto: Marion Döring

Der Sommer war gerade noch einmal mit heißen Tagen zurück. Logisch, dass damit auch die Diskussion über die stellenweise völlig verdichtete Innenstadt mit wenigen Grünflächen wieder losging. Auch der Stadtrat hat darüber debattiert, die SPD forderte 1 000 neue Straßenbäume. Nicht, dass es Dresden an Parks und Grünflächen mangelt. Doch im Zentrum sucht man Bäume, Sträucher und Rasenflächen oft vergebens.

Die Folge ist, dass sich die City immer stärker aufheizt, die Temperatur ist dort im Sommer dauerhaft vier bis fünf Grad höher als am Stadtrand oder gut durchlüfteten Stadtteilen. Nicht nur die Kooperation aus SPD, Grünen und Linken im Stadtrat hat deshalb vorgeschlagen, die Innenstadt stärker als bisher zu begrünen.

Auch die Initiative Stadtbild Dresden regt an, großkronige Bäume rund um das Rathaus, die Kreuzkirche, auf dem Vorplatz des Kulturpalastes und auf dem Altmarkt zu pflanzen. Damit könnte die Innenstadt aufgewertet und die Steinwüste lebendig gestaltet werden, schreiben die Initiatoren. Ihre Vorschläge greifen nach eigener Angbe Möglichkeiten auf, die ohne großen Aufwand umsetzbar sind oder Bestandteil einer Umbauphase werden könnten. Nachfolgend sind sie im Detail aufgelistet.

Kreuzstraße: Der Ausläufer der Gastromeile Weiße Gasse entlang der Kreuzstraße bis zur Gewandhausstraße ist durch parkende Autos, enge Fußwege und Außenbestuhlung der Lokale geprägt. Die breite Straße bietet genügend Platz, um Bäume zu pflanzen und zusätzliche Radbügel zu installieren. Dafür müssten jedoch Parkplätze wegfallen.

Ringstraße: Im südlichen Bereich des Rathauses und entlang der Ringstraße stehen die Pläne für den Promenadenring aus. Stadtbild Dresden schlägt vor, besonders entlang der Haltestelle Pirnaischer Platz weitere große Bäume zu pflanzen. Weniger Stellflächen seien rund um Rat- und Gewandhaus unproblematisch, da mit dem Bau des Neuen Technischen Rathauses ausreichend Parkplätze in einer Tiefgarage entstehen.

Stadtmuseum: Bäume vor der Rettungstreppe am Landhaus könnten dafür sorgen, diesen Fremdkörper weniger drastisch wahrzunehmen. Zudem würde es dem steinernen Platz eine optisch schönere Fassung zu verleihen.

Altmarkt: Er biete sich an seinen Außengrenzen besonders für eine Bepflanzung an. Mit den Neubauten sollte ein Begrünungskonzept entstehen. An der Westseite hat die Stadt Pflanzkübel und Radbügel aufgestellt. Dauerhafter wäre das Pflanzen von Bäumen entlang der Seestraße.

Schloßstraße: Große Bäume favorisiert die Bürgerinitiative entlang der Westseite der Schlossstraße, womit auch der Platz zum Taschenbergpalais neu gestaltet werden könnte. Eine Bepflanzung und ein künstlerisch gestalteter Brunnen wären Hinweise auf die Museen im Schloss.

Beim Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft kommen diese Vorschläge gut an. Die Aufwertung öffentlicher Räume einschließlich Begrünung sei mittlerweile ein wichtiges städtebauliches Anliegen, sagt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne). Doch die Stadt ist auch selbst tätig geworden. Derzeit untersucht sie, wie beidseitig der Gleistrasse in der Wilsdruffer Straße weitere Bäume gepflanzt werden könnten. Auch Kreuzstraße, Schreibergasse, An der Mauer, Schulgasse und Seestraße müssten besser mit Grün gestaltet werden, damit sich Dresdner und Gäste dort gern aufhalten, sagt die Umweltbürgermeisterin. Auf dem nördlichen Fußweg der Kreuzstraße könnten mehrere Bäume gepflanzt werden, hat eine Prüfung ergeben. Das Umfeld der Kreuzkirche ist für Eva Jähnigen nicht minder wichtig. Leider würden es die unterirdischen Gegebenheiten mit Leitungen und historischen Kellerbereichen ausschließen, dass dort Bäume hinkommen. Gleiches gilt auch für den mit einer Tiefgarage unterbauten Teil des Altmarktes. Er wurde nach einem Wettbewerb neu gestaltet. Dabei war auch geplant, elf großkronige Bäume an der Ostseite zu pflanzen. Dort standen aber bereits Kugelahorne, die bleiben sollen. Wichtig seien auch die Aktivitäten privater Anlieger. Die würden vor allem an den Gastrofreiflächen Kübelpflanzen aufstellen. Dazu gäbe es Abstimmungen zwischen Stadtplanungsamt und Eigentümern.

Dass es viele Dresdner gibt, die mit dem Steingrau in der Innenstadt nicht viel anfangen können, zeigt der Antrag für mehr Grün, mehr Bänke und Sitzmöglichkeiten sowie Kunst im öffentlichen Raum. Seit wenigen Monaten wird er in städtischen und Stadtratsgremien diskutiert. Danach sind erste Ergebnisse für die Kreuzstraße bis Ende 2018 vorzulegen. Zudem sollen die Bürger beteiligt werden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 26 Kommentare

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  1. Lehmann

    Leider geht es nicht wirklich um mehr Grün, sondern - wie man auch in den einzelnen Abschnitten lesen kann. Parkplätze sollen entfallen, Parkplätze entfallen und Parkplätze entfallen. Ein Kreuzzug gegen das Automobil. Was anderes als Auto-Infrastruktur mutwillig zerstören können die aktuell regierenden Stadtratsfraktionen auch nicht.

  2. Teilnehmer

    Beton vor dem Auge, Beton im Kopf. Das Resultat ist eine langweilige Öde, die höchstens für diejenigen interessant ist, die gerne ganz von Menschen fernbleiben und sich deswegen in ihre Stahlkisten setzen. Und spiegelt sich dann in den kalten Herzen der montäglichen Kreisläufer wieder und in Fußballfans, die Sport für Hass und Gewalt nutzen (vgl. Hassfront Dynamo, Elbkaida), dazu getragen wird "Streetwear" mit Mafia-Bezug. Aber das macht keinen schönen und lebenswerten Ort aus. @1 Dass beim Thema Stadtgestaltung schnell auch Parkplätze wegfallen, zeigt nur wie diese überproportional vorhanden sind und Platz für andere Interessen beschneiden. Kleine Tipps: Alle möglichen Straßenbahnen fahren in diesem Bereich, für die brauchen Sie keinen Parkplatz. Und wenn Sie doch mal Ihre 30 Liter vom Einkauf in Ihren 300 Liter Kofferraum packen wollen, gibt es genügen Parkhäuser in allen Ecken.

  3. XXX

    @Lehmann: Ich kann hier keinen Kreuzzug gegen das Automobil erkennen. Es gibt genügend Parkhäuser im Stadtzentrum, die genutzt werden können. Ja, dann muß man auch vielleicht mal ein paar Meter mehr laufen, aber dafür ist der Mensch geschaffen :-) und die Bus- und Bahn-Nutzer sind dies bereits gewöhnt.

  4. kedi-frank

    Gestern war Herbstanfang ! Das Wetter war ganz nach meinen Geschmack. Geht nun fast 6 Monate so. Auch ich bin für Bäume und grün. Nur ob zu hohe Bäume immer die richtige Lösung sind ( Sturm- Orkan) wage ich zu bezweifeln.

  5. Xy

    @2: Die Verbindung zwischen Hass und Gewalt mit Beton und Autos muss man auch erst mal hinbekommen, Respekt. Ironie aus?

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