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Dienstag, 12.06.2018

Großes Fischsterben im Schwarzwasser

Von Katja Schäfer

Eine von vielen: Wie diese Forelle sind am Wochenende unzählige Fische in einer Zuchtanlage in Nedaschütz gestorben.
Eine von vielen: Wie diese Forelle sind am Wochenende unzählige Fische in einer Zuchtanlage in Nedaschütz gestorben.

© Rocci Klein

Kein Wasser entnehmen! Diese Warnung für die Anrainer des Hoyerswerdaer Schwarzwassers zwischen der A4 bei Göda und der Mündung in die Schwarze Elster bei Hoyerswerda gab das Landratsamt Bautzen am Wochenende heraus. Vorsorglich, wie es heißt. Doch in Nedaschütz, wo das Schwarzwasser noch ein Bach ist, ereignete sich am Freitagabend eine kleine Katastrophe in einer Fischzucht. Ein dramatisches uns anstrengendes Wochenende liegt hinter Kerstin Wehner und ihrer Familie. Eine Verunreinigung des Schwarzwassers hat am Freitagabend innerhalb kürzester Zeit den gesamten Bestand der Forellenzucht vernichtet, die sie mit ihrem Mann Frank in Nedaschütz bei Göda unweit der A4 betreibt. Ihren Aussagen nach sind Fische mit einem Gewicht von insgesamt 13 Tonnen verendet. „Da war alles dabei, von kleinen Brutfischen über Laichfische bis hin zu großen Speisefischen; vor allem Forellen, aber auch Saiblinge und andere“, sagt die 52-Jährige. Woran die Fische starben, ist bisher nicht bekannt. Fest steht nur, dass irgendwo oberhalb der Zuchtanlage eine unbekannte Substanz ins Schwarzwasser eingeleitet wurde, die offensichtlich giftig war. Um was für einen Stoff es sich dabei gehandelt hat, wird derzeit noch untersucht. Wasserproben waren gleich am Freitagabend und dann nochmal am Montag genommen worden. „Mit den Ergebnissen ist erst Ende der Woche zu rechnen“, sagt der Leiter des Umweltamtes im Bautzener Landratsamt, Georg Richter, als er am Montagnachmittag bei Familie Wehner vor Ort ist. Warum es so lange dauert, begründet er so: „Der operative Aufwand für die Untersuchung von einer erstmal unbekannten Substanz ist auch in Zeiten moderner Technik sehr hoch. Das braucht seine Zeit.“ Auf die Untersuchungsergebnisse muss man warten, wissen Wehners. „Erst dann können wir zusammen mit dem Landratsamt entscheiden, wie es weitergeht, was mit dem Schlamm aus den Becken geschieht, wie die Anlage gereinigt werden muss. Und was mit den paar Stören passiert, die überlebt haben. Anfangs hieß es, sie müssten getötet werden, weil sie vermutlich vergiftet seien.“

Ursache bislang unbekannt

Auch wenn diese kurzfristigen Entscheidungen getroffen sein werden, steht die langfristige noch aus: Wie geht es mit der Nedaschützer Forellenzucht insgesamt weiter? „Das ist im Moment ganz schwer zu sagen“, gibt Kerstin Wehner zu, die seit 22 Jahren Fische züchtet, seit 2001 in Nedaschütz. Verkauft werden die Forellen, Störe, Schleien und anderen Tiere an Gaststätten, aber auch an Teichwirtschaften und als Setzfische an Anglerverbände. Wie die Zukunft aussieht, wird im Wesentlichen davon abhängen, wie die Sache finanziell ausgeht. Auf Hilfe von einer Versicherung können die Züchter nicht hoffen. „Für solche Fälle gibt es keine Versicherung“, bedauert Kerstin Wehner. Wehners müssen abwarten, ob ein Verursacher für die Verunreinigung des Gewässers gefunden wird und sich dann mit ihm privatrechtlich auseinandersetzen. Eine Vermutung, wo das Unglück herkam, haben sie, sagen dazu aber nichts. „Wir werden sehen, was die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergeben“, meint die 52-Jährige.

Wären die Fische an einer anerkannten Tierseuche gestorben, hätten die Halter Anspruch auf Versicherungsgeld. „Aber das ist hier nicht der Fall“, sagt die Nedaschützerin. Eine herbei gerufene Tierärztin hat am Freitagabend bestätigt, dass weder eine Krankheit noch die sommerlichen Temperaturen der Grund für den Tod der Tiere waren. Frank Wehner hatte an jenem Abend gerade die Fische im unteren Becken gefüttert und wollte den leeren Futtersack aufräumen. Da sah er, dass im oberen Becken verschmutztes Wasser ankam und die ersten Fische schon tot an der Oberfläche trieben. Die Weiteren starben innerhalb kurzer Zeit. „Wir konnten nichts dagegen machen, nur zusehen, wie unsere Existenz kaputt geht“, schildert Kerstin Wehner und ringt dabei um Fassung. Seit Sonnabend ist ihr Betrieb geschlossen. Einnahmen gibt es nicht mehr. Dafür jede Menge zusätzliche Ausgaben. Zum Beispiel für die Entsorgung der Kadaver durch ein Spezialunternehmen. Stundenlang hatten Wehners am Sonnabend damit zu tun, die toten Fische aus den Becken zu schaufeln. „Das musste möglichst schnell gehen, denn die fingen schon nach Mitternacht an zu stinken“, berichtet Kerstin Wehner. Ganz überwältigt ist sie von der Hilfsbereitschaft, die die Familie erlebt hat. „Ein großes Dankeschön geht an alle Nachbarn, Freunde, Bekannten und die Einsatzkräfte von der Feuerwehr“, betont Kerstin Wehner. Viele haben mit angepackt, Technik bereitgestellt oder einfach was zu essen vorbeigebracht.

Betroffen von dem Vorfall sind aber nicht nur die Wehners, sondern weitere Einwohner aus der Gegend. Bereits am Wochenende hatte das Landratsamt Anliegern des Schwarzwasser von Nedaschütz bis zum Zusammenfluss in die Schwarze Elster bei Hoyerswerda geraten, vorsorglich kein Wasser aus dem Bach zu nutzen, da eine Umwelt- und Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden könne. Umweltamtsleiter Georg Richter beruhigt aber: „Da bisher keine weiteren toten Fische oder andere Anzeichen auf Vergiftungen vorliegen, gehen wir davon aus, dass der Schadstoffeintrag einmalig war und durch die entsprechende Verdünnung der Flüsse spätestens in der Schwarzen Elster keine Gesundheitsgefährdung mehr besteht.“ Seit 26 Jahren ist er schon im Umweltbereich tätig, aber so ein massenhaftes Fischsterben wie am Wochenende in Nedaschütz hat er noch nicht erlebt.

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