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Freitag, 13.04.2018

Große Freude über Erhalt der JVA

Knapp 160 Mitarbeiter und viele Firmen in der Region sind erleichtert. Die Grünen fordern nun Investitionen.

Von Antje Steglich

Blick aus einer Zelle in den Hof der JVA Zeithain. Die Einrichtung soll nun mindestens bis 2026 weiter bestehen.
Blick aus einer Zelle in den Hof der JVA Zeithain. Die Einrichtung soll nun mindestens bis 2026 weiter bestehen.

© Robert Michael

Zeithain. Die Nachricht kam überraschend. Zwar hatte sich Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) bereits zum Fortbestand der JVA Zeithain bekannt, mit einer verbindlichen Zusage – zumindest bis 2026 (die SZ berichtete) – hat so schnell aber keiner gerechnet. Kurz vor Ostern waren die Mitarbeiter kurzerhand zu einer Dienstversammlung gebeten worden. Und plötzlich stand Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vor ihnen. Es dürfte der erste Besuch eines sächsischen Regierungschefs in der JVA Zeithain überhaupt gewesen sein. Die Mitarbeiter jedenfalls waren hoch erfreut, sagt Leiter Oliver Schmidt: „Mit dieser positiven Mitteilung erhalten wir eine mittelfristige Perspektive und natürlich auch persönliche Planungssicherheit.“

Auch der Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos), zu dessen Gemeinde das Gefängnis trotz Zeithainer Namen gehört, hat sich sehr über die Nachricht gefreut. Nicht nur, dass im Durchschnitt zwischen 150 und 180 der insgesamt knapp 400 Gefangenen in Glaubitz offiziell gemeldet sind und damit die Einwohnerzahl und beispielsweise auch die Höhe der Schlüsselzuweisungen nach oben treiben. „Wir haben mit der JVA vor allem einen verlässlichen Partner. Die sehr gute Zusammenarbeit ist viel wert“, sagt Bürgermeister Thiemig. So gebe es beispielsweise einen Vertrag zwischen Gefängnis und Kommune, dass Häftlinge auch mal kurzfristig bei Arbeiten im Gemeindegebiet aushelfen – so geschehen beim Hochwasser oder bei der Erneuerung des Feuerlöschteiches Radewitz. Zudem sei die JVA grundsätzlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region, der knapp 160 Menschen und vielen Unternehmen Arbeit gibt. „Es ist natürlich wichtig, dass die Leute auch weiterhin den Arbeitsplatz vor der Tür haben“, so Lutz Thiemig, „und ich hoffe, dass es auch nach 2026 weitergeht.“

Die Bemühungen der Mitarbeiter und Gefangenen vor Ort sind beachtlich, lobt der Bürgermeister die Arbeit im Knast. „Man sollte darüber nachdenken, ob es nicht sowieso günstiger ist, solche kleinen Einheiten wie in Glaubitz zu belassen, um solche Therapieansätze weiter zu verfolgen oder zu entwickeln. Ich bin überzeugt, dass kann dort viel besser gehändelt werden.“ Negative Erfahrungen mit der Anstalt oder zum Beispiel mit Freigängern habe es nie gegeben, was auch sein Zeithainer Kollege Ralf Hänsel (parteilos) bestätigt.

Über den Anstaltsbeirat wirken beide Kommunen zumindest indirekt bei der Gestaltung des Vollzugs und bei der Betreuung der Gefangenen mit. Ein Mitglied ist auch Zeithains stellvertretender Bürgermeister Dieter Wamser (BIG): „Wir haben uns unglaublich gefreut. Für die Region ist das auf jeden Fall ein Erfolg.“ Der Gemeinderat hofft, dass die Mitarbeiter jetzt etwas zur Ruhe kommen und die JVA auch mal wieder ein bisschen mehr gepflegt wird – sprich: Dass nun echte Investitionen in die Bausubstanz erfolgen.

Die Grünen forderten das bereits Ende März im Sächsischen Landtag: Mit Blick auf die Gefangenenprognosen sei auch über 2026 hinaus ein Weiterbetrieb nötig, erklärte die Abgeordnete Katja Meier. Darüber hinaus müsse die Einrichtung modernisiert werden. „Ich erwarte Investitionen, die deutlich über die Aufrechterhaltung des Betriebes hinausgehen.“

Die JVA sollte eigentlich 2020 mit der Eröffnung des sächsisch-thüringischen Gefängnisneubaus in Zwickau geschlossen werden. Wegen des stetigen Anstiegs der Gefangenenzahlen änderte die Landesregierung nun ihr Konzept. (mit dpa)