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Freitag, 01.06.2018

Grenzenlose Hitzeschlacht

Beim Europamarathon in Görlitz gibt es einen Anmelderekord. Der Klassiker stagniert trotzdem.

Von Michaela Widder

Kühlen, kühlen, kühlen. Auch 2017 beim Europamarathon war Wasser das beliebteste Getränk.
Kühlen, kühlen, kühlen. Auch 2017 beim Europamarathon war Wasser das beliebteste Getränk.

© Pawel Sosnowski

Claudia Pechstein macht es richtig – angesichts der hochsommerlichen Temperaturen am Wochenende. Die Rekord-Eisschnelllauf-Olympiasiegerin ist bereits zum dritten Mal Teilnehmerin beim Europamarathon, doch auch beim kleinen Jubiläum am Sonntag wird sie die 21,1 Kilometer lange Strecke auf Inlineskates zurücklegen und bei Geschwindigkeiten um die 30 km/h zumindest ein wenig vom Fahrtwind gekühlt werden.

Problematischer ist die Hitze für die Marathonis, die am Sonntag um fünf nach neun in Görlitz starten. Wie schon 2017 erwartet sie auch bei der 15. Auflage eine Hitzeschlacht. „Wir sind hitzeerprobt. Schon vor ein paar Jahren war es mal so heiß. Da hat uns die Bevölkerung spontan unterstützt und den Läufern extra Wasser gereicht“, meint Organisator Detlef Lück. 4 600 Liter Wasser, dazu 600 Liter Cola und Saftschorle reichen die Helfer an den 18 Verpflegungspunkten, vier davon auf polnischer Seite. Die grenzenlose Streckenführung durch zwei Länder – am 15. Meridian östlicher Länge – macht den besonderen Reiz des Laufs Görlitz-Zgorzelec aus. Außer Usedom ist dies zudem der einzige Marathon, bei dem die deutsch-polnische Grenze überquert wird.

Das lockt Jahr für Jahr auch einige Neugierige aus dem Ausland an. Diesmal haben ein Japaner und ein Südafrikaner die weiteste Anreise. Mit 1 990 Anmeldungen gibt es schon jetzt einen Rekord – im Vorfeld hatten sich noch nie so viele Läufer und Skater angemeldet. Die Bestmarke mit 2 300 Startern aus dem Vorjahr könnte geknackt werden, da man wieder auf einige Hundert Kurzentschlossene zählen kann.

Auf so viele Teilnehmer kommt der Europamarathon jedoch nur, weil das Streckenangebot in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut wurde. Mittlerweile sind sogar Einradfahrer am Start. Dagegen stagnieren die Zahlen beim Klassiker über 42,195 Kilometer, der ja dem Lauf seinen eigentlichen Namen gibt. Lediglich 108 Anmeldungen, darunter eine Handvoll Frauen, stehen in der Startliste. Ein Grund dürfte sein, dass die großen Frühjahrsmarathons – zuletzt der Rennsteiglauf – gerade vorbei sind. „Wir sind die Letzten vor der Sommerpause. Da ist schon alles gegessen“, meint Lück. Wer die Favoriten sind, ließe sich schwer vorhersagen, und meist sind die Sieger in der Laufszene auch relativ unbekannt. Rekordverdächtig ist die Strecke auch nicht, weil sie als ziemlich schwierig gilt und drei Kilometer vor dem Ziel noch einen kräftezehrenden Anstieg aufweist. „Ich würde sie nicht laufen wollen“, sagt Lück mit einem Grinsen.

Die Teilnehmer sollen sich beim Europamarathon wohlfühlen. Nach vorheriger Absprache kann der Läufer deshalb sogar sein eigenes Getränk an die gewünschte Stelle bringen lassen. Auf Wunsch wird er in Schlauroth kurz vor der 30-km-Marke mit seinem Lieblingssong begrüßt. Insgesamt 400 Helfer sind am Sonntag im Einsatz. Auf polnischer Seite helfen seit ein paar Jahren sogar Obdachlose, die Strecke abzusichern. Der Europamarathon verbindet – nicht nur zwei Länder.

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