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Dienstag, 18.09.2018

Gottes Wohlwollen per Chip?

Die Kollekte wird digital, so stellt es sich die Kirche in Berlin vor. Im Landkreis Görlitz kommt die Idee allerdings nicht so gut an.

Von Matthias Klaus

Die evangelische Kirche in Berlin hat jetzt den digitalen Klingelbeutel beim Deutschen Patentamt angemeldet.
Die evangelische Kirche in Berlin hat jetzt den digitalen Klingelbeutel beim Deutschen Patentamt angemeldet.

© Thorsten Wittke/dpa

Görlitz. „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ So warben vor langer Zeit Vertreter der Katholischen Kirche für den Kauf von Ablassbriefen. Martin Luther fand das gar nicht so lustig, am Ende stand die Evangelische Kirche. Aber Spenden werden hier wie da gern gesehen, auch heute noch. Der Klassiker ist der Klingelbeutel. Aber was tun, wenn man beim Kirchenbesuch gerade kein Kleingeld zur Hand hat?

Eine Lösung scheint gefunden: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat das nach eigenen Angaben weltweit erste Konzept für eine digitale Kollekte entwickelt. Was aussieht wie ein herkömmlicher Klingelbeutel, hat eine elektronische Komponente. Er kann also ganz herkömmlich eingesetzt werden, aber eben auch bargeldlos und kontaktlos per EC- oder Kreditkarte. Die Technik samt Akku ist demnach im Griff verbaut

Ein Modell, das sich auch die Kirchen in Görlitz vorstellen können? Hans-Wilhelm Pietz, Pfarrer der evangelischen Innenstadtgemeinde, ist da eher skeptisch. „Ich halte sehr viel von der Freiheit des Bargeldgebrauchs“, sagt er. Eine „besondere Sinnhaftigkeit“ in dem digitalen oder elektronischen Klingelbeutel sehe er nicht. „Wir werden hier auf konventionelle Art und Weise weitermachen und so unsere Kollekte sammeln“, so Hans-Wilhelm Pietz. Die elektronische Variante sei für die Innenstadtgemeinde derzeit kein Thema. „Aber“, so betont der Pfarrer, „ wir nehmen auch Zloty.“ Die Kirche habe immer wieder Zulauf aus dem Nachbarland.

Ähnlich sieht das Thema auch Raphael Schmidt, Pressesprecher des Bistums Görlitz. Seiner persönlichen Meinung nach sei ein elektronischer Klingelbeutel ein weiterer Schritt zur Abschaffung des Bargeldes. „Und auch ein Schritt, um den Bürger vielleicht weiter zu durchleuchten, Stichwort Datenschutz“, sagt er. Wenn jemand spenden möchte, könne er das natürlich gern per Überweisung tun oder eben bar über den Klingelbeutel. Die Evangelische Kirche hat den digitalen Klingelbeutel derweil zum Patent angemeldet. Ab dem kommenden Dezember soll es zudem erste Versuche geben, ob und wie er von den Kirchenbesuchern angenommen wird.