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Mittwoch, 16.05.2018

Gnadenhochzeit wird zum Fest für Siedler

Marga und Kurt Franke feiern das 70. Ehejubiläum. Fast so lange kennen die beiden schon ihre Nachbarn. Die nehmen es mit den Bräuchen ganz genau.

Von Heike Heisig

Marga und Kurt Franke haben am Dienstag den 70. Hochzeitstag gefeiert. Wie zu jedem Jubiläum haben die Nachbarn dem Paar wieder eine Ranke gewunden.
Marga und Kurt Franke haben am Dienstag den 70. Hochzeitstag gefeiert. Wie zu jedem Jubiläum haben die Nachbarn dem Paar wieder eine Ranke gewunden.

© André Braun

Leisnig/Minkwitz. Für eine halbe Stunde sind Marga (90) und Kurt Franke (90) am Dienstagvormittag in ihrem Häuschen in der Siedlung Minkwitz eingesperrt gewesen. Vor ihrer Haustür werkelten die Nachbarn. Die hatten eine sieben Meter lange Ranke aus Tannenzweigen gewunden. So, wie es Tradition zu Ehejubiläen ist. Doch die Rentner nahmen ihre Aufgabe mehr als ernst. Der Blütenschmuck sollte bis auf den Zentimeter genau an der ausgesuchten Stelle sitzen, die Jubiläumszahl genau mittig über der Eingangstür hängen. Und so spannten die Minkwitzer das Brautpaar ganz schön auf die Folter, bis es endlich unter der Ranke hindurch in den Kreis seiner Nachbarn und Freunde treten durfte.

Marga Franke zeigte sich tüchtig gerührt vom Einsatz ihrer Gäste. Von allen vorhergehenden Ehejubiläen habe sie noch Fotos der Ranken aufgehoben und in einer Schublade im Schlafzimmer immer griffbereit. Dass auch von der Gnadenhochzeit-Ranke ein Foto dabei ist, dafür hat Enkelin Alexandra Lohse gesorgt. Das muss nicht unbedingt das Letzte in der Sammlung sein. Denn das Heiratslexikon gibt noch mehr her. In fünf Jahren können die Frankes die Kronjuwelenhochzeit feiern und 2028 die Eichenhochzeit. Zumindest für das Jubiläum in fünf Jahren nimmt Marga Franke ein klein wenig skeptisch, aber gut gelaunt Verabredungen entgegen.

Kennengelernt haben sich die beiden beim Tanz im Schützenhaus, zu den meisten Verabredungen danach trafen sie sich jedoch im Gasthof in Minkwitz. Marga Franke hat im Leisniger Werk der Möbelbeschläge gearbeitet, ihr Mann war Fahrer im Krankenhaus. In das Häuschen in der Siedlung in Minkwitz haben sie viel Kraft gesteckt. Die meisten sind 1934 entstanden. So lange leben viele der Siedler schon an diesem Ort. Die gewachsene Gemeinschaft, die nette Nachbarschaft und das gemeinsame Feiern wollen sie nicht missen.

Marga und Kurt Franke haben zwei Kinder, vier Enkel und acht Urenkel – aber kein Patentrezept für ihre so lange haltende Ehe. Nur eitel Sonnenschein gibt es nicht. „Bei ihnen wird’s auch schon mal lauter – genau wie bei uns“, verriet Enkelin Alexandra.