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Mittwoch, 16.05.2018

Glück auf in Freital

Der Besucherstollen in Burgk ist wieder zugänglich. Um ihn authentisch auszustatten, wurde bei E-Bay gekauft.

Von Annett Heyse

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Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg war am Montag einer der ersten, die das neugestaltete Besucherbergwerk besichtigten. Geöffnet ist immer dienstags, donnerstags und jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober.
Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg war am Montag einer der ersten, die das neugestaltete Besucherbergwerk besichtigten. Geöffnet ist immer dienstags, donnerstags und jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober.

© Karl-Ludwig Oberthür

  • Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg war am Montag einer der ersten, die das neugestaltete Besucherbergwerk besichtigten. Geöffnet ist immer dienstags, donnerstags und jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober.
    Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg war am Montag einer der ersten, die das neugestaltete Besucherbergwerk besichtigten. Geöffnet ist immer dienstags, donnerstags und jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober.
  • Telefonieren unter Tage: Von diesem explosionssicheren Apparat aus kann man jede Nummer in Deutschland anrufen. Er dient in erster Linie jedoch für Notrufe oder dienstliche Absprachen.
    Telefonieren unter Tage: Von diesem explosionssicheren Apparat aus kann man jede Nummer in Deutschland anrufen. Er dient in erster Linie jedoch für Notrufe oder dienstliche Absprachen.
  • Neues Ziegelgewölbe: Ein neues Ziegelgewölbe verstärkt Firste und Stöße, so nennen Bergleute Decke und Wände. Es ersetzt ein 150Jahre altes Gewölbe, dessen Ziegel marode waren.
    Neues Ziegelgewölbe: Ein neues Ziegelgewölbe verstärkt Firste und Stöße, so nennen Bergleute Decke und Wände. Es ersetzt ein 150 Jahre altes Gewölbe, dessen Ziegel marode waren.
  • Alte Öllampe: Sie wird zum Aufspüren von giftigen Gasen in Kohlebergwerken eingesetzt. Tritt Kohlenmonoxid aus, erlischt die Flamme, bei Methangas wird sie deutlich größer.
    Alte Öllampe: Sie wird zum Aufspüren von giftigen Gasen in Kohlebergwerken eingesetzt. Tritt Kohlenmonoxid aus, erlischt die Flamme, bei Methangas wird sie deutlich größer.

Freital. Juliane Puls geht leicht gebückt voran, den Kopf so zur Seite gelegt, dass der Helm nicht oben anschrammt. „Vorsicht, es wird niedrig“, warnt sie. Ringsherum ist es dunkel, nur alle paar Meter erhellen Lampen die Finsternis etwas. Unter den Sohlen knirscht Schotter. Rechts und links stemmen sich Hölzer, massive Stahleinbauten und gemauerte Wände gegen das Gestein. Dann wird der Gang breiter. Juliane Puls bleibt stehen.

Da ist es – Sachsen einziges Steinkohleflöz, welches in einem öffentlichen Besucherstollen unter Tage besichtigt werden kann. Es liegt gut 30 Meter unter der Erdoberfläche und schimmert kohleschwarz im Licht der Lampen. „Die Bergleute haben sich immer entlang des Flözes vorgearbeitet“, erklärt Führerin Puls und fährt mit dem Finger am Gestein entlang. Ab sofort führt sie wieder durch Freitals Bergbaugeschichte. Die Region ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Im 19. und noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde hier in zahlreichen Bergwerken Steinkohle gefördert.

Der Gang, durch den Juliane Puls führt, beginnt im Park des Schlosses Burgk. Die sogenannte Tagesstrecke Oberes Revier Burgk war Teil des Segen-Gottes- und des Neue-Hoffnung-Schachtes. Er diente als Zugang zu den tiefer gelegenen Abbauorten und war einst 1 300 Meter lang. 1968 teilweise verfüllt und zugemauert, wurde er 1996 unter dem Einsatz einiger ehemaliger Wismut-Kumpel geöffnet und wieder zugänglich gemacht. Heute ist er Teil der Städtischen Sammlungen Freital.

120 Meter führt die Tagesstrecke noch in den Berg hinein. Dienstags, donnerstags und jeden ersten Sonntag im Monat von April bis Oktober finden hier Führungen statt. Im September 2016 konnte der 22 000 Besucher mit dem alten Bergmannsgruß „Glück auf!“ begrüßt werden. „Es ist einer der wenigen erhalten gebliebenen authentischen Orte der Freitaler Bergbaugeschichte“, wirbt Museumsleiter Rolf Günther.

Doch seit 2017 war die Tagesstrecke geschlossen. Damals entdeckten Kontrolleure des Oberbergamtes bei einer Routinebegehung größere Schäden. Besucher durch den Stollen zu führen, war somit undenkbar. Die Stadt Freital beantragte Fördermittel und startete mit der gut 80 000 Euro teuren Sanierung. Dabei wurden verfaulte Holzeinbauten und ein 150 Jahre altes Ziegelgewölbe ersetzt. In einem Abschnitt wurde der Gang mit Spritzbeton gesichert.

Die Techniker des Museums erneuerten zudem Elektrik, Frischluftzufuhr und Telefonanlage. Extra dafür musste ein funktionstüchtiger und explosionssicherer Telefonapparat gekauft werden, so schreiben es Sicherheitsbestimmungen vor. „Die Mitarbeiter wurden auf E-Bay fündig“, berichtet Museums-Leiter Günther. Und da hängt er nun in gut 30 Metern Tiefe. Nimmt man ab, hört man das typische „Tut-tut-tut“ eines firmeninternen Netzes. „Wenn Sie jetzt die Null vorwählen, dann können Sie überall hin anrufen“, sagt Juliane Puls. Im Redaktionsbüro vielleicht? „Wäre möglich.“

Die Tagesstrecke führte einst bis unter den Windberg, wo der Segen-Gottes-Schacht in gut 500 Meter Tiefe lag. Dort ereignete sich am frühen Morgen des 2. August 1869 eines der größten sächsischen Grubenunglücke. Methangas, das unbemerkt ausgeströmt war, vermischte sich mit Luft und explodierte. Die Druckwelle war so gewaltig, dass sie auch den Neue-Hoffnungs-Schacht erfasste. 276 Bergleute der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke starben. Nur fünf Bergleute konnten sich retten – drei von ihnen kamen über die Tagesstrecke Oberes Revier Burgk wohlbehalten ins Freie.