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Dienstag, 13.06.2017

Gewalt unter Asylbewerbern

Die Polizei verzeichnet rund 50 Delikte pro Monat. Dabei dominieren Körperverletzungen.

Von Kay Haufe

© Symbolfoto: Fabian Schröder

Einen außergewöhnlichen Einsatz erlebten 28 Polizisten am Abend des 3. Juni. Sie mussten bei einer Massenschlägerei in der Asylbewerberunterkunft Strehlener Straße eingreifen. „Das ist nichts Alltägliches für uns“, sagt Polizeisprecher Thomas Geithner. Delikte dieser Größenordnung seien heute die Ausnahme. Dennoch wurden die Beamten in diesem Jahr zu rund 50 Straftaten pro Monat in Flüchtlingsunterkünften gerufen.

Dabei handelt es sich laut Geithner vor allem um gewalttätige Auseinandersetzungen, Gewaltandrohungen, ethnische Konflikte oder Straftaten mit besonderer Bedeutung für die Öffentlichkeit, wie eben die Massenschlägerei. „Etwa die Hälfte aller Anlässe sind Körperverletzungen“, sagt der Polizeisprecher. „Es kommt unter den Asylbewerbern vor, dass das Messer gezogen oder mit einem abgeschlagenen Flaschenhals gedroht wird.“ Das passiere auch schon mal an der Essenausgabe, wenn jemand den Eindruck hat, ein anderer drängele vor.

Vor allem in der Zeit des Ramadan, wenn Muslime nur nach Sonnenuntergang essen dürfen, reagierten diese gereizter als sonst, sagt Geithner. „Da kommen alle zur gleichen Zeit in die Küche und es gibt Gerangel um die Herdplatten.“ Dennoch sei die Massenschlägerei Anfang Juni eine Ausnahme. Etwas Vergleichbares habe es nur noch am 8. und 9. April auf dem Scheune-Vorplatz gegeben. „Beim ersten Mal waren die Leute weg, als wir eintrafen. Beim zweiten Mal wollte niemand aussagen“, sagt der Sprecher.

Die Polizei hat Ende 2015 mit dem anwachsenden Flüchtlingsstrom vier Asylkoordinatoren eingesetzt, die sich ein Bild von den Geschehnissen in den Unterkünften machten und analysierten, welche Delikte vorkommen. Inzwischen sind diese parallel mit den sinkenden Asylzahlen auf zwei reduziert worden, sagt Geithner. „Die meisten Einsätze haben wir im Heim auf der Strehlener Straße, in dem rund 300 Personen leben.“