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Freitag, 12.10.2018

Gesunde Wasserplanscher

Bad Muskaus „Bergpiraten“ wollen Kneipp-Kita werden. Der Stadtrat hat das Konzept abgesegnet.

Von Anja Wallner

Unter der Obhut der Erzieherinnen Sandy und Jenny bekommen die kleinen „Bergpiraten“ in Bad Muskau – ganz nach Sebastian Kneipp – ihr erstes Armbad. Auch für die Krippenkinder ist Kontakt mit Wasser angesagt. Antoni, Jonathan, Albert und Jannick haben viel Spaß daran.
Unter der Obhut der Erzieherinnen Sandy und Jenny bekommen die kleinen „Bergpiraten“ in Bad Muskau – ganz nach Sebastian Kneipp – ihr erstes Armbad. Auch für die Krippenkinder ist Kontakt mit Wasser angesagt. Antoni, Jonathan, Albert und Jannick haben viel Spaß daran.

© J.Rehle

Bad Muskau. Bad Muskau ist Kurstadt. An Gesundheitsförderung und gesundes Leben sollen da bereits die jüngsten Einwohner herangeführt werden: Die städtische Kita „Bergpiraten“ soll sowohl als „Gesunde Kita“ als auch als Kneipp-Kita zertifiziert werden (TAGEBLATT berichtete). Eine entsprechend konkretisierte pädagogische Konzeption hat der Stadtrat jetzt bei einer Enthaltung mehrheitlich beschlossen. Die Stadt ist Träger der integrativen Einrichtung mit 153 Plätzen, die sie 2015 nach der Insolvenz des früheren freien Trägers „Turmvilla“ übernommen hat. Seinerzeit musste schnell ein Konzept für die Kita ausgearbeitet werden, das nun überarbeitet worden ist, erklärte Hauptamtsleiter Dirk Eidtner auf Anfrage. Der Gesundheitsaspekt ist nun stärker in den Mittelpunkt gerückt, wie dem 19-seitigen Papier zu entnehmen ist.

Um sich als Kneipp-Kita bezeichnen zu dürfen, bedarf es einer Zertifizierung des Kneipp-Bundes. In Bad Muskau wird angestrebt, das Gütesiegel bis Anfang 2020 zu bekommen. Auch um das Label „Gesunde Kita“ bemühen sich die „Bergpiraten“, so der Hauptamtsleiter.

Die Kinder befassen sich spielerisch und unter Anleitung der entsprechend der Kneipp-Richtlinien ausgebildeten Erzieher täglich mit Kneipps Heil- und Lebenskonzept (siehe Kasten). Die Anwendungen werden in den Alltag eingebaut: unter anderem geregelter Tagesablauf mit ausreichend Ruhezeiten und Entspannung, gemeinsame Unternehmungen, Anerkennung für die Kinder. Bewegung gehört ebenso dazu – Sportangebote, auf dem Spielplatz, im Park – wie gesunde Ernährung und gemeinsame Mahlzeiten, mitwerkeln in der Küche. Frühstücks- und Vesperpläne werden laut Konzept unter Berücksichtigung ernährungswissenschaftlicher Standards und der Qualitätsrichtlinien der Kita erarbeitet. Das ist auch für den Stempel „Gesunde Kita“ wichtig.

Dass in puncto Ernährung auch das Zihen von Kräutern gehört, spielt in eine weitere Kneipp‘sche Säule hinein, nämlich das Beschäftigen mit Heilpflanzen und Kräutern, die die Kinder bei Ihren Spaziergängen sammeln können.
Was kommt einem aber wohl zuerst in den Sinn, wenn man an Kneipp denkt? Richtig, Wasseranwendungen. Drinnen und draußen erleben die „Bergpiraten“ Armbäder, Wassertreten, Waschungen und Bürstungen – bestimmt ein großer Spaß! Wenn die Kleinen in die Kita kommen, gibt‘s für jeden einen Kneipp-Beutel mit eigener Bürste und Leinenwaschlappen.

Der Gesundheits-Fokus bedeutet aber nicht, dass andere Aspekte des Kita-Lebens ausgeklammert werden. Das Haus hat sechs Integrationsplätze, beschäftigt zwei Mitarbeiter mit heilpädagogischer Zusatzqualifikation. Gemeinsam verbringen Kinder mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung den Kita-Tag gemeinsam mit Kindern ohne Handicap. Fester Bestandteil sind ferner die deutsch-polnische Zusammenarbeit mit einem Kindergarten in Leknica sowie die Kooperation mit Grundschule und Hort im Zuge der Schulvorbereitung für die „großen“ Kinder.

Nicht zuletzt sieht sich die Kita als Teil des städtischen Gemeinwesens. Dazu gehören nicht nur Exkusionen und Ausflüge in die Umgebung und besonders in den Fürst-Pückler-Park. Sie bringen den Kindern nicht nur die Umgebung näher, sondern zeigen ihnen laut Konzeption unter anderem auch, was die Stadt ausmacht, wie das Zusammenleben funktioniert und welche Vereine es gibt – auch um Interesse bei künftigem Nachwuchs zu wecken … Darüber hinaus ist die Kita bei städtischen Veranstaltungen dabei: Adventsmarkt, Aktion „Saubere Stadt“, Feste.

Irritationen bei einigen Stadträten rief die Aussage im Konzept hervor, dass die Entwicklungsschritte der Kinder unter anderem mithilfe von Portfolios dokumentiert werden. Mancher hatte hier datenschutzrechtliche Bedenken. Die Portfolios, so hieß es in der Sitzung, sind so untergebracht, dass man nicht einfach darauf zugreifen könne. „Sie sind nicht öffentlich“, wurde betont. Zudem hätten die Eltern eine Datenschutzerklärung unterschreiben müssen.