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Mittwoch, 02.05.2018

Gestern geerntet – heute im Handel

Auch in diesem Jahr gibt es wieder regionale Erdbeeren von Obstbauer Michael Görnitz. Die Zukunft ist jedoch ungewiss.

Von Uta Büttner

Vorfreude – schönste Freude: Michael Görnitz zeigt in den Gewächshäusern seines Obstbaubetriebes die ersten geernteten Erdbeeren, die heute im Handel erhältlich sind.
Vorfreude – schönste Freude: Michael Görnitz zeigt in den Gewächshäusern seines Obstbaubetriebes die ersten geernteten Erdbeeren, die heute im Handel erhältlich sind.

© Uta Büttner

Coswig. Rot, groß, aromatisch. Am 1. Mai hat die Saison der heimischen Erdbeeren begonnen – auch im Obstbaubetrieb Coswig. Allerdings zunächst in den Gewächshäusern in Nieschütz. In vielen, langen Reihen steht eine Pflanze an der anderen. Hummeln summen herum. Keine Bienen? „Sie sind für die Bestäubung von Erdbeeren ungeeignet“, sagt Inhaber Michael Görnitz.

Auf einer Fläche von 2,2 Hektar stehen 100 000 Pflanzen. „Heute haben wir 400 Kilogramm Erdbeeren gepflückt“, sagt der Obstbauer. Geliefert werden die ausschließlich reif geernteten Früchte an Rewe- und Edeka-Märkte. Etwa vier Stunden waren 14 Arbeitskräfte im Einsatz. Bald werden es mehr. Bis zu 20 Pflücker werden dann benötigt. Qualität wird großgeschrieben: Druckstellen dürfen nicht entstehen. Zu schnell können die Früchte dann faulen.

In drei bis vier Wochen startet die Freiland-Saison. Während im Gewächshaus ausschließlich die am besten geeignete Elsanta wächst, bietet das Coswiger Unternehmen aus Freilandkultur zwölf verschiedene Erdbeersorten an. In diesem Jahr neu: die Renaissance. „Das ist die Aroma-Erdbeere“, schwärmt Michael Görnitz.

Er ist leidenschaftlicher Obstbauer. Im Familienbetrieb aufgewachsen, hat er 2015 die Betriebsleitung übernommen. Der regionale Anbau im ökologischen Gleichgewicht liegt ihm am Herzen. Doch gerade die Kultivierung der Erdbeere bereitet ihm große Sorgen. Der Anbau ist mit hohen Kosten verbunden: Zum einen wegen der notwendigen reinen Handarbeit, zum anderen wegen der Umwelteinflüsse wie Hagel oder Starkregen.

Damit die Erdbeeren nicht faulen, setzt Michael Görnitz auf den Einsatz von biologischen Mitteln, wie beispielsweise Backpulver. „Das wirkt fungizid“ – pilztötend. Auf der anderen Seite gibt es lange Trockenperioden. „In diesem Jahr wird beispielsweise ein heißer, trockener Sommer prognostiziert“, sagt der Obstbauer. Aber zum Glück hat das Coswiger Unternehmen eine unterirdische Bewässerungs- und Nährstoffversorgung. Doch obwohl der Obstbaubetrieb damit gut ausgestattet ist, gibt es immer wieder Verluste. „Der Anbau von Erdbeeren ist hochriskant.“ Und teuer. „Deshalb haben zum Beispiel einige Betriebe in Bayern den Anbau von Erdbeeren bereits eingestellt“, sagt der Unternehmer. „Und wenn sich der Mindestlohn weiter so entwickelt, dann ist auch bei mir Schluss mit der Erdbeere. Ich befinde mich schon jetzt an meiner Schmerzgrenze.“ Denn so teuer könne er eine Schale nicht machen, wie er eigentlich müsste. „Dann kauft sie keiner mehr. Für einen Außenstehenden ist es auch schwer zu verstehen, warum die eine Schale aus Spanien nur 80 Cent kostet und eine mit regionalen Früchten vier Euro. Aber Qualität ist teuer.“

Doch Michael Görner kämpft für den regionalen Obstanbau. Deshalb arbeitet das Unternehmen auch eng mit Kindertagesstätten und Schulen zusammen. Die Kinder können zum Pflücken kommen. Abi-Klassen sich damit beispielsweise etwas für ihre Abschlussfeier verdienen. Der Obstbauer möchte Kinder und Jugendliche sensibilisieren und aufklären. So waren beispielsweise einige Schüler überrascht, dass Stachelbeeren wirklich Stacheln haben, erzählt Michael Görnitz.

Die ersten Erdbeeren – aus dem Gewächshaus – kosten etwa 30 Prozent mehr als die vom Feld. Wem das zu teuer ist, muss somit noch bis etwa Ende Mai warten. Dann können auch wieder die leckeren Beeren – die im Übrigen eigentlich keine Beeren, sondern Sammelnussfrüchte sind – selbst gepflückt werden.