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Dienstag, 06.03.2018

Gespür für Licht und Helligkeit

Bernhard Kretzschmar zählt zu den markantesten Vertretern der Dresdner Kunst. Die Städtische Galerie erinnert nun mit der Schau „Deutung des Daseins“ an dessen vielschichtiges Lebenswerk

Von Christian Ruf

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Edmund Kesting: Bernhard Kretzschmar, 1931, Mehrfachbelichtung, Sammlung Frieder Gerlach, Konstanz
Edmund Kesting: Bernhard Kretzschmar, 1931, Mehrfachbelichtung, Sammlung Frieder Gerlach, Konstanz
  • Edmund Kesting: Bernhard Kretzschmar, 1931, Mehrfachbelichtung, Sammlung Frieder Gerlach, Konstanz
    Edmund Kesting: Bernhard Kretzschmar, 1931, Mehrfachbelichtung, Sammlung Frieder Gerlach, Konstanz
  • Emporkömmlinge, 1939, Öl auf Leinwand, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
    Emporkömmlinge, 1939, Öl auf Leinwand, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
  • Im Café, 1925, Öl auf Leinwand, Lindenau-Museum Altenburg Fotos/Titel: VG Bild-Kunst Bonn, 2018
    Im Café, 1925, Öl auf Leinwand, Lindenau-Museum Altenburg Fotos/Titel: VG Bild-Kunst Bonn, 2018
  • Brühlsche Terrasse mit Hofkirche, 1953, Kunstfond, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
    Brühlsche Terrasse mit Hofkirche, 1953, Kunstfond, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
  • Ganz Gostritz und Mockritz, 1937/40, Kunstsammlungen Chemnitz
    Ganz Gostritz und Mockritz, 1937/40, Kunstsammlungen Chemnitz

In dem Stummfilmklassiker „Der General“ spielt Buster Keaton einen Mann, der sich bei Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges als Freiwilliger meldet, aber partout nicht angenommen wird, da er als Lokomotivführer unabkömmlich ist. Er wird gesellschaftlich geächtet, weil alle, auch seine Braut glauben, er habe sich aus Feigheit nicht als Soldat gemeldet.

Immer wieder schaltete er sich in öffentliche Diskurse ein.

Der Maler Bernhard Kretzschmar, der 1889 in Döbeln geboren wurde und zu den markantesten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Dresden gehört, meldete sich 1914 bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges umgehend freiwillig, wurde aber ausgemustert und diente dann noch von 1917 bis 1918 als Sanitätssoldat in Bautzen. Kann sein, dass er anfangs betrübt war, aber im Gegensatz zu anderen Künstlern wie August Macke und Franz Marc überlebte Kretzschmar und konnte der Nachwelt ein großes malerisches und grafisches Erbe hinterlassen, auch wenn bei der Bombardierung Dresdens 1945 viele seiner Werke zerstört wurden. Etliche Werke sind nun in der Ausstellung „Deutung des Daseins. Bernhard Kretzschmar“ in der Städtischen Galerie Dresden zu sehen.

Der Künstler prägte die Kunst des Nachexpressionismus ebenso, wie er der Malerei der Neuen Sachlichkeit eine koloristische Seite gab. So entwickelte er den Dresdner Kolorismus, Licht und Helligkeit spielen eine wichtige Rolle. Vor allem in den 1920er-Jahren interessieren Kretzschmar die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Die Ausstellung nimmt das künstlerische Schaffen Kretzschmars von seinen Anfängen bis in die späte Zeit um 1970 in den Blick.

1931 bezog Kretzschmar ein Atelier am Antonplatz, ein Jahr später wurde die „Dresdner Sezession 1932“ gegründet. Verbürgt ist, dass Kretzschmar immer wieder bei Behörden intervenierte, einflussreiche Persönlichkeiten um Unterstützung bat, sich streitlustig in öffentliche Diskurse einschaltete und sich stets eine eigene kritische Sicht zu bewahren versuchte. Nach der Zerstörung von Haus und Atelier zogen Kretzschmar und seine Frau an den Südrand der Stadt, wo es ihm gefiel, jedenfalls ist von ihm die Sentenz überliefert: „Versunken in mich, und die Logik im Geschehen meines Lebens traumhaft beobachtend, beschaue ich die mir immer wieder neue sonnige Landschaft durchs offene Fenster meiner abseitigen stillen Wohnung. Umschwebt von harmonischen Geistern spinnen in mir Gestaltungen, und glückhaftes Empfinden verbindet mir Anfang und Ende mit dem schönen sichtbaren Nichts.“

Service

Was: „Deutung des Daseins. Bernhard Kretzschmar“

Wann: noch bis 13. Mai

Wo: Städtische Galerie, DD

Tickets: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro

Hotline: 0351 488 7301

Internet: www.galerie-dresden.de