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Dienstag, 15.05.2018

Genussmensch mit 1,94 Metern und 77 Kilo

Jan Frodeno beschreibt seinen Weg aus einem eher sportfeindlichen Elternhaus zu einem der weltbesten Triathleten.

Von Jens Marx

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Die Freude muss raus. Jan Frodeno bejubelt 2015 seinen ersten Erfolg beim Ironman auf Hawaii. 2016 gewinnt er erneut.
Die Freude muss raus. Jan Frodeno bejubelt 2015 seinen ersten Erfolg beim Ironman auf Hawaii. 2016 gewinnt er erneut.

© dpa

Er leidet nicht gern und bezeichnet sich als Genussmensch, der Essen und Kochen liebt. Das sieht man Jan Frodeno mit seinen 77 Kilo bei 1,94 Metern und einem Körperfettanteil von fünf Prozent nicht an. Er ist einer der Besten in einer der kräftezehrendsten Sportarten, die es gibt. Frodeno ist zweifacher Ironman-Weltmeister.

Er beleidigte als kleiner Bub schon mal einen Lehrer und brachte Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren das Fliegen bei. Selbstdisziplin ist aber längst einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Leben des 36-jährigen zweifachen Familienvaters, der aus dem Rheinland stammt, lange in Südafrika lebte, seit einigen Jahren im spanischen Girona und australischen Noosa wohnt.

Sein Ziel heißt immer wieder Hawaii. Nach dem schmerzvollen Rennen 2017 gilt er natürlich als erster Herausforderer von Weltmeister Patrick Lange. Frodeno gewann 2015 und 2016 auf Hawaii. In einer Autobiografie, die seit Montag unter dem Titel „Jan Frodeno. Eine Frage der Leidenschaft. Mit Mut und Motivation zum Erfolg“ auf dem Markt ist, gibt er Einblicke in sein Leben und seinen Weg zu einem der besten Triathleten der Welt. Er ist der Einzige, der nach Olympia-Gold auch die Ironman-WM gewann.

Und das, obwohl in seinem Elternhaus der Sport einst nicht wirklich einen hohen Stellenwert hatte: Wenn früher beim Pflichtprogramm Tagesschau der Sport an der Reihe war, schalteten die Eltern um. Erst zum Wetter ging’s wieder zurück. Fußball war nicht die Stärke des kleinen Jan, der mit seinen Eltern 1992 vom Rheinland nach Südafrika nahe Kapstadt umsiedelte. Durch fleißiges Üben habe er es vom miserablen Kicker wenigstens zum schlechten Spieler geschafft, schreibt Frodeno.

Fleiß brachte ihn im Triathlon an die Spitze: Olympiasieger 2008 in Peking, Weltrekordhalter über die Langdistanz, aufgestellt 2016 bei der Challenge in Roth mit 7:35:39 Stunden. Er ist Familienmensch, Sportler und Unternehmer. Die erste Firma, die Frodeno mit seinem Freund und Berater Felix Rüdiger gründete, trägt den Namen Plan A – nicht ohne Grund, und er liegt ein bisschen zurück. Bei einem Sporthilfeforum kam Frodeno einst an die Reihe. Es war vor den Sommerspielen in China. „Ich möchte Triathlon-Olympiasieger werden. Ich habe keinen Plan B. Also muss Plan A funktionieren“, sagte er damals.

Es ging gut. Frodeno gewann und wurde erster deutscher Olympiasieger im Triathlon. Bei der Premiere 2000 in Sydney war Stefan Vuckovic Zweiter geworden. Frodeno bangte damals vor dem Fernseher mit – für Conrad Stolz, Triathlet aus Frodenos zweiter Heimat, der Platz 20 belegte. 2000 absolvierte auch Frodeno seinen ersten Triathlon. Er kam in Caledon auf Position drei und erhielt dafür ein Triathlon-Outfit als Preis. Die eigenen Schuhe kamen später dazu. Zum Abitur wurde Frodeno von seinen Eltern vor die Wahl gestellt: Feiertage mit den Kumpels oder Radschuhe. Die Wahl war klar. Es wurde nichts aus der Partywoche – Schritte der Kompromisslosigkeit, die ihn zu einem der Besten in seiner Sportart gemacht haben.

Detailreich und pointiert gibt das Buch einen Einblick in die Welt eines Ausnahme-Ausdauersportlers. Frodeno blendet dabei auch das Thema Doping nicht aus. „Es darf keine Chance für einmal überführte Betrüger geben“, fordert er. Frodeno erzählt auch, wie er 2015 nach seinem ersten Hawaii-Triumph nach kurzer Nacht einem Dopingkontrolleur splitternackt die Tür öffnete oder auf dem Flug nach Hawaii aufgrund heftiger Turbulenzen Lebensangst hatte. Der Sport ist für ihn dabei immer auch Identitätsfinder. „Nichts würde ich lieber machen als Triathlon“, sagt er. (dpa)

Buchtipp: „Jan Frodeno: Eine Frage der Leidenschaft, Mit Mut und Motivation zum Erfolg“. Mitarbeit: Maria Koettnitz, Patrick Strasser, 224 Seiten mit Bildteil, 20 Euro.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Thomas

    Lang und dürr. Magersucht lässt grüßen

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