erweiterte Suche
Montag, 13.08.2018

Gelb sind schon die Wälder

Die Trockenheit stresst die Bäume. Gerade in der Stadt werden viele Arten verschwinden.

Von Jana Mundus

3

Bild 1 von 3

Herbst mitten im Sommer. Dieser Rosskastanie setzt die momentane Trockenheit besonders zu. Forstbotaniker Andreas Roloff von der TUDresden kann ihren Stress sogar messen.
Herbst mitten im Sommer. Dieser Rosskastanie setzt die momentane Trockenheit besonders zu. Forstbotaniker Andreas Roloff von der TU Dresden kann ihren Stress sogar messen.

© Jürgen Lösel

  • Herbst mitten im Sommer. Dieser Rosskastanie setzt die momentane Trockenheit besonders zu. Forstbotaniker Andreas Roloff von der TUDresden kann ihren Stress sogar messen.
    Herbst mitten im Sommer. Dieser Rosskastanie setzt die momentane Trockenheit besonders zu. Forstbotaniker Andreas Roloff von der TU Dresden kann ihren Stress sogar messen.
  • Gelbe und braune Spitzen, mancher kahle Wipfel. Dem Wald oberhalb Tharandts sieht man den Hitzestress an.
    Gelbe und braune Spitzen, mancher kahle Wipfel. Dem Wald oberhalb Tharandts sieht man den Hitzestress an.
  • Im Forstbotanischen Garten in Tharandt wächst eine Alternative für deutsche Städte: der Amberbaum aus Nordamerika.
    Im Forstbotanischen Garten in Tharandt wächst eine Alternative für deutsche Städte: der Amberbaum aus Nordamerika.

Herbststimmung bei 37 Grad Celsius. Die Blätter der Bäume klammern sich gelb an die Zweige. Einige haben schon aufgegeben. Um die Stämme herum liegt trockenes Laub. Manche Baumkrone ist kahl. Die Hitze dieses Sommers setzt den Bäumen zu. Der fehlende Regen führt zu Trockenstress. Für Andreas Roloff, Professor für Forstbotanik an der TU Dresden, wird es deshalb auch stressig. Schon seit Jahren ist genau das sein Forschungsthema: die Auswirkungen von Trockenheit und möglichen Klimaveränderungen auf den Baumbestand in Deutschland. Der muss sich in den nächsten Jahrzehnten verändern, sagt der Forscher.

Vor allem junge Bäume haben jetzt besonders Probleme. Deren Wurzeln reichen einfach noch nicht tief genug. Schwer haben es auch jene Bäume mit besonders großen Blättern wie Bergahorn oder Sommerlinde. Doch der derzeitige Laubabwurf muss nicht immer beunruhigen. Einige Arten wie die Birke entledigen sich aus Selbstschutz ihrer Blätter und verringern so die Fläche der möglichen Verdunstung. Für das nächste Jahr hat der Forscher Andreas Roloff bei vielen derzeit kahlen Bäumen bereits neue Knospen entdeckt. Ein gutes Zeichen. Selbst wenn es in den kommenden Monaten trocken bleibt. Wenn das nächste Jahr weniger hitzig ist, können sich die Bäume wieder erholen. Ja wenn.

Der jetzige Stress für die Bäume ist messbar. Kleine Zweige am Baum kommen dafür in eine transportable, luftdichte Kammer. Darin messen Roloff und seine Kollegen die Verdunstung und den Grad der Fotosynthese, der in der Pflanze noch stattfindet. Schon in den trockenen Sommern 2003 und 2015 sammelten sie so wichtige Daten über den Zustand der Bäume. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, welche Arten in Zukunft in unseren Breiten noch eine Chance haben. Die Ergebnisse, die sie bisher zusammengetragen haben, sind bedenklich. Dennoch, um die Wälder macht sich Andreas Roloff dabei aber erst einmal weniger Sorgen. „Diese Bestände verjüngen sich selbst“, sagt er. Dort ist es schattig, dort speichert der Boden gut Wasser, und es bleibt auch in Zukunft artenreich. Schon seit einigen Jahren vollzieht sich in den hiesigen Wäldern eine Veränderung. Die reinen Fichtenwälder wurden über die Jahre durch das Pflanzen von zum Beispiel Buchen und Eichen zu Mischwäldern.

Anders sieht es bei Bäumen in der Stadt aus. Sie stehen am Straßenrand oder in Fußgängerzonen. Um sie herum Steine und Asphalt, die Wurzeln können sich nicht ausbreiten. Ein vielfach abgesenkter Grundwasserspiegel macht es ihnen zusätzlich schwer, an das überlebenswichtige Nass zu kommen. Viele dieser Bäume müssen derzeit zusätzlich bewässert werden. „In der Stadt werden künftig nur noch Bäume wachsen, die mit der Trockenheit klar kommen.“ Lediglich neun einheimische Arten sind für die anspruchsvollen klimatischen Bedingungen der Zukunft im Stadtgebiet noch geeignet, haben die Wissenschaftler herausgefunden. Für Sorten wie Feldahorn oder Winterlinde wird es schwer. Ein Problem. Für die Antwort auf die Baum-Frage fliegt Andreas Roloff nach Peking. Er schaut sich an, welche Bäume dort gut gedeihen. Das Wetter dort ist schon so, wie es in Deutschland gerade immer wieder auftritt: harte Winter, heiße Tage im Frühling, trockene Sommer. Um die 1 000 Baumarten gibt es in China. „Für die Stadtbepflanzung in Deutschland haben wir eine Liste von 40 möglichen passenden Bäumen erstellt.“ Die sollen in den nächsten Jahren weiter erforscht und eine Anpflanzung hier getestet werden. Eine chinesische Art empfiehlt Roloff schon heute, weil sie sich auch bei uns bereits etabliert hat: den Ginkgo. Der steht in Tharandt zum Beispiel schon groß vor dem Rathaus. Auch nordamerikanische Arten wie Roteiche oder Amberbaum sind hitzeresistente Alternativen.

Die Veränderung wird viele Jahrzehnte dauern, sagt Andreas Roloff. Regelmäßig informieren die Forscher Forstmitarbeiter, Grünflächenämter oder Baumschulen über die Ergebnisse ihrer Arbeit, damit anders bepflanzt werden kann. „Ganz verabschieden werden wir uns von bestimmten Arten nicht müssen.“ Dafür sorgen die Wälder. In die Städte ziehen die Neuen ein.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Chris

    "Vor allem junge Bäume haben jetzt Probleme", sagt Herr Roloff. Da hilft zumindest in so einer Dürreperiode wie jetzt, mal selbst als Bürger Zu Kanne und Eimer zu greifen , auch auf der öffentlichen Straße! 2-3 mal pro Woche ein paar Füllungen sollten schon helfen, um den Jungbäumen gut über die Runden zu helfen. Die kleinen Gitter über den Drainagerohren kann man ausheben und zur Seite drehen. Es sind auch UNSERE Bäume als Bürger, die Schatten für uns spenden.

  2. Anton

    @Chris,mal ne wirklich gute Idee.

  3. Rudol

    Zur Umfrage: Das Klima ist nie konstant!

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.