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Dienstag, 11.09.2018

Gekommen, um zu bleiben

Von Michaela Widder

Das Blaue Wunder gehört zu Dresden wie die DSC-Volleyballerinnen. Mit Maria Segura Palleres hat der Klub erstmals eine Spanierin verpflichtet. Der erste Pressetermin im Elbegarten wird mit Sightseeing verbunden. Ein Bier gab es noch nicht. Foto: Robert Michael
Das Blaue Wunder gehört zu Dresden wie die DSC-Volleyballerinnen. Mit Maria Segura Palleres hat der Klub erstmals eine Spanierin verpflichtet. Der erste Pressetermin im Elbegarten wird mit Sightseeing verbunden. Ein Bier gab es noch nicht. Foto: Robert Michael

© Robert Michael

An ihrem ersten Wochenende in Dresden erlebte Maria Segura Pallares gleich eine Attraktion im Volleyball. Zusammen mit ihren neuen Mitspielerinnen vom DSC war sie beim Länderspielsieg der deutschen Männer über Olympiasieger Brasilien. „Tolle Stimmung“, sagt sie über die Begegnung in der Ballsportarena, „und ich fand super, dass die Zuschauer standen, bis die deutsche Mannschaft in jedem Satz den ersten Punkt gemacht hat.“

So kennt man es von den DSC-Fans. Die Spanierin konnte schon mal einen Eindruck gewinnen, wie viel Begeisterung für Volleyball in ihrer neuen sportlichen Heimat aufkommen kann. Bis Segura aber das erste Saisonspiel in Dresden bestreitet, dauert es noch mehr als zwei Monate, und ob das am 10. November in der Margonarena stattfindet, ist unklar. Das Gutachten zum Brandschutz, der im Juni bemängelt worden ist, fehlt noch immer.

Eine stimmungsvolle Kulisse und regelmäßig eine ausverkaufte Halle dürfte ihr Trainer Alexander Waibl beim ersten Gespräch versprochen haben. Doch von einem Event wie dem Länderspiel in der neuen Ballsportarena ist der DSC weit entfernt.

20 Zuschauer beim FC Barcelona

„Die Leute saßen nah dran, super Stimmung, man hat gesehen, was möglich ist“, sagt Waibl und denkt dabei an seine 20 Jahre alte und sanierungsdürftige Spielstätte in der Bodenbacher Straße: „In unserer maroden Sporthalle sind wir limitiert.“ Es sei wie mit einer alten Kneipe, dort gehen auch keine jungen Leute hin.

Waibl lässt die spitze Bemerkung am Rande des Pressetermins mit dem spanischen Neuzugang fallen. „Trotzdem bin ich guter Dinge, dass sich die Situation für uns verbessert“, sagt er. Segura – sie versteht noch kein Deutsch – lächelt freundlich. Bei ihren Spielen in Cuneo, in der zweiten italienischen Liga, kamen 800 bis 1 000 Zuschauer. Doppelt so viele sind es beim DSC.

Ihr Weg ist ungewöhnlich. Normalerweise gehen erstklassige Spielerinnen von der Bundesliga nach Italien – nicht umgekehrt. Spanien ist eine B-Nation in dieser Sportart, und der FC Barcelona, ihr Heimatverein, nicht gerade für Volleyball bekannt. 20 bis 30 Zuschauer verirren sich in die Halle. Segura begann erst als 16-Jährige ernsthaft mit dem Training, als sie eine Sportschule besuchte. Die Idee, damit sogar mal Geld verdienen zu können, kam ihr in der Juniorenauswahl – und das erste Angebot aus Italien. Da war sie 20. Seitdem sammelte sie viel Erfahrung in einer der besten Ligen Europas, zwischenzeitlich stand sie mal bei Erstligist Monza unter Vertrag, meist aber in der zweiten Liga. „Die Spitzenteams sind vergleichbar mit Bundesligaklubs im Mittelfeld“, erklärt Waibl.

Er wollte die 26-Jährige schon vor einem Jahr verpflichten, im zweiten Anlauf hat es geklappt. Segura sei eine gute Springerin und eine kluge Spielerin, die „viele Lösungen mit Köpfchen“ parat hat. Mit der Spanierin, den zwei weiteren Neuverpflichtungen auf der Position – Nikola Radosová aus der Slowakei und Nationalspielerin Lena Stigrot – sowie Katharina Schwabe ist der Angriff durchweg mit erfahrenen Spielerinnen besetzt.

Von dem Quartett ist die 1,85 Meter große Spielerin der Bundesliga-Neuling und „sehr wertvoll für jede Mannschaft“, wie der Trainer erklärt, „da sie die kleinen, für das Spiel so wesentlichen Aufgaben erfüllt.“ Obwohl Segura mit Mitte zwanzig im besten Volleyballalter ist, sieht der 50-Jährige noch „gewaltiges Potenzial“.

Dass die Zusammenarbeit länger als eine Saison dauern könnte, ist im Interesse beider Seiten. Der DSC will gute Spielerinnen gern mehr als ein Jahr halten, viele ziehen aber hauptsächlich aus Geldgründen weiter. Doch Segura hat von dem Leben als Wanderarbeiterin erst einmal genug. „Ich will nicht mehr jedes Jahr umziehen, sondern gern mal an einem Ort ankommen. Das entspricht auch mehr meiner Persönlichkeit“, sagt sie.

Obwohl Segura erst eine Woche in Dresden und überhaupt das erste Mal in Deutschland ist, fühlt sie sich schon wohl. „Ich habe sofort eine gute Arbeitsatmosphäre gespürt. Ich habe den Eindruck, hier wird hart gearbeitet und es gibt hohe Ziele, das gefällt mir.“ Mit dem DSC spielt sie das erste Mal auch international, im Europapokal trifft das Team – wie passend – auf den italienischen Klub Busto Arsizio.

Mit neun Spielerinnen kann Waibl zurzeit arbeiten. Camilla Weitzel bekommt nach der U19-WM noch ein paar Tage Pause, die Finnin Piia Korhonen fällt mit ihrer Knöchelverletzung noch drei Wochen aus. Im 14-köpfigen Kader fehlen zudem die Nationalspielerinnen Stigrot und Barbara Wezorke sowie die neue US-Zuspielerin Amanda Benson. Wenn es für das Trio bei der WM gut und für Waibl aus Vereinssicht schlecht läuft, hat er sein Team erst wenige Tage vor Saisonbeginn zusammen.