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Freitag, 15.06.2018

Gefangen auf dem Berg

Rotstein-Wirt Marko Künze wartet auf die Straßensanierung. Schuld ist eine Fehlplanung.

Von Markus van Appeldorn und Romy Altmann-Kühr

Neben der Straße, die von Dolgowitz hinauf zum Berghotel am Rotstein führt, wird auch die Infrastruktur saniert. Die Straße hätte bereits vor Wochen asphaltiert werden sollen. Für den Hotelier bedeutet die Verzögerung Umsatz-Einbußen.
Neben der Straße, die von Dolgowitz hinauf zum Berghotel am Rotstein führt, wird auch die Infrastruktur saniert. Die Straße hätte bereits vor Wochen asphaltiert werden sollen. Für den Hotelier bedeutet die Verzögerung Umsatz-Einbußen.

© www.foto-sampedro.de

Wer sich mit dem Auto derzeit auf die Piste hinauf zum Berghaus auf dem Rotstein macht, riskiert den Verlust von Ölwanne und Auspuff. Die Fahrspur ist tief eingefurcht. Und es scheint, als hätten schwere Baustellen-Lkw diesen Zustand in den letzten Wochen noch verschärft. An einigen Stellen überbrücken Stahlplatten achsbrecherische Schlaglöcher. Ein attraktives Ziel ist das Berghaus zurzeit wirklich nur für Offroad-Fans.

Berghotelier Marko Künze sitzt deshalb meistens allein mit einer Mitarbeiterin in seinem Haus. Und in diesen Tagen ist er regelrecht ein Gefangener seines Hotels. Jedenfalls tagsüber. Zwischen 8 und 17 Uhr ist die Straße nämlich meistens wegen der Bauarbeiten gesperrt. Keiner kommt rauf. Keiner kommt runter. Gäste empfangen kann Marko Künze nur am Wochenende. „Ich habe schon mehren Gruppen absagen müssen, die unter der Woche kommen wollten“, sagt er der SZ.

Nach Pfingsten sollte geteert werden

Der Hotelier ist das Opfer einer verfehlten Bauplanung geworden. „Der Zeitplan in seiner ursprünglichen Form ist hinfällig“, sagt Rotstein-Gastwirt Künze. Ursprünglich sah es nämlich so aus: „Eigentlich sollte die Straße direkt nach Pfingsten neu geteert werden und deshalb vier Wochen komplett gesperrt sein“, erzählt Künze. So habe es ihm die für die Bauarbeiten zuständige Stadt Löbau damals zugesagt.

Pfingsten ist nun beinahe schon einen Monat her und von einer neuen Straße immer noch keine Spur. Der Landkreis Görlitz hat nämlich bis Ende Juni einen Baustopp verfügt. Über die Hälfte der Strecke zum Rotstein, etwa 820 Meter, führt die Straße durch Sachsens ältestes Naturschutzgebiet. Dort dauert bis zum 30. Juni die Brutzeit geschützter Vögel. Die Naturschutzbehörde des Landkreises untersagte in dieser Zeit den Straßenbau. Davon sei nie die Rede gewesen, hieß es daraufhin verärgert aus der Stadtverwaltung. Dafür gab‘s einen Konter von der Naturschutzbehörde: Davon habe auch nie die Rede sein müssen. Die Stadt Löbau selbst habe nämlich in ihrem Bauantrag zum Straßenausbau die Zeit von März bis Juni als Bauzeit ausgeschlossen – dann aber im April mit dem Bau begonnen.

Dem Hotelier Marko Künze hatte von all dem niemand etwas gesagt. Er wurde vom Baustopp überrascht. Seine Kenntnis über die neuen Pläne: „In der ersten Juliwoche soll nun der untere Teil der Straße, der nicht durch das Naturschutzgebiet führt, geteert werden.“ Dafür werde die Auffahrt vier Tage lang komplett gesperrt. Wann das zweite Teilstück eine neue Straßendecke bekommt, weiß er nicht.

Das erste Teilstück verläuft bis zu einem Funkmast, an dem im Zuge der Straßensanierung auch ein Parkplatz für Wanderer angelegt werden soll. Sogar für Busse soll dort Platz sein. Auch diese Bauarbeiten hatte die Naturschutzbehörde zeitweise untersagt. Auf dem Rotstein vermutet man das wahrscheinlich größte zusammenhängende Haselmausrevier Sachsens. Wegen des langen Winters hätten die streng geschützten Haselmäuse länger Winterschlaf gehalten. Bauarbeiten könnten die Tiere dabei stören.

Die Straße ist für den Betrieb des Berghotels von existenzieller Bedeutung. „Ohne die Sanierung kann ich das Haus da oben zuschließen“, sagt Marko Künze, „Dann überlebe ich mit dem Unternehmen das Jahr nicht.“ Besonders auf Veranstaltungen wie zum Beispiel Hochzeitsgesellschaften ist er angewiesen. Doch zurzeit will niemand eine Braut dorthin entführen. Die Stadt Löbau ist zuversichtlich, die Sanierung trotz der Verzögerung noch in diesem Jahr abschließen zu können – versieht diese Aussicht aber mit einem Fragezeichen: Genaue Aussagen könne man erst treffen, wenn abgeklärt ist, ob sich die Termine für den Einbau des Asphalts einhalten lassen, heißt es dazu von der Stadt.

Verzögerung könnte teuer werden

Hotelier Marko Künze bleibt auch nur die Hoffnung. „Ich bin zuversichtlich, dass da in den nächsten Tagen in vollem Umfang weitergearbeitet werden kann“, sagt er. Er ist nicht auf einen Konflikt aus – weder mit der Stadt, noch mit dem Landkreis. „Ich möchte keine Schuld zuweisen. Es geht um das Wesentliche“, sagt er. Und das sei für ihn die schnelle Fertigstellung der Straße. „Ich könnte jetzt ja viel Tamtam machen mit Anwalt und so. Aber was soll mir das bringen?“

Dennoch, ganz aus der Verantwortung lassen möchte er irgendwelche Behörden nicht. „Wenn das alles mit zehn bis zwölf Wochen Verzögerung fertig ist, wird darüber zu reden sein, welcher Schaden mir tatsächlich entstanden ist“, sagt er. Noch könne er das nicht beziffern.

Auch die Stadt Löbau schließt nicht aus, dass die Verzögerung die Kosten für die Straßensanierung in die Höhe treiben könnte. Die Stadt hat für den Bau Fördermittel vom Freistaat Sachsen erhalten. Der Freistaat will damit die touristische Erschließung des Wandergebietes am Rotstein unterstützen. Laut Mitteilung der Stadt habe man die Fördermittelbehörde bereits vorgewarnt, dass es nun teurer werden könnte.